Geraubtes Leben: Debra Milke

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Nachdem ihr Sohn ermordet worden war, wurde Debra Milke 1991 in den USA zum Tode verurteilt. 22 Jahre saß sie in der Todeszelle, bis das Urteil 2013 schließlich aufgehoben wurde und sie frei kam.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.03.2017, 00:00

Nachdem ihr Sohn ermordet worden war, wurde Debra Milke 1991 in den USA zum Tode verurteilt. 22 Jahre saß sie in der Todeszelle, bis das Urteil 2013 schließlich aufgehoben wurde und sie frei kam. Immer wieder hat ML über das Schicksal von Debra Milke berichtet. Nun versucht sie einen Neuanfang. „Das Schlimmste, was einem passieren kann, habe ich bereits hinter mir. Alles, was jetzt kommt, werde ich meistern“, sagt Debra Milke im ML-Interview und resümiert: „Wie wertvoll Freiheit ist, wird dir erst klar, wenn sie dir genommen wird.“

Ihr Sohn ermordet, von ihrer Familie verstoßen, von falschen Freunden zutiefst verletzt. Wie hält die 52-Jährige das alles aus? „Ich weiß nicht, ich versuche irgendwie durch jeden Tag zu kommen. Ich bin immer noch dabei mich zu finden.“ Seit zweieinhalb Jahren ist sie nun frei, doch es sei ein Leben, geprägt durch einen bohrenden, nicht enden wollenden Schmerz: „Was mir am meisten fehlt? Ich vermisse meinen Sohn und ich vermisse meine Mutter.“

Der Tag, an dem ihre Welt zusammenbricht, ist der 2. Dezember 1989. Debra Milke erlaubt ihrem Sohn Christopher mit ihrem Bekannten Jim den Weihnachtsmann in einem Einkaufszentrum zu besuchen. „Wie an jedem anderen Tag umarmte ich ihn, gab ihm einen dicken Kuss, und dann sind sie fort“, erinnert sich die Mutter. Seit der Trennung von ihrem Mann Michael lebten Debra und ihr Sohn bei ihrem Bekannten Jim. Der kleine Christopher ist ein aufgewecktes fröhliches Kind. Von jenem Ausflug aber kommt er nicht lebend zurück.

Debra Milke und ML-Redaktionsleiterin Sibylle Bassler
Debra Milke und ML-Redaktionsleiterin Sibylle Bassler Quelle: ZDF

Am folgenden Tag wird seine Leiche in der Wüste von Phoenix aufgefunden. Der Junge wurde brutal ermordet, durch drei Kugeln in den Hinterkopf. „Ich will es mir gar nicht vorstellen, wie es ihm zuletzt erging, diese Bilder würden mich nicht mehr loslassen“, sagt Debra Milke. Seine Mörder, Debras Bekannte: Jim Styers und Roger Scott. Wer von beiden geschossen hat, ist bis heute nicht geklärt. Scott belastet Debra später, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Wegen der Lebensversicherung für ihren Sohn in Höhe von fünftausend Dollar. Debra wird von dem Polizisten Armando Saldate verhört. Er behauptet vor Gericht, Debra Milke habe ein Geständnis abgelegt. Sie bestreitet dies. Vergeblich. 1991 werden alle drei zum Tode durch die Giftspritze verurteilt.

24 Jahre ist Debra in Haft, davon 22 Jahre in der Todeszelle - ein halbes Leben. Dann 2013 die Wende. Auf Drängen der Mutter und dank neuer Anwälte kommt es zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens. Ein Gericht zweifelt die Glaubwürdigkeit des Polizisten an, dessen Aussage Debra in die Todeszelle gebracht hatte. Das Todesurteil wird aufgehoben. Debra kommt frei. Sie hat alles verloren, doch nun versucht sie, wieder Tritt zu fassen - im Leben.

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