Die USA vor einer Schicksalswahl

Die US-Fahne an einer Hecke angebracht

Gesellschaft | ML mona lisa - Die USA vor einer Schicksalswahl

Kurz vor der Wahl am 8. November sehen viele Amerikaner in Deutschland dem Ergebnis mit Spannung entgegen. Was bedeutet diese Wahl für sie? ML mona lisa hat mit Deutsch-Amerikanern gesprochen.

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Gespräch mit Jennifer Gavito, Generalkonsulin der USA

Seit September 2015 ist Jennifer Gavito Generalkonsulin der USA in München. Sibylle Bassler hat mit ihr darüber gesprochen, welchen Eindruck der Präsidentschaftswahlkampf bisher bei ihr hinterlassen hat und was er für das Ansehen der USA im Ausland bedeutet.

Jennifer Gavito, Generalkonsulin der USA in München, November 2016
Jennifer Gavito, Generalkonsulin der USA in München, November 2016 Quelle: ZDF

ZDF: Mrs. Gavito, was werden Sie im Moment am häufigsten gefragt?

Jennifer Gavito: Das ist eine einfach: Alle möchten ausschließlich Informationen über den aktuellen Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Das ist das Thema Nummer eins.

ZDF: Würden Sie sagen, dass es sich diesmal um einen historischen Wahlkampf handelt?

Gavito: Ja, auf jeden Fall. Unser Land wird durch den Wahlkampf sehr polarisiert. Zumal es das erste Mal ist, dass eine Frau als Kandidatin antritt. Es besteht hohes Interesse seitens der Bürger. Aber nicht nur in den USA, sondern auch hier in Deutschland.   

ZDF: Und die Skandale überschlagen sich derzeitig ja regelrecht. Was hinterlässt das für einen Eindruck im Ausland?

Gavito: Ich kann mir vorstellen, dass das nicht gerade einen positiven Eindruck hinterlässt.. Jedoch ist die Informationsflut, die die Wähler bekommen, auch von Vorteil. Sie können sich so am Wahltag besser entscheiden. Natürlich hätten wir uns nicht jede Woche einen neuen Skandal gewünscht, da gibt es dann weniger Gelegenheit, sich auf die substanziellen Themen zu konzentrieren. Es wäre viel wichtiger über politische Themen zu sprechen.

ZDF: Wie soll es zukünftig weitergehen, wenn die USA weiterhin so gespalten bleiben, wie es derzeitig der Fall ist?

Gavito: Man weiß, dass beide Kandidaten so unbeliebt sind wie nie zuvor. Dies hat zur Folge, dass es nach der Wahl am 9. November einen Präsidenten geben wird, der bei mindestens 50 Prozent der Bevölkerung unbeliebt ist.  Das wird eine neue Herausforderung sein. Jedoch bin ich überzeugt davon, dass er oder sie sich die Priorität setzen wird, das Land zu einigen. So haben es bereits die Vorgänger gemacht.

Die Außenpolitik bleibt wichtig

ZDF: Was wird sich mit dem nächsten Präsidenten verändern?

Gavito: Die wichtigste Frage wird die Außenpolitik sein, sowohl auf Deutschland, als auch auf andere Länder bezogen. Jedoch kann ich nur betonen, dass unsere Außenpolitik seit 70 Jahren stabil ist. Und das wird sich auch mit einem Wechsel im Weißen Haus nicht ändern. Ein wichtiger Teil unserer Außenpolitik ist beispielsweise die enge Partnerschaft zwischen Deutschland und den USA, sowie die Werte, die Demokratie und die Menschenrechte, die wir vertreten.

ZDF: Trauen Sie sich eine Wahlprognose aufzustellen

Gavito: Das darf ich gar nicht. Wir sind politisch neutral. Aber wir vertrauen  unseren Mitbürgern, dass sie die beste Entscheidung für unser Land treffen werden. Wir werden dann sehen, warum sich dieses Wahlsystem bereits seit 250 Jahren bewährt. Ich bin sehr optimistisch.

ZDF: Wie schätzen Sie die Stimmung bei den hier in Deutschland lebenden Amerikanern ein?

Gavito: Ich denke, die ist ähnlich wie in den USA. Man ist sich unsicher, wie es ausgehen wird, aber bleibt trotzdem optimistisch. Jedoch hatten wir bereits in den letzten 250 Jahren sehr umstrittene Wahlkämpfe. Somit ist diese Art an die Wahl heranzugehen, wie es die beiden Kandidaten machen, nicht komplett neu.

ZDF: Wird der „American Spirit“ trotzdem überwiegen?

Gavito: Ja. Allerdings fragt man sich im Moment, was dieser „American Spirit“ im Einzelnen bedeutet. Wenn man sich die derzeitigen Prognosen anschaut, merkt man, dass die Entscheidung, ob Demokraten oder Republikaner, sehr schnell wechseln kann. Ich bin der Meinung, dass wir irgendwie wieder einen Weg zur Mitte finden müssen. Eigentlich sollten wir anderen immer zugestehen, dass sie im besten Sinne handeln. Bisher gingen die Menschen davon aus, dass Politiker das Beste für Amerika wollen, auch wenn deren persönlichen Meinung nicht dazu passte. Das haben wir gegenüber den Politikern ein wenig verloren.

ZDF: Frau Gavito, wie würden Sie Folgendes erklären: Die Politik hat sich von den Menschen entfernt?

Gavito: Ich glaube, dass sich es hierbei um ein Phänomen handelt, das man derzeitig überall ähnlich finden kann. Auch in Europa. Unsere Politiker wollen nicht mehr das Beste für ihre Bürger. In Amerika äußert sich das im Anti-Establishment. In Deutschland mit der AfD, in Frankreich mit dem Front National. Man kann dieses Phänomen wirklich überall wiederfinden. Die Politiker müssen zeigen, dass ihnen die Bürger das Wichtigste sind, nicht ihr eigenes Wohl. Und das ist schon schwierig genug. Hinzu kommen aber auch noch andere Unsicherheiten wie die wirtschaftliche Lage, die Globalisierung. Wir müssen die Leute, die im Zuge der Globalisierung verloren haben, wieder mitnehmen. Aber wie wir damit umgehen, ist für all unsere Politiker eine große Herausforderung. Nicht nur in Amerika, sondern überall auf der Welt.

ZDF: Wird der Wahlausgang persönliche Konsequenzen für Sie haben?

Gavito: Es wird kaum persönliche Konsequenzen geben. Wir werden lediglich einen  neuen Chef im Außenministerium bekommen. Aber wir, als Berufsdiplomaten, bleiben im Amt. Zum Glück. Ich nicht bereit München zu verlassen.

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