Neue Diskussionen um die Todesstrafe

Gesellschaft | ML mona lisa - Neue Diskussionen um die Todesstrafe

In den USA stehen acht Verurteilte vor der Vollstreckung der Todesstrafe, Gerichte haben das in sieben Fällen vorerst gestoppt. Die meisten Länder der Welt haben keine Todesstrafe, doch die Türkei will sie wieder einführen.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.04.2018, 18:00

Alexander Bojcevic ist von Amnesty International. Wir haben mit ihm über das Thema Todesstrafe gesprochen.

ZDF: Herr Bojcevic, wie hat sich die Anzahl der Hinrichtungen in den USA verändert?

Alexander Bojcevic: Die Anzahl der Hinrichtungen in den USA ist 2016 mit 20 Hinrichtungen auf einem 25-Jahre-Tief angekommen. So sehr wir uns darüber freuen, dass das so ist, so schmerzlich ist natürlich jede einzelne Hinrichtung.

ZDF: Liegt das auch an der mangelnden Verfügbarkeit von Medikamenten für die Giftspritze?

Alexander Bojcevic, Amnesty International
Alexander Bojcevic, Amnesty International Quelle: ZDF

Bojcevic: Nicht ausschließlich, aber das ist sicherlich eine wichtige Ursache. Es spricht sich immer stärker in der amerikanischen Gesellschaft herum, dass die Todesstrafe eigentlich nicht das hält, was sie zu versprechen scheint. Die Familien finden keinen Abschluss der Mordtat, die ihnen eine geliebte Person geraubt hat. Denn weil es sehr langer Gerichtsverfahren im Falle der Todesstrafe bedarf, wird die Wunde immer wieder und immer wieder aufgerissen. Im Falle einer anderen Strafe sind die Verfahren wesentlich kürzer, so dass dieser Abschluss wesentlich schneller gefunden wird. Des Weiteren spricht sich weiter herum, dass es keine besondere abschreckende Wirkung der Todesstrafe gibt. Und das trägt eben auch dazu bei, dass die Todesstrafe immer seltener gefordert wird, auch von Staatsanwaltschaften und auch immer seltener verhängt wird. Für die US-Verhältnisse sind im Jahre 2016 auch erstaunlich wenige neue Todesurteile verhängt worden.

ZDF: Wie umstritten ist denn die Todesstrafe noch in den USA?

Bojcevic: Der Abstand zwischen Befürworterinnen und Befürwortern auf der einen Seite und Gegner und Gegnerinnen auf der anderen Seite wird immer geringer. Während in den 90er Jahren noch extrem hohe Zustimmungsraten zu verzeichnen waren, spricht sich heute nur noch eine knappe Mehrheit für die Todesstrafe aus. Gibt man als Alternative die lebenslange Freiheitsstrafe, ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung auf Bewährung an, sprechen sich oft auch noch weniger als 50 Prozent für die Todesstrafe aus.

ZDF: Die Hinrichtungen per Giftspritze sind ja umstritten, besonders die Beschaffung der Mittel. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Bojcevic: Viele Pharmakonzerne haben sich mit der Frage beschäftigt, ob sie weiterhin Gifte für Hinrichtungen liefern wollen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sie das eigentlich nicht wollen. Einige Firmen haben die Produktion der Gifte schlicht eingestellt, andere liefern das zwar weiter, weil das vielleicht auch ein wichtiges Narkosemittel ist, aber sie verkaufen es nur noch unter der Auflage, dass es nicht für Hinrichtungen verwendet wird. Das hat dazu geführt, dass einige Bundesstaaten sehr zweifelhafte Quellen angezapft haben, um noch weiter an die für Hinrichtungen benötigten Gifte zu kommen. Und teilweise musste dann die Bundes-Anti-Drogenbehörde mit Beschlagnahmungen eingreifen müssen, weil sie gesagt haben, dass das einfach ungesetzlich ist, Gifte in die USA zu importieren.

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