Altersarmut und Rentenangst

Zahlen die Jungen die Zeche?

Horrorszenario der Arbeitsministerin: Wenn nicht heute gegengesteuert wird, droht vielen Rentnern im Jahr 2030 die Altersarmut. Ursula von der Leyens Wundermittel: eine Zuschussrente. Bei Peter Hahne diskutieren der CDU-Abgeordnete Carsten Linnemann, Mitglied der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion, und Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband die Frage, wie heutige Geringverdiener ihren Lebensabend bestreiten werden und wer das zu bezahlen hat.

Alte Menschen bekommen Lebensmittel von der Münchner Tafel
Wie viele Rentner werden 2030 auf Spenden der "Tafeln" angewiesen sein?

Ursula von Leyen hat wieder einmal für einen kräftigen Sturm im Blätterwald gesorgt. Sie teilte mit, Berechnungen ihres Ministeriums hätten ergeben: Wer heute 2500 Euro oder weniger brutto verdiene, sei nach 35 Arbeitsjahren im Jahr 2030 auf Sozialhilfe angewiesen. Denn die dann erreichte Rentenhöhe läge bei lediglich etwa 688 Euro, dem Grundsicherungsbetrag. Ihr Vorschlag zur Vermeidung dieser Altersarmut besteht in einer Zuschussrente, die zunächst von den Beitragszahlern und später aus Steuermitteln zu bestreiten wäre und das Ruhegeld auf 850 Euro aufstocken würde.

Unseriöse Zahlen?

Kaum war von der Leyens Vorschlag auf dem Tisch, hagelte es Kritik und Protest aus fast allen Richtungen. Die Opposition und die Gewerkschaften halten ihn für ungerecht, da die Hürden der Zugangsvoraussetzung zu hoch seien. Nur Wenige würden in diesem Modell in den Genuss der zusätzlichen Versorgung kommen; wieder einmal leer ausgehen würden die Rentner, die längere Zeit arbeitslos gewesen sind. Aus den Reihen der SPD ist zu vernehmen, dass sie sich eher eine Beibehaltung des derzeitigen Rentenniveaus vorstellen könnten – obwohl die Finanzierung dieser Idee noch nicht geklärt ist und es ausgerechnet die rot-grüne Bundesregierung war, die die schrittweise Senkung des Niveaus beschlossen hatte.

Aus den Reihen der Koalition werden andere Kritikpunkte laut. Zum einen werden die Zahlen des Arbeitsministeriums, auf die sich von der Leyen bezieht, als unseriös bemängelt. Von 35 Arbeitsjahren könne nicht ausgegangen werden, da selbst Akademiker heute leicht auf mehr als 40 Jahre beitragspflichtige Jahre kommen könnten. Zum anderen wird aus den Reihen der Jungen Union und der Junge Gruppe innerhalb der Unionsfraktion erneut die Befürchtung geäußert, dass das marode Rentensystem auf dem Rücken der heutigen Jugend saniert werden solle. Und der FDP-Generalsekretär Patrick Döring wirft, laut "Spiegel online", der Ministerin sogar „mediale Selbstinszenierungen“ vor, die das Vertrauen in das Rentensystem insgesamt zu untergraben drohten. Auch der Chef der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, lehnt gegenüber dem ZDF die Zuschussrente ab: "Die Rente ist in Deutschland beitragsbezogen - wer mehr zahlt, bekommt auch mehr. Wenn das aufgelöst wird, ist das ungerecht."

Zu Gast bei Peter Hahne

Ulrich Schneider
Ulrich Schneider

Ulrich Schneider wurde 1958 in Oberhausen geboren. Er studierte in Bonn und Münster Erziehungswissenschaften und promovierte in diesem Fach auch in Münster. Nach verschiedenen Tätigkeiten im Paritätischen Wohlfahrtsverband wurde er 1999 dessen Hauptgeschäftsführer. In dieser Funktion trat er bereits in zahlreichen Talkshows auf und hat auch mehrere Bücher zum Thema soziale Gerechtigkeit und Sozialstaat veröffentlicht. Schneider ist ein erklärter Gegner der von der rot-grünen Bundesregierung verabschiedeten „Agenda 2012“, mit Hilfe derer staatliche Sozialleistungen teilweise deutlich reduziert worden sind.

Carsten Linnemann
Carsten Linnemann

Carsten Linnemann wurde 1977 in Paderborn geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er BWL an der Fachhochschule der Wirtschaft in Augustusdorf. Anschließend absolvierte er in Chemnitz ein Promotionsstudium, das er mit dem Dr.rer.pol. abschloss. Seine politische Karriere startete er bei der Jungen Union und bereits mit 31 Jahren wurde er zum Direktkandidaten des Wahlkreises Paderborn/Schloß Holte-Stukenbrock für den Bundestag gewählt. Bei der Bundestagswahl 2009 gewann er das Direktmandat in seinem Wahlkreis mit dem zweitbesten Ergebnis eines CDU-Abgeordneten in Nordrhein-Westfalen.

Linnemann ist Mitglied des Bundestags-Ausschusses für Arbeit und Soziales und stellvertretender Vorsitzender der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion. Aufsehen erregte er 2011, als er als einer von 15 Abgeordneten der Regierungsfraktionen gegen die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms stimmte. In der aktuellen Diskussion um die Zuschussrente vertritt er die Meinung, dass dies der falsche Weg sei, denn so „saugen wir weiter aus den Töpfen der nachfolgenden Generationen“.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet