Angst um den Euro

Ist unser Geld noch sicher?

Die Finanzlage Griechenlands versetzt Europa – und man hat den Eindruck insbesondere die Deutschen - in Angst und Schrecken: Bleibt der Euro stabil? Was geschieht mit meinen Ersparnissen? Flucht in die Sachwerte? Über diese Befürchtungen und ob sie berechtigt sind diskutieren bei Peter Hahne die Wirtschaftsjournalistin Silvia Wadhwa und der Finanz-Staatssekretär Steffen Kampeter.

SOS-Zeichen an einer Notrufsäule vor einem Euro-Symbol
Ist der Euro noch zu retten? Quelle: dpa

Am vergangenen Wochenende hat dem Anschein nach die gesamte Finanzwelt ihr Augenmerk auf Griechenland gerichtet. Angeblich saßen im Frankfurter Bankenviertel die Manager bis tief in die Nacht an ihren Schreibtischen, vor sich Pläne, wie mit einer möglichen linksradikalen Regierung in dem südeuropäischen Staat umzugehen sei. Wie sollen sie reagieren, wenn die SYRIZA-Partei gewinnt und ihre Drohung wahrmacht, den Sparplan für Griechenland neu verhandeln zu wollen?

Versteckte Reisewarnungen

Andere, wie der Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen, warnten vor Panikmache. Er vertrat die Ansicht, dass sich um den Wahlausgang nur Gedanken machen müsse, wer an der Börse mit Aktien spekuliere. Bereits vor der Wahl hatte auch der EZB-Banker Jörg Asmussen im „Focus“ Entwarnung gegeben: Es drohe auf absehbare Zeit keine Inflation. Andere beruhigen die Sparer, dass selbst wenn der unwahrscheinliche Fall der Insolvenz eines kleineren Kreditinstituts eintrete, ihre Einlagen pro Bank und Person bis mindesten 100.000 Euro gesichert seien.

Skeptiker halten allerdings dagegen, dass ein EZB-Banker natürlich abwiegeln müsse, anderenfalls provoziere er geradezu den Sturm der Sparer auf die Bankschalter. Außerdem sei vor der Reisesaison gut zu überlegen, wohin die Fahrt denn gehen soll. Die „Welt“ warnt davor, dass im Falle von Streiks in Athen ein Kreta-Urlaub wahrscheinlich nicht kostenlos storniert werden könne und verweist außerdem darauf, dass Urlauber mehr Bargeld einstecken sollten, da Kreditkarten in Griechenland nicht mehr so gerne gesehen wären.

Die Gäste

Silvia Wadhwa
Silvia Wadhwa Quelle: imago

Silvia Wadhwa wurde 1959 in Hagen geboren. Nach dem Abitur studierte sie Journalistik und Wirtschaftswissenschaft in London. Dem Studium schloss sie ein Volontariat bei den „Vereinigten Wirtschaftsdiensten“ (VWD) an. Nach mehrjähriger Tätigkeit für die Nachrichtenagentur Reuters und das "Handelsblatt" ging Wadhwa zum Fernsehen und berichtet seither für verschiedene Anstalten von der Frankfurter Börse, insbesondere für den Börsen- und Wirtschaftssender CNBC.

Die Finanzexpertin Silvia Wadhwa ist bezüglich der Stabilität des Euro und der Lage in Griechenland sicher: "Griechenland muss gerettet werden. Alles andere wäre politischer und wirtschaftlicher Selbstmord für die Eurozone und Europa. Selbst nach einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone würden wir für Griechenland zahlen." Außerdem sei der Rettungsschirm der Preis, den insbesondere die Deutschen für die prosperierende Wirtschaft zu zahlen hätten. Sie wundert sich über die Steuerzahler, die es sich immer noch gefallen lassen, dass Banken mit ihrem Geld gestützt werden. "Millionären eine Million wegnehmen - davor haben alle Angst,  aber von einer Million Menschen  einen Euro nehmen - das fällt doch keinem auf."

Steffen Kampeter
Steffen Kampeter Quelle: imago

Steffen Kampeter wurde 1963 in Minden geboren. Nach Abitur und Bundeswehr begann er 1983 in Münster ein VWL-Studium, das er 1988 als Diplom-Volkswirt abschloss. Es folgten Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter an seiner Universität und einige Jahre als Angestellter eines Dienstleistungs-Konzerns.

1981, noch als Schüler, wurde Kampeter Mitglied der Jungen Union, zu deren Vorsitzenden er im Bezirk Ostwestfalen-Lippe von 1990 bis 1994 gewählt wurde. Seit 1990 ist er Mitglied des Bundestages, zunächst über die Landesliste, bis er 2009 das traditionell sozialdemokratische Direktmandat des Wahlkreises Minden-Lübbecke erringen konnte. Nach Tätigkeiten im Haushaltsausschuss und für die CDU/CSU-Fraktion wurde er 2009 zum parlamentarischen Staatssekretär im Finanzministerium berufen.

Angela Merkels engster Berater zum Thema Euro-Stabilität ist, wie seine Chefin,  der sicheren Ansicht, dass ein starker Euro und eine steigende Konjuktur nur durch absolute Haushaltsdisziplin und Abbau des Schuldenbergs zu erreichen seien. Staatliche Förderprogramme, womöglich noch durch neue Schulden finanziert, hält er für untauglich, wenn nicht sogar dem Aufschwung und der Inflationsrate abträglich.

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