Die Jungen kommen

Politik im Aufwind?

Gesellschaft | ML mona lisa - Die Jungen kommen

Terrorgefahr, Rechtsextremismus, Donald Trump – es reicht, so der Tenor vieler junger Menschen, die sich politisch engagieren. ML über Junge, die mitreden wollen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.01.2018, 18:00

Eva Feldmann-Wojtachnia ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Jugend und Europa am Centrum für angewandte Politikforschung in München. Für ML beantwortet sie Fragen zum Thema “Politisches Engagement von jungen Menschen.“

ZDF: Gibt es einen Trend zu mehr politischem Engagement bei jungen Leuten?

Das Bild zeigt Eva Feldmann-Wojtachnia.
Eva Feldmann-Wojtachnia Quelle: ZDF

Eva Feldmann-Wojtachnia: Ich würde ganz vorsichtig davon sprechen, dass in kommunalen Kontexten, wo der Kontakt sehr direkt ist zu einzelnen politischen Akteuren, und wo es direkte Möglichkeiten des Engagements gibt, das Interesse auf jeden Fall zunimmt, und dass dort auch der richtige Ort ist, sich zu engagieren. Da sind die Wege sehr kurz, da kennt man sich, und da gibt es auch Dinge zu entscheiden, die das direkte Leben betreffen. Vorsichtig gesprochen, kann man beobachten, dass in kommunalen Kontexten bundesweit durchaus solche Tendenzen sichtbar werden.

ZDF: Wie äußert sich die Bereitschaft junger Leute zum politischen Engagement?

Eva Feldmann-Wojtachnia: Die Bereitschaft zum Engagement, auch sich politisch zu engagieren, ist bei einem Drittel der Jugendlichen sehr deutlich vorhanden. Es ist so, dass sie sich aber lieber in nicht offiziellen Institutionen oder Parteien engagieren und sich auch in nicht staatlichen Organisationen, in Bewegungen, in Aktionsbündnissen, in Netzwerken organisieren. Das entspricht mehr dem jugendlichen Lebensstil. Man muss dann nicht das ganze Parteipaket für sich in Anspruch nehmen, sondern kann genau diesen Bereich selektiv bedienen. Das ist das, was attraktiv ist. Ich muss mich dann wirklich nur gegen Rechts engagieren mit bestimmten Aktionen, aber muss nicht gleich noch alle Parteiüberlegungen mit übernehmen. Das ist spannend.
Insofern glaube ich, Parteien tun ganz gut daran, wenn sie jetzt eher kurz- und mittelfristig erst mal auf die Steigerung der Wahlbeteiligung schauen, statt gleich zu hoffen, dass junge Menschen in Parteien eintreten. Das wird sie abschrecken. So will sich niemand binden, oder wenn man sich so binden wollte, müsste man aus Sicht von jungen Menschen auch direkt was dafür bekommen können. Das bedeutet, klare Mitsprache, klare Mitwirkung und eben auch eigene Entscheidungsräume. Die hat man da nicht, dafür umso mehr in Aktionsbündnissen, in Netzwerken. Das ist viel direkter, da sind die Wege kürzer, und auch die Anlässe überschaubarer. Wenn ich morgen zu einer Demo gehen muss, um dort meinen Standpunkt zu vertreten, dann ist das viel einfacher und überschaubarer, als Politik, die in komplexeren Zusammenhängen funktioniert.

ZDF: Wie bewerten Sie das?

Eva Feldmann-Wojtachnia: Es ist gut, dass die jungen Leute sich engagieren wollen. Es ist auch gut, dass sie sich lebhaft für eine aktive Zivilgesellschaft einsetzen. Aber es ist schlecht, dass so eine Kluft besteht zwischen Politikern und jungen Menschen. Das muss in jedem Fall überwunden werden auch mit Blick auf die Bundestagswahl, sonst gehen die Leute entweder nicht zur Wahl, was noch die bessere Variante ist, oder sie wählen aus Protest, und das kann sich dann so äußern, dass man sehr extrem wählt.

ZDF: Ablehnung des NPD-Verbotes – könnte das Motivationsgrund sein, sich politisch zu engagieren?

Eva Feldmann-Wojtachnia: Das kann in jedem Fall ein Motivationsgrund sein, ein bisschen unter der größeren Fragestellung, in welcher Gesellschaft wollen wir leben, und wie kann ich die Gesellschaft mitgestalten? Sich zu engagieren, das wissen junge Leute auch, kann nicht nur bedeuten, gegen etwas zu sein. Das ist dann zu wenig. Das kriegt man gut vorgeführt durch die AfD. Die sind auch ständig gegen alles, aber was eine konkrete Gestaltung bedeuten würde, das ist meistens gar nicht so klar. Junge Leute sehen das jetzt auch. Sie sehen, man müsste im Grunde die Frage aufwerfen, wie und in welcher Gesellschaft wollen wir eigentlich leben, und wie können und wollen wir diese Gesellschaft mitgestalten? Und ist es immer nötig, dass man direkt in der Politik institutionell verankert ist oder kann es nicht, und das würde mehr jungen Leuten entsprechen, Dialoge und offenere Formen geben, des Bürgerdialogs, der Bürgerbeteiligung, des Miteinanders.

ZDF: Wie kann man die schweigende Mehrheit zum Handeln bringen?

Eva Feldmann-Wojtachnia: In jedem Fall ist die Politik selbst gefragt. Sie muss auf Bürgerinnen und Bürger zugehen und muss zunächst mal erklären. Ich finde es wirklich alarmierend, dass nur 24 Prozent der Jugendlichen sagen, ich verstehe so in etwa, wie die Politik läuft. Mit anderen Worten, fast 80 Prozent verstehen gar nichts. Dann ist es natürlich schwierig, in einen Dialog zu kommen und sich zu engagieren. Andererseits muss die Politik den ersten Schritt machen, sie muss Angebote machen, des Dialogs, der Information, aber auch der klaren Mitwirkung. Sie muss auch zeigen, dass das Ganze nur davon leben kann, dass junge Leute auch nicht nur gehört werden, sondern sich beteiligen können.

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