Von Weisen und Sternträgern

Ursprung und Tradition des Festes "Dreikönig"

Die Weisen aus dem Morgenland folgten dem Stern nach Bethlehem, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Laut Matthäus-Evangelium brachten sie als Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe mit. Doch warum werden heute die Weisen als Könige gefeiert?

Sternsinger auf Feld vor weiß-blauem Himmel Quelle: dpa

Am 6. Januar feiert die katholische Kirche das Hochfest der "Erscheinung des Herrn". Erste Spuren dieses Festes finden sich bereits im dritten Jahrhundert in Alexandrien. Es handelt sich um das ursprüngliche Geburtsfest Jesu in der östlichen Kirche, mit dem sich schon früh die Erinnerung an seine Taufe und die Hochzeit von Kana verband, bei der Jesus das erste Wunder wirkte.

Der Westen feiert die Geburt Jesu am 25. Dezember. Dieser Termin als Weihnachtsdatum ist für Rom erstmals im Jahr 336 gesichert. Einige Historiker gehen davon aus, dass die Kirche den Termin bewusst gewählt hat, um das von den römischen Kaisern erst im Jahr 274 eingeführte heidnische "Geburtsfest des unbesiegbaren Sonnengottes" neu zu deuten.

Weise mit königlichen Gaben

In der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts vermischten sich die östliche und die westliche Tradition. Im Osten wurde am 25. Dezember, die Geburt Jesu und die Ankunft der Weisen gefeiert. Am 6. Januar erinnert die Ostkirche an die Taufe Jesu und die Hochzeit von Kana. Im Unterschied dazu feierte der Westen die Ankunft der Sterndeuter am 6. Januar. Diese traten in der Volksfrömmigkeit des Mittelalters so stark in den Vordergrund, dass Epiphanie (griechisch epiphaneia "Erscheinung") meist das Fest der "Heiligen Drei Könige" genannt wurde.

Die Weisen aus dem Morgenland, die laut Matthäus-Evangelium dem Stern nach Bethlehem gefolgt sind, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen brachten als Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe mit. Aufgrund der Anzahl der Gaben und ihrem hohen Wert, wurden diese als königliche Gaben interpretiert und die Weisen im Volksglauben zu den drei Königen. Seit dem sechsten Jahrhundert werden ihre Namen mit Caspar, Melchior und Balthasar angegeben. In der Kunst wird Caspar meist als Myrrhe schenkender Afrikaner, Melchior als Europäer, der Goldschätze überreicht, und Balthasar als Weihrauch bringender asiatischer König dargestellt.

Aktion der Sternsinger

An die Heiligen Drei Könige, die auch als Schutzpatrone der Reisenden, Pilger, Kaufleute, Gastwirte und Kürschner verehrt werden, erinnert die alljährliche Sternsingeraktion. Sie gilt weltweit als die größte Initiative von Kindern für Kinder und findet 2012 zum 54. Mal statt. Jungen und Mädchen ziehen als Könige und Sternträger verkleidet von Haus zu Haus und sammeln Geld für soziale Projekte in den Entwicklungsländern. Dabei schreiben sie mit Kreide 20*C+M+B*12 über die Türen der Häuser, die sie besucht haben. Die Buchstaben werden zwar oft als die Namen der Heiligen Drei Könige - Caspar, Melchior und Balthasar - gedeutet, sind aber die Abkürzung für die Segensbitte "Christus segne dieses Haus" (Christus Mansionem Benedicat).

Der erste schriftliche Hinweis auf Sternsinger stammt bereits aus dem 15. Jahrhundert. Damals bestritten Schulmeister mit ihren Klosterschülern teilweise ihren Lebensunterhalt, indem sie von Haus zu Haus zogen und Spenden sammelten. Bis ins 19. Jahrhundert konnten Ärmere auf diese Weise Lebensmittel erlangen, ohne betteln zu müssen. 1958 wurde der Brauch durch den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und das Kindermissionswerk wiederbelebt.

Verschiedene Kalender

In einigen orthodoxen Kirchen sind der 6. und 7. Januar der Termin für das Weihnachtsfest. Dies ist jedoch nicht auf die anfangs erwähnte ostkirchliche Tradition des 3. Jahrhunderts zurückzuführen, sondern auf die Kalenderreform des 16. Jahrhunderts. Papst Gregor XIII. führte 1582 den gregorianischen Kalender ein. Dieser löste den julianischen Kalender ab, der noch auf Cäsar zurückging. Die Zeitdifferenz zwischen beiden Kalendern beträgt 13 Tage. Während sich die Kirchen des Westens nach dem gregorianischen Kalender richten, halten einige orthodoxe Kirchen noch am julianischen Kalender fest. Dazu gehören etwa die orthodoxen Christen in Russland, der Ukraine, Serbien, Polen, Georgien und Jerusalem.

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