Till Brönner hinterm Rampenlicht

Der Jazztrompeter über Disziplin, Einsamkeit und was ihn antreibt

Gesellschaft | ML mona lisa - Till Brönner hinterm Rampenlicht

Seine Musik und ihn als Person zu trennen, für Musiker Till Brönner undenkbar. Der deutsche Jazztrompeter hat mit Leichtigkeit eine unglaubliche Karriere gemacht. Bei ML verrät er den Preis dafür.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.11.2017, 18:00

Auftritte im Kanzleramt und im Weißen Haus

Till Brönner ist ein Profi – durch und durch. Er gilt als der derzeit erfolgreichste deutsche Jazzmusiker weltweit. Auch beim Abschiedsdinner von Kanzlerin Angela Merkel für den scheidenden US-Präsidenten Obama gerade erst am 17. November 2016 im Kanzleramt in Berlin trat Till Brönner auf.

Brönner und Obama sind sich nicht unbekannt. Im April 2016 war Brönner der einzige deutsche Musiker, der beim Jazz Day Global Concert am neben Größen des Jazz wie Aretha Franklin, Herbie Hancock oder Al Jarreau im Weißen Haus eingeladen war: „Zuerst hab ich mich natürlich gefreut. Dann kam natürlich auch die Ungläubigkeit dazu, ob die sich nicht doch verrechnet oder verwählt haben. Am Ende ist man schon häufiger als man so denkt, Zaungast seines eigenen Lebens.“ Der Abend in Washington, ein nicht enden wollendes Gänsehaut-Gefühl für Brönner: „Es war natürlich ein sehr beeindruckender Moment, weil auf diesem ich nenne es mein altes und ehrwürdiges Kreuzfahrtschiff, so wirkt das Weiße Haus, mal rum zu stapfen und zu sehen, was da letztlich so ein Geist auch so herrscht.“

Er ist Trompeter, Sänger, Komponist und Perfektionist und selbst sein größter Kritiker, wie er selbst sagt. Seit 35 Jahren steht er auf der Bühne, sieben Mal hat er den Musikpreis Echo erhalten, war mehrmals für den Grammy nominiert. Von der großen in die Welt des kleinen Till Brönners.  Sein Privatleben? Absolut Tabu. Nur so viel: geboren wurde er 1971 in Viersen, die Eltern sind Lehrer, er hat zwei Geschwister und sagt selbst, er habe eine harmonische Kindheit gehabt. Mit neun bekam Till Brönner eine Trompete geschenkt und ab da war er nicht mehr zu halten. Er übt und übt – und hat aber auch dieses gewisse Quentchen Glück. Er gewinnt mehrere Wettbewerbe, sein Weg führt steil nach oben, mit 20 wird er Mitglied in der RIAS-Big Band, produziert und komponiert, unter anderem auch für Hildegard Knef. Ein Leben auf der Überholspur.

Üben ist wie Duschen und Zähneputzen

Alles in allem habe er ein gutes Leben. Und „Good life“ – so heißt auch sein neues Album. Aber es gab für ihn auch dunkle Momente, etwa als er sich aufgrund einer falsch antrainierten Atemtechnik verletzte: „Ich kam über einen gewissen Level an Leistung auf der Bühne nicht hinaus, und das hat mich sehr frustriert, bis zu dem Punkt, wo ich eigentlich aufhören wollte mit der Trompete.“ Heute wirkt Till Brönner lässig, entspannt und völlig mit sich im Reinen. Besonders, wenn er da ist, wo er hingehört, auf der Bühne. Und selbst jede Probe, scheint es, ist für ihn pures Glück. Und Üben selbstverständlich: „Übezeit ist offen gestanden so was Ähnliches wie Duschen und Zähneputzen, muss man machen, sonst fühlt man sich nicht gut. Und es soll ja auch leicht aussehen, das wirklich wie eh und je, das Schwierige leicht aussehen zu lassen, so dass Menschen denken, oh, das könnte ich aber auch, dann hat man genug geübt.“

Seit einiger Zeit hat Till Brönner die Fotographie für sich entdeckt, natürlich mit Erfolg. Er reüssiert mit Porträts von Kollegen aus dem Showbusiness, wie Dieter Meier, Tim Benzko oder Sebastian Koch. An der Fotografie reizt ihn vor allem, dass er anders als auf der Bühne in Ruhe und im stillen Kämmerlein entscheiden könne, „ob ich dem Menschen etwas zeigen möchte, auf der Bühne habe ich nur eine Chance, die muss ich jetzt nutzen.“

Bei so viel Glück, Talent und Fortune, welchen Preis zahlt er für seinen Erfolg? „Ich denke, dass der Preis für mein Leben sicherlich auch in gewisser Weise viel Alleinsein mit sich bringt, die Einsamkeit, wenn wirklich alles vorbei ist und der letzte Musiker in seinem Zimmer verschwunden ist, die kennt man, manchmal ist man glücklicherweise zu müde, die Einsamkeit zu spüren. Dann fällt man nur noch aufs Bett und manchmal wacht man auch mit den Kleidern wieder auf, die man nicht ausgezogen hat.“ Und doch würde er alles wieder so machen, sagt der 45-Jährige, denn was bliebe ihm denn anderes übrig: „Ich glaube Musik und ich als Mensch sind nicht voneinander zu trennen.“ Till Brönner, eben ein Perfektionist auf der Sonnenseite des Lebens.

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