Ärzte im Test oder am Pranger?

Patienten sollen Mediziner benoten

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich freuen, dass man jetzt auch Ärzte bewerten kann? Jedes Hotel, jedes Restaurant, jeder Handwerker muss damit leben, dass man im Internet Noten abgeben oder Punkte verteilen kann. Das kann für manche ganz schön hart sein, weil solche Qualitätstests das Geschäft ruinieren können.

Die Schwarzwaldklinik - Neue Zeiten Quelle: ZDF

Doch der Verbraucher kann sich ziemlich sicher sein, anhand solcher Beurteilungen an die richtige Adresse zu geraten. Wer wie die Stiftung Warentest vor Produkten mit mieser Qualität warnt, so geht's einem auch mit dem Test von Ärzten, Lehrern oder eben Restaurants.

Die Krankenkassen AOK und Barmer GEK haben jetzt für ihre 30 Millionen Versicherten ein Online-Portal gestartet, mit dem Patienten in ganz Deutschland nach passenden Ärzten suchen können. Der Aufschrei in der Ärzteschaft war anfangs groß, ähnlich wie bei Professoren und Lehrern, als Schüler und Studenten plötzlich begannen, ihnen Noten zu geben - was doch schließlich seit Menschengedenken deren Monopol war! Auch manche "Halbgötter in Weiß" betrachteten es geradezu als "Gotteslästerung" und sprachen vom digitalen Ärztepranger, der nun errichtet wird. Das wäre natürlich ein Rückfall ins Mittelalter. Doch umgekehrt wird ein Schuh draus! Weil die Neuzeit nun einmal ein Internet-Zeitalter ist, wäre es doch absurd, auf die Möglichkeiten digital-vernetzter Bewertungen zu verzichten.

Möglichkeit des Dialogs

Schließlich suche ich mir ein Hotel auch nach den Bewertungen im Internet aus, wenn ich es nicht kenne. Reinfallen kann ich auch damit, doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein paar Dutzend Tester irren, ist wohl ziemlich gering. Nein, wenn mehrere Urteile übereinstimmen, muss wohl etwas dran sein. Vernünftige Ärzte mit Realitätssinn und gesundem Menschenverstand begrüßen denn auch die Online-Idee der Krankenkassen. Zum einen dient die Bewertungsliste den Patienten, zum anderen spornt es die Ärzteschaft an, noch besser zu arbeiten. Es ist nun mal wie im wahren Leben: Wenn ich mich beobachtet und benotet fühle, strenge ich mich ganz anders an. Es ist doch kein Geheimnis, seine Mitmenschen über Wartezeiten, Umgangston und Ausstattung einer Arztpraxis zu informieren und dem Arzt selbst zu bescheinigen, ob er sich wirklich um einen kümmert und Vertrauen genießt.

Gut, dass dieses neue Internetportal Missbrauch und Verleumdung verhindern will. Namen bleiben öffentlich anonym, doch der Kasse gegenüber muss meine Identität nachprüfbar sein. Registrierung schützt vor Manipulation und verleumderischer Schmähkritik. Und da die Ärzte auf die Bewertungen reagieren können, entsteht sogar ein Dialog. Alles in allem also eine gute Sache, die Schule machen sollte. Wir Journalisten müssen schließlich auch Kritik einstecken. Und was ist schon dabei, wenn solch freie Berufe mit der Freiheit der Meinung konfrontiert werden?!

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