Sie sind hier:

Europa ohne Euro - eine Spekulation

Ginge mit der Währung auch die Idee zugrunde?

Gesellschaft - Europa ohne Euro - eine Spekulation

Die anhaltende Krise bietet Anlass genug, einen Rückblick auf die Europa-Idee zu werfen und einen Ausblick darauf zu wagen, was aus ihr werden könnte. Gäste waren: Juli Zeh und Joschka Fischer.

Beitragslänge:
62 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.03.2017, 14:16

Kaum ist der Euro zehn Jahre alt, da ist die Währung schon tief in der Krise, tiefer als je zuvor. Seit der Bankenpleite 2008 ist er allen milliardenschweren Rettungsaktionen der Gemeinschaft zum Trotz den Zonen akuter Gefährdung nicht wirklich entkommen. Aus der Finanzkrise wurde die Staatsschuldenkrise.

Mit den Stützungsanstrengungen für den maroden griechischen Staatshaushalt durch die Länder der EU wird nicht mehr nur der Euro als gemeinsames Zahlungsmittel kritisch hinterfragt, sondern mit ihm die ganze europäische Idee. Taugt der Euro noch als populäres Bindemittel für die Menschen in der Union, kann er Zusammengehörigkeit und gemeinsame politische und ethische Werte noch ungebrochen symbolisieren?

Ist weniger mehr?

Die anhaltende Krise bietet wohl Anlass genug, einen Rückblick auf die Europa-Idee zu werfen und einen Ausblick darauf zu wagen, was aus ihr allenfalls werden könnte. Es war gewiss richtig, nach den zerstörerischen Kriegen in Europa nach Wegen zu einer Friedensunion zu suchen, auch nach einer festen Einbindung Deutschlands darin. Dabei war man ziemlich erfolgreich. Zugleich aber entwickelte sich, besonders in Deutschland, eine Europa-Ideologie. Wer zum Beispiel frühzeitig Skepsis gegenüber der Einführung des Euro äußerte, wurde schnell als Feind Europas gebrandmarkt. Wer die unterschiedlichen politischen Kulturen in Europa geltend machen wollte, dem wurde mit dem Vorwurf des Rückfalls in den Nationalismus begegnet. Nicht erst seit der Finanz- und Schuldenkrise wurden die Maßnahmen oft als "alternativlos" im Blick auf die Realisierung eines geeinten Europas hingestellt.

Ist es nicht höchste Zeit, so fragen Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski, sich diesen Denkzwängen zu entziehen? Muss die Europa-Idee auf den Prüfstand? Wie werden die beiden Gäste der Philosophen reagieren, die Schriftstellerin Juli Zeh und der Ex-Außenminister Joschka Fischer, beide bisher überzeugte Verfechter eines geeinten Europas und zugleich befähigt zu präzisem Blick auf die Realität? Vor kurzem hat Altbundeskanzler Helmut Kohl als einer der Gründerväter des Euro noch einen beschwörenden Appell an die Politiker gerichtet, in ihren europäischen Überzeugungen nicht nachzulassen. Zu fragen ist aber: Schadet die Fixierung auf den Euro der Europa-Idee? Schafft sie nicht die Gefahr neuer Verfeindungen? Europa ohne Euro - nicht doch mehr als nur Spekulation? Wäre in diesem Sinn nicht weniger Europa in Wirklichkeit mehr Europa?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet