Die Berliner "Heroes"

Projekt zur Förderung der Integration

Sie heißen Deniz, Ahmad, Yilmaz oder Gökay. Sie sind die Helden von Berlin. Ihr Einsatzort: Neukölln, Wedding oder Kreuzberg. Viele Ausländer und viele mitgebrachte Traditionen. Die Heroes sind Jugendliche aus türkisch-arabischen Familien, bestens ausgebildet und integriert und so ganz anders als das übliche Migranten-Klischee. Ihr Ziel: andere junge Muslime erreichen und sie aufklären über demokratische Errungenschaften wie Freiheit und Gleichberechtigung.

Ein Plakat mit der Aufschrift "Heroes" Quelle: ZDF

Ob Berlin-Wedding, Neukölln oder Kreuzberg, die Stadtteile Berlins haben eines gemeinsam: Viele Ausländer, viele mitgebrachte Traditionen. Und eben dort sind die "Heroes" aktiv: Junge Männer aus türkisch-arabischen Einwandererfamilien, die meisten Gymnasiasten und bestens integriert. Sie wollen andere muslimische Jugendliche erreichen, für die Demokratie und Gleichberechtigung noch immer Fremdwörter sind.

Rollenspiele für besseres Verständnis

Die jungen Helden gehen in Schulen, Jugendtreffs und Ausbildungsstätten. Die "Heroes" packen dabei heiße Eisen an. In den Diskussionsrunden geht es um Ehrenmord, Zwangsheirat und Sex vor der Ehe - und immer wieder um Ehre, die bei jungen Muslimen offenbar viel mit der eigenen Schwester zu tun hat.


Yilmaz Atmaca ist Theaterpädagoge und Gruppenleiter bei den "Heroes". Er erklärt: "Wir versuchen, diese Menschen zu erreichen, in deren Leben Gleichberechtigung wenig Raum hat. Wie kann man das umwandeln, wie kann man darüber anders denken? Wir müssen damit unsere Werte nicht abgeben, andere Werte annehmen, sondern nachdenken." Auch im Rollenspiel geht es um Kontrolle und Unterdrückung der Frauen.

Heroes - Deniz Ince Quelle: ZDF

Seit zwei Jahren macht Deniz Ince bei den "Heroes" mit. Die Eltern des 20-jährigen Gymnasiasten stammen aus der Türkei. Deniz erzählt, warum er mitmacht: "Ich bin 'Hero', weil ich etwas an unserer Gesellschaft ändern möchte, weil ich unseren Ruf bei der Gesellschaft verbessern möchte. Und mit 'uns' meine ich die mit muslimischem Hintergrund, hauptsächlich mit Migrationshintergrund natürlich. Ich tue das deshalb, weil es in unserer Gesellschaft gerade nicht so prickelnd aussieht und ich probiere, es zu verbessern."

Vorbild aus Schweden

Heroes - Dagmar Riedel Quelle: ZDF


Die "Heroes"-Projektleiterin Dagmar Riedel-Breitenstein hat das Modell aus Schweden vor vier Jahren nach Berlin geholt. Die Diplompsychologin coacht die jungen Freiwilligen, beschreibt die Situation so: "Alle sind daran gewöhnt, junge Migranten als die auffälligen, gewaltbereiten, die finster guckenden zu erleben. Und dann sind da welche, die sind total nett, die sprechen deutsch, die machen sich Gedanken, die geben sich Mühe, die wollen etwas verändern - ein Bild, das es in der Öffentlichkeit überhaupt nicht gibt, wonach es aber eine Sehnsucht gibt." Und auch die Heroes haben eine Sehnsucht, sagt sie noch, nämlich die nach Anerkennung von der Gesellschaft.

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