Arbeiten bis zum Umfallen

Und wo bleibt der Nachwuchs?

Mitten im Bundestagswahlkampf sorgt der SPD-Chef Sigmar Gabriel für Aufsehen: Er stellt die von seiner Partei mitbeschlossene Rente mit 67 in Frage und fordert eine Rückkehr zum Eintrittsalter 65. Experten reiben sich verwundert die Augen: Für sie ist die 67er-Regelung nur eine kurze Etappe vor der eigentlich notwendigen Rente mit 70. Doch was passiert dann mit den jungen Nachrückern? Die Alten arbeiten bis zum Umfallen, und die Jungen sind arbeitslos? Oder geht es in Wahrheit lediglich um versteckte Rentenkürzungen?

Demonstrant mit Skelett und Plakat Schuften bis zum Tod
Und wie wird das dann mit der Rente mit 70? Quelle: imago

Die Deutschen werden immer älter, beziehen immer länger Rente. Der Generationenvertrag kann nicht mehr funktionieren: Irgendwann in nicht zu ferner Zukunft sind entweder die Rentenkassen leer oder die monatlichen Versicherungsbeiträge steigen ins Unermessliche. So lautet seit einigen Jahren das Menetekel der Rentenexperten, was die Große Koalition 2006 veranlasst, das Renteneintrittsalter von 65 schrittweise auf 67 Jahre zu erhöhen. Nun gibt es sogar Experten, die fordern, die Rente mit 70 einzuführen. Zu ihnen gehört auch der Gast bei "Peter Hahne" Michael Hüther. Vor einem Jahr hat er die Rente mit 67 nur als „Zwischenlösung“ und die Rente mit 70 als faire Beteiligung der späteren Rentnergenerationen bezeichnet.

Maloche mit 70?

Keine schönen Aussichten für junge Menschen heutzutage: Sie sind zwar gut ausgebildet und oft hochmotiviert – doch an eine dauerhafte Festanstellung ist nicht zu denken, solange die Alten die Arbeitsplätze blockieren. Die wiederum würden häufig gerne die Stelle räumen, doch mit den damit einhergehenden Rentenkürzungen lässt sich der erreichte Lebensstandard niemals aufrechterhalten. Also doch: Arbeiten bis zum Umfallen, und die anderen gucken in die Röhre?

Andererseits: Geht es tatsächlich um die Anhebung des Rentenalters? Kann sich jemand vorstellen, dass ein Straßenarbeiter, ein Stahlkocher – aber auch eine Krankenschwester oder eine Lehrerin mit 70 noch arbeitet? Schon heute beträgt die Rate an Berufsunfähigkeit bei Dachdeckern mehr als 50 Prozent, die bei Krankenpflegerinnen mehr als 40 Prozent. Also stimmt der Verdacht, der aus Gewerkschaftskreisen laut geworden ist, dass es nicht um Arbeitszeitverlängerung, sondern um Rentenkürzungen gehen soll?

Die Gäste der Sendung

Michael Hüther
Michael Hüther Quelle: imago

Professor Dr. Michael Hüther wurde 1962 in Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur studierte er Wirtschaftswissenschaften und Neuere Geschichte in Gießen und Norwich. 1990 schloss er das Studium mit der Promotion ab. Bereits zuvor arbeitete er ab 1987 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Gießen. Von 1990 war er Mitglied und von 1995 bis 1999 Generalsekretär und Leiter des wissenschaftlichen Stabs der „Fünf Weisen“, dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Gleichzeitig war als Chefvolkswirt und Bereichsleiter bei der Deka Bank in Frankfurt beschäftigt. Seit 1995 unterrichtet er auch an der European Business School im Rheingau, an der er seit 2001 eine Honorarprofessur innehat. 2004 wurde er zum Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln berufen.

Hannah Beitzer
Hannah Beitzer Quelle: privat

Hannah Beitzer wurde 1982 geboren. An der Universität von Passau belegte sie Sprachen sowie Wirtschafts- und Kulturraumstudien. Während des Studiums ging sie für ein Jahr nach Russland, wo sie an der Uni von Kazan studierte und in St. Petersburg ein journalistisches Praktikum absolvierte. Nach Beendigung ihres Studiums in Passau 2008 kehrte sie nach Russland zurück und schrieb diesmal für die Moskauer Deutsche Zeitung. Nach einem Jahr in Moskau trat sie ein Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung an, wo sie sich insbesondere mit Online-Journalismus beschäftigte. Seit dem Abschluss des Volontariats arbeitet sie als freie Journalistin für die Süddeutsche.de und die Süddeutsche Zeitung.

Im Juli 2013 ist ihr erstes Buch erschienen. In „Wir wollen nicht unsere Eltern wählen“ setzt sie sich mit den (Vor-) Urteilen gegenüber der „Generation Y“, auseinander. Die nach 1980 Geborenen seien nicht so schlecht wie ihr Ruf, seien mitnichten unpolitisch, nur anders politisch als ihre Eltern: Sie finde man nicht auf einem traditionellen Parteitag sondern eher im Netz – wenn die Alten da nur reinschauen würden. Darüber hinaus gelten sie als gut ausgebildet und karriereorientiert – nicht geldorientiert. So sind sie, nach Ansicht Beitzers, auch für Arbeitgeber eine interessante Zielgruppe.

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