Der Prix Courage 2010

Bärbel Kannemann und ihr mutiges Engagement

Mit dem Prix Courage werden außergewöhnliche Frauen ausgezeichnet, die sich speziell für das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Jedes Jahr wird der Preis in München im Rahmen einer Feierstunde von den Initiatoren ML mona lisa und Clarins verliehen. Dieses Mal war Peter Maffay gekommen, um die Laudatio für Preisträgerin Bärbel Kannemann zu halten. Die 63-Jährige kümmert sich um Mädchen, die in die Fänge eines sogenannten "Loverboys" geraten sind.

Sibylle Bassler, Preisträgerin Bärbel Kannemann, Christian Courtin-Clarins und Peter Maffay auf der Bühne
Sibylle Bassler, Preisträgerin Bärbel Kannemann, Christian Courtin-Clarins und Peter Maffay auf der Bühne Quelle: ZDF
Peter Maffay
Prix Courage 2010 - Peter Maffay Quelle: ZDF


Sie sehen gut aus, sind charmant und versprechen jungen Mädchen die große Liebe: die so genannten "Loverboys". Was so nett klingt, ist nichts anderes als eine perfide Art der Zuhälterei, bei der Minderjährige von jungen Männern mit Liebesversprechen geködert werden, um sie dann von sich abhängig zu machen. Man kennt dieses Phänomen vor allem in den Niederlanden. In Deutschland wird es erst jetzt, nach und nach, von den zuständigen Behörden als Gefahr erkannt. Dank einer mutigen und unerschrockenen Frau: Bärbel Kannemann, ehemalige Kriminalkommissarin und Mitgründerin des Vereins "Eilod", der Elterninitiative für Loverboy Opfer Deutschland.

Der selbstlose Einsatz

Der Prix Courage 2010 - Impressionen der PreisverleihungHunderten von Mädchen und ihren Angehörigen hat sie schon geholfen, mit Rat, Tat und Zuversicht. Und die Geschichten der Betroffenen, sagt die 63-Jährige, seien eigentlich immer die gleichen: "Es ist erstmal dieses Verliebtsein in ihn, dann die Bestätigung von ihm, dem Loverboy, die Anerkennung, das Gefühl der Zuneigung - und dann kommt ganz schnell dieser Wandel in Brutalität, Gewalt und Zwangsprostitution." Die Ex-Kommissarin will nicht tatenlos zusehen, sondern geht im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße, um diese Mädchen zu schützen und im Notfall auch bei sich privat unterzubringen. So manches Mal, sagte Bärbel Kannemann, habe sie schon um Leib und Leben gefürchtet, jedoch nicht um das eigene, sondern um das der Betroffenen.

Bärbel Kannemann
Prix Courage - Bärbel Kannemann Quelle: ZDF


Bärbel Kannemann ist eine sehr mutige Frau, die zuerst an andere denkt und dies alles ehrenamtlich macht. Ihr größter Wunsch sei es, ein Netzwerk in Deutschland aufzubauen, mit guten Einrichtungen in jedem Bundesland, wo die Mädchen schnell und unverzüglich unterkommen könnten. Ein Wunsch, zu dessen Erfüllung ML mona lisa und Clarins mit ihrem Prix Courage beitragen wollen. Es ist bereits das siebte Mal, dass in Kooperation außergewöhnliche Frauen ausgezeichnet werden, ihr Engagement mit dem Prix Courage geehrt wird. Und so unterschiedlich diese Frauen in all den Jahren waren und sind, so ist ihnen eines gemeinsam: Es sind ganz besondere Menschen, die mit einer kleinen Idee Großartiges bewirken, die zeigen: Ja, es geht! Man kann die Welt verändern, in kleinen Schritten, wenn man es nur will.

Zu Ehren der Preisträgerin

Roger Cicero begeisterte mit seinem Auftritt. Zur Feier in der Allerheiligen Hofkirche im München am 30. November 2011 brachte Peter Maffay in seiner Laudatio seine Wertschätzung für die diesjährige Preisträgerin zum Ausdruck: "Was für viele Mädchen als Abenteuer beginnt, endet als Alptraum. Aber es sind Menschen wie Bärbel Kannemann, die diesen Opfern Hoffnung geben und es sind Menschen wie Bärbel Kannemann, denen unsere Gesellschaft zu großem Dank verpflichtet ist." Musikalisch begleitet wurde das Programm von Roger Cicero, dem international bekannten Pop- und Jazz-Sänger, der mit seiner unverwechselbaren Stimme verwöhnte, dem Auftritt der Brüder Gerassimez Duo, zwei erfolgreichen Stipendiaten der "Deutschen Stiftung Musikleben", und nicht zuletzt von dem Trio Acoustic, das die Veranstaltung stets musikalisch unterstützt.

Die Brüder Nicolai und Alexej, Stipendiaten der "Deutschen Stiftung Musikleben" mit ihrem Musikstück. Preisträgerin Bärbel Kannemann konnte schließlich überglücklich ihren Preis in Empfang nehmen und erklärte: "Es geht aber auch nicht um meine Probleme, sondern es geht um Mädchen wie die 14-jährige Lisa, die 13-jährige Lea und die 12-jährige Kim. Mädchen, die vielleicht gerade jetzt in diesen ein, zwei Stunden anschaffen müssen, anschaffen im Auto auf dem Parkplatz im Industriegebiet außerhalb der Stadt, auf einer versifften Matratze in einer leerstehenden Wohnung, oder auf der Bahnhofstoilette. Diese Mädchen dürfen wir auf keinen Fall vergessen. Und was ich niemals vergessen werde, ist die Frage einer 15-Jährigen, die vier Jahre als Prostituierte gearbeitet hat, die zu mir kam und sagte, Bärbel, sag' mir doch bitte, wie ich damit leben soll, dass ich als Kind schon Hure war."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet