Hinterm Rampenlicht: Senta Berger

Über Rituale, Pubertät und das ganz Private

Gesellschaft | ML mona lisa - Hinterm Rampenlicht: Senta Berger

Prinzessin wollte Senta Berger nie sein, als Grande Dame des deutschen Films sieht sie sich auch mit 75 nicht. Die Begeisterung für den Film, die großen Bilder aber ist ihr geblieben.

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Video verfügbar bis 05.11.2017, 18:00

Wir treffen Senta Berger in München, in der Stadt, in der sie seit Jahrzehnten lebt. Hier in München spielt auch ihr neuester Film "Willkommen bei den Hartmanns". Was passiert, wenn eine deutsche Familie einen Flüchtling bei sich aufnimmt? Eine Familienkomödie und ein Familienwerk: Regie führte ihr ältester Sohn Simon Verhoeven. Im Film wie im Leben, gab es auch hier ganz unterschiedliche Meinungen, erzählt sie: "Meine Söhne, mein Mann und ich haben ein durchaus streitbares Verhältnis. Die Meinung meines Mannes und meine können nicht unbedingt denen der jungen Leute entsprechen. Also kommt es immer zu einem sehr lebhaften Austausch. Wir haben natürlich auch die Situation der Flüchtlinge sehr lebhaft diskutiert".

Söhne und die Pubertät

Senta Berger und Ihre Familie, das sind ihre Söhne Simon und Luca  - und ihr Mann Michael Verhoeven. Alle sind Schauspieler oder Regisseure, oder beides. Das ihr Verhältnis streitbar aber liebevoll ist, das ist nicht selbstverständlich: “Man schaut, dass man sie gut und heil durch die Pubertät bekommt. Man weiß, dass man die Jahre, in denen Söhne versuchen, sich von den Müttern abzunabeln, gemeinsam überlebt. Damit man später wieder Mutter und Sohn ist. Und dass man noch ein bisschen später, nämlich dann wenn die Mutter mit dem Sohn arbeitet so wie ich in unserem Film, dass man dann fast gleich alt ist"

Ihren ersten Auftritt hatte Senta Berger in der Tanzschule mit der Annenpolka. Ihre Kindheit ist eine Nachkriegskindheit in Wien. Geprägt vor allem vom Mangel, aber arm habe sie sich nie gefühlt, sagt sie: "Wenn ich jetzt zurück denke, und ich denke jetzt noch viel öfter zurück als vor vielen Jahren, kommt mir die Kindheit wieder nahe und ich merke, dass es ein großes Geschenk war, so frei aufzuwachsen, unbelastet, voller Liebe,  beschützt. Ich habe auch nicht diese typischen Mädchenträume gehabt, Prinzessin sein zu wollen."

Eine Traumkarriere

Einen Traum hatte sie: zum zu Film gehen. Für ihre erste Rolle in "Die unentschuldigte Stunde" musste sie als Schülerin  sogar nachsitzen. Sogar den Rauswurf aus dem renommierten Max-Reinhard-Seminar nimmt sie in Kauf, um in einem Film mitzuspielen. In den 60er Jahren begann ihr steiler Aufstieg. Senta Berger dreht in Hollywood mit Frank Sinatra und Kirk Douglas. Sie ist vielseitig, mal Sängerin, mal Sexsymbol, mal Charakterdarstellerin.

Gesellschaft | ML mona lisa - Senta Berger im ML-Interview

Warum sie nie Prinzessin sein wollte und sie immer noch die großen Bilder auf der Leinwand im Kino begeistern.

Beitragslänge:
8 min
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Ihr großer Durchbruch in Deutschland war die Kultserie "Kir Royal". Für die Mona, die Rolle der lebenslustigen Freundin des rasenden Reporters Baby Schimmerlos, erhält sie den Grimme Preis. Doch die Hauptrolle in ihrem Leben spielt immer wieder ihre Familie. 1966 Heirat mit Regisseur Michael Verhoeven. Senta Berger ist auch immer politisch, den Staat anderen überlassen – nicht mit ihr: "Der Staat bin ich, also wir. Und wenn du das irgendjemandem überlässt, einer kleinen oder großen Gruppe, dann habe ich das Gefühl, das ist gar nicht mein Land. Ich möchte wissen, was geht hier vor?"

Regeln lieber selbst machen

Für das ZDF ist sie seit Jahren in der Serie "Unter Verdacht“  als resolut-nüchterne Ermittlerin Prohacek unterwegs. In der Arbeit ist sie diszipliniert, privat ist ihr die Disziplin nicht ganz so wichtig: "Ich lebe gerne mit Ritualen. Die finde ich schön, aber ohne Regeln. Die Regeln mache ich mir selber, jeden Tag, je nachdem. Und wenn das Wetter gut ist, dann bin ich auch ein besserer Mensch. Und wenn das Wetter schlecht ist, dann werde ich zutiefst melancholisch und weiß das dann aber auch, und lasse das dann auch zu. Dann ziehe ich mich wieder an den eigenen Haaren raus. Manchmal mit Disziplin."

Ihren 75. Geburtstag im Mai 2016 hat Senta Berger erst gar nicht gefeiert. Ihr war nicht danach. Etwas bequemer sei sie geworden, das gibt sie zu: "Sie können mich gerne mal besuchen abends um 21.00 Uhr, wenn ich schon die Hausschuhe anhabe, dann werden Sie schon merken, ob Sie mich noch ins Kino kriegen oder nicht. Aber ja, ich gehe. Es ist halt immer noch meine Leidenschaft, auch wenn es bisschen gebremst ist." Gebremst– was das eben heißt bei Senta Berger.

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