Für die Frauen Afghanistans

ML - Frau des Jahres 2001

Ihr Deckname ist Shahla und sie steht auf der Todesliste der Taliban. Die 27-Jährige ist Mitglied der Untergrundorganisation RAWA, die Revolutionary Association of the Women of Afghanistan, die unter Einsatz ihres Lebens gegen die gewalttätige Unterdrückung der Frauen in Afghanistan kämpft.

Aus den Händen von ML-Redaktionsleiterin Conny Hermann nahm die RAWA-Vertreterin am Samstag, 24. November 2001, die Auszeichnung in Berlin entgegen. Shahla steht stellvertretend für diese Gruppe von etwa 2000 mutigen afghanischen Frauen, denen ML Mona Lisa in diesem Jahr den Preis "ML-Frau des Jahres" verleiht.

Die Burka darf niemand erzwingen

Nur unter einem Decknamen und mit Burka konnte sie mit ML sprechen, denn noch immer ist es für sie zu gefährlich, ihre Identität preiszugeben. Und gerade weil sie die Burka so hasst, ist ihre Haltung dazu umso erstaunlicher: "Eine Burka zu tragen ist eine ganz persönliche Angelegenheit für eine Frau. Wenn sie sie tragen will, weil es ein Teil ihrer Kultur und ihrer Tradition ist, dann soll sie es tun. Aber niemand darf die Burka aufzwingen und zur Gesetzesgrundlage einer Regierung machen."

Nur mit vergittertem Blick durften die Frauen Afghanistans ihre Umwelt erleben. Die Taliban und zuvor schon die Mudschaheddin warfen sie ins tiefste Mittelalter zurück. Arbeitsverbot für Frauen in einem Land, das einst Ministerinnen, Juristinnen und Ärztinnen hatte. Hilflos, krank, ausgeliefert, das war das Schicksal vieler Frauen im Land der Taliban.

Sie machten Taliban-Verbrechen bekannt

Seit 1977 kämpft RAWA gegen die Unterdrückung der Frauen in ihrer Heimat, meist aus dem Exil in Pakistan. Hier sind sie Anlaufstelle für tausende Mütter, Witwen und Kinder, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Sie organisieren Mädchenschulen, in den Flüchtlingslagern und unter Lebensgefahr auch in Afghanistan selbst.

Und sie waren es, die mit dem Mut der Verzweiflung die Verbrechen der Taliban dokumentierten und sie der Weltöffentlichkeit bekannt machten. Unter ihrer Burka schmuggelten sie Videos über die Verletzung von Menschenrechten und Interviews mit Frauen, deren Männer und Söhne von den Taliban ermordet wurden, außer Landes.

Kampf um Menschenrechte

Die Frauen von RAWA sind ein Beispiel für alle, die sich selbst unter schwierigsten Bedingungen für Menschenrechte und ein Leben in Toleranz und Demokratie einsetzen. Für Mona Lisa sind sie die "Frauen des Jahres 2001". Shahla sieht es als große Auszeichnung: "Es ist ein Zeichen dafür, dass wir in unserem Kampf auch von deutschen Frauen unterstützt werden.

Es verlangt viel Aufopferung, um unser Ziel zu erreichen: Eine demokratische und unabhängige Regierung, die frei ist von Fundamentalismus." Dafür wollte sich Shahla auch bei der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg einsetzen. Eine offizielle Einladung für RAWA blieb aus. Dennoch: Viel Glück für die Zukunft.

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