Neue Hoffnung nach 30 Jahren Haft

Der Fall Jens Söring

Vor 30 Jahren, im Frühsommer 1986, gestand Jens Söring den Doppelmord an den Eltern seiner Freundin Elisabeth in den USA. Kurz darauf widerrief er sein Geständnis und doch wurde er zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Seit 1986 ist er in Haft in den USA und beteuert, er sei unschuldig. Die Journalistin Karin Steinberger steht seit 2006 mit dem Häftling in engem Briefkontakt. Ihre Nachforschungen für einen Dokumentarfilm haben ergeben, dass vieles im Fall Jens Söring nicht zusammenpasst.

Jens Söring, geboren 1966, Sohn eines deutschen Diplomaten, war ein hochbegabter Student, ein leidenschaftlich verliebter Jugendlicher. Ein Mann, der einen Doppelmord gestand und später seine Unschuld beteuerte: "Ich habe mein Leben zerstört, ich habe die Leben meiner Eltern zerstört. Ich habe so vielen Menschen Unglück gebracht, weil ich dachte, dass es sich um Liebe drehte.“

Lebenslänglich im Gefängnis

Was geschah wirklich am 30. März 1985 in der Holcomb Rock Road in Lynchburg/Virginia? Mit 48 Messerstichen wird das Ehepaar Derek und Nancy Haysom brutal ermordet. Die Polizei spricht von einem Schlachthaus. Verurteilt werden die Tochter des Ehepaares, Elizabeth, und ihr deutscher Geliebter Jens Söring. Er bekommt zweimal lebenslänglich, sitzt seitdem im Gefängnis in den USA. Doch war er es wirklich?

Karin Steinberger, Journalistin
Karin Steinberger Quelle: ZDF


Auch die Journalistin Karin Steinberger weiß nicht, ob er unschuldig ist: "Nur Menschen, die dabei waren, wissen, wer wirklich dabei war. Ich weiß nur: So kann es nie im Leben gewesen sein. Das ist mittlerweile sicher." Karin Steinberger brachte neue Beweise an den Tag. Sie kennt Söring seit zehn Jahren. Für einen Dokumentarfilm, der jetzt in die Kinos kommt, sprach sie mit Zeugen, die nicht gehört wurden. Sie haben einen anderen Mann am Tatort gesehen. Und auch der neueste DNA-Test an Blutspuren ergab keinen Hinweis auf Söring, sagt Steinberger: "Es gibt nichts, was auf ihn zurückzuführen ist. Kein Blut, kein Haar. Nichts. Die Amerikaner wollen, dass er darin stirbt. Zweimal lebenslänglich bedeutet, im Knast zu sterben."

Ein Leben für nichts

Elizabeth und Jens lernen sich an der Uni kennen. Sie verlieben sich leidenschaftlich, fast krankhaft ineinander. Er der blasse, hochbegabte Student. Sie die erfahrene Schönheit, die für ihn unerreichbar scheint. Er sei, so schreibt sie ihm vor der Tat, das einzig Gute in ihrem Leben. Jens ist Sohn eines deutschen Diplomaten, Er glaubt, dass er wie sein Vater Klaus Immunität genießt. Er sagt, Elizabeth habe ihm den Mord gestanden. Um sie aber vor der Todesstrafe zu retten, nimmt er die Schuld auf sich im Glauben, nur kurz hinter Gitter zu müssen. Er selbst sagt heute: "Ich dachte, ich sei ein Held. Ich dachte, ich sei ein ganz toller Kerl und rette ihr Leben. Was vor mir war, das war Elizabeth, eine schöne junge Frau, die ich schrecklich liebte und die in Todesgefahr war.“ Genau diese Elizabeth aber belastet ihn schwer. Als Jens seinen Irrtum bemerkt, ist es zu spät. Elizabeth wird wegen Beihilfe zu 90 Jahren Haft verurteilt. Jens bekommt zweimal lebenslänglich, sitzt seit über 30 Jahren im Gefängnis in Virginia.

"Das ist auch das tragische an dieser Geschichte, dass er für eine ganz große Liebe alles hingegeben hat, sein ganzes Leben. Er sieht das so, dass es keine Liebe von ihrer Seite war. Das ist manchmal das Schlimmste für ihn. Alles für nichts, ein Leben für nichts", sagt Steinberger. 2014 durfte sie ihn zuletzt besuchen. Seitdem darf Söring keine Interviews mehr geben.

Filmtipp:

Der neue Dokumentarfilm zum Fall Jens Söring:
Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich
Deutschland/USA 2016
Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger
Deutscher Kinostart ist der 27. Oktober 2016

Ein neuer Hoffnungsschimmer

Für Sörings deutschen Anwalt Andreas Frieser aber gibt es mit den neuen Beweisen wieder einen Hoffnungsschimmer. Frieser vertritt Söring unentgeltlich. Anfangs habe er einfach für dessen zweite Chance gekämpft. Nun aber sei er sicher: „Wir sind überzeugt davon, dass Jens Söring zu Unrecht verurteilt wurde. Jede andere Theorie ihn etwa als unbekannten, unbemerkten Täter am Tatort zu vermuten, scheint uns absurd. So dass wir jetzt wirklich sagen können: Wir sind von seiner Unschuld überzeugt.“ Das Leben von Jens Söring scheint zerstört. Zu Vater und Bruder gibt es keinen Kontakt mehr, seine Mutter wurde Alkoholikerin, starb an ihrer Sucht. Manchmal, so sagt der 50-Jährige, wäre die Todesstrafe vielleicht Erlösung: "Da ist endlich Frieden, endlich Ruhe. Dann müsste ich nicht mehr kämpfen, das wäre schön." Andererseits wäre Jens Söring dann als womöglich Unschuldiger zum Tode verurteilt worden.

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