Aufstand der Männer

Verlierer der Emanzipation?

Männer gehen malochen, für Frauen bleiben die drei K: Kinder, Küche, Kirche. Das war einmal! Feministinnen haben in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Erfolge im Kampf um die Gleichstellung der Frau erzielt. Aber ist diese Entwicklung einen Schritt zu weit gegangen? Sind die Machtverhältnisse möglichweise zum Nachteil der Männer gekippt? Eine neue Männerbewegung prangert diesen Missstand an und fordert mehr Aufmerksamkeit für Probleme und Bedürfnisse des vermeintlich starken Geschlechts. Zu recht, oder soll die Emanzipation der Frau rückgängig gemacht werden? Darüber diskutieren bei „Peter Hahne“ die Journalistin Elisabeth Raether und der Männerexperte Dr. Walter Hollstein.

Mann liegt während der Psychotherapie auf einer Couch.
Immer mehr Männer leiden unter psychischen Problemen. Quelle: imago

Gewalt gegen Frauen und die immer noch gravierenden Einkommensunterschiede  zwischen Männern und Frauen (Gender Pay Gap) sind drängende Probleme, mit denen sich sowohl Frauenrechtler als auch die Politik seit Jahrzehnten befassen. Frauenhäuser werden errichtet, Frauenquoten eingeführt und Frauenbeauftrage ernannt, um die Gleichstellung der Frau voranzutreiben.


Aber wie geht es eigentlich den Männern in unserer Gesellschaft mit den veränderten Rollenbildern? Psychische Krankheiten, höhere Suizidraten und der ständige Druck, den Spagat zwischen Beruf und Familie möglichst elegant zu lösen, sind die Stressfaktoren, denen die heutigen Männer ausgesetzt sind. Während es für Frauen und Mädchen zahlreiche Anlauf- und Beratungsstellen gibt, scheint gesellschaftlicher Konsens darüber zu herrschen, dass Männer ihre Probleme – so sie überhaupt welche haben - am besten alleine lösen.

Viel Geld – wenig Kinder

Aber die „Krise des Mannes“, wie Mitglieder der neuen Bewegung sie nennen, scheint weiter voran geschritten zu sein, als sich das so mancher eingestehen und so manche einsehen will: Schon in der Schule weisen Jungen heute schlechtere Leistungen auf, machen deutlich seltener Abitur als ihre weiblichen Altersgenossinnen. Haben sie diese Hürde gemeistert, geht der Kampf um den besten Job, das höchste Gehalt und die steilste Karriere erst richtig los. Denn Studien zeigen, dass ein Großteil der Frauen lieber eine Beziehung mit einem Mann mit hohem gesellschaftlichen Ansehen und möglichst gutem Einkommen eingeht. Er muss Sicherheiten bieten und darf sich keinerlei Misserfolge leisten. Diese könnten dann nämlich dazu führen, wie das Beispiel eines gescheiterten Bundespräsidenten zeigt, dass die Frau das Weite sucht. Auf diesen möglichen Zusammenhang weist Elisabeth Raether, Gast von Peter Hahne, in einem „Zeit“-Artikel hin. Aber mit beruflichem Erfolg allein ist es noch nicht getan. Wenn möglich, sollen die Herren der Schöpfung gleichzeitig noch fürsorgliche Familienväter, zärtliche Liebhaber und tatkräftiger Unterstützer im Haushalt sein. Erwartet die holde Damenwelt vielleicht zu viel?

Eine Rollenverteilung, bei der die Frau arbeitet und der Mann sich um Kinder und Haushalt kümmert, können sich sowohl Frauen als auch Männer nur schwer vorstellen. Viele Paare entscheiden sich deshalb ganz gegen den Nachwuchs und für die Karriere. Die Folge: eine äußerst schwache Geburtenrate in Deutschland von nur 1,39 Kindern pro Frau. Wie soll also das Dilemma um das von manchen befürchtete „Aussterben der Deutschen“ gelöst werden? Diverse Versuche der Politik, auf diesen demografischen Wandel Einfluss zu nehmen, wie zum Beispiel durch die Einführung des höchst umstrittenen Elterngeldes, sind bisher wirkungslos verpufft. Während kinderbezogene staatliche Leistungen stetig steigen, geht die Anzahl der Geburten in Deutschland fast kontinuierlich zurück und erreicht 2013 einen neuen Tiefstwert.

Alte Rollen – Neue Beziehungen

Es ist jedoch Vorsicht geboten bei der Debatte um die neue Männerbewegung, denn auch christliche Fundamentalisten und Rechtspopulisten nutzen die Diskussion, um die Errungenschaften weiblicher Emanzipation als negative Entwicklung zu diffamieren. So mischen sich nicht selten Homophobie und Rassismus unter die sachliche und durchaus ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Thema. Aus der rechten Ecke werden männliche Befürworter emanzipatorischer Fortschritte als „Weicheier“, „Warmduscher“ und „Verräter“ bezeichnet. Insbesondere Feministinnen werfen einigen dieser „Männerbewegten“ eine fehlende Distanz zu solchem rechten und frauenfeindlichen Gedankengut vor.

Aber warum gibt es überhaupt eine geschlechtsspezifische Rollenverteilung hinsichtlich Kinder, Haushalt und Beruf? Sollte es nicht vielmehr selbstverständlich sein, dass diese Entscheidungen individuellen Lebensentwürfen überlassen werden? Dafür müsste aber die Politik endlich Abschied nehmen von dem althergebrachten Familienmodell, das in der gesellschaftlichen Realität seit Jahrzehnten kaum noch eine Rolle spielt und stattdessen alle Formen des Zusammenlebens gleichermaßen fördern.

Gäste der Sendung

Walter Hollstein
Walter Hollstein Quelle: ZDF/Michael Kramers

Walter Hollstein wird 1939 in Osnabrück geboren. Nach dem Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften und der Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Münster, folgt die Promotion sowie ein journalistisches Volontariat bei der „National-Zeitung“ in Basel. Dort arbeitet er als Redakteur und Reisekorrespondent und tritt anschließend eine Professur für politische Soziologie an der evangelischen Hochschule Berlin-Dahlem an.

Elisabeth Raether
Elisabeth Raether Quelle: ZDF/Michael Kramers

Hollstein ist unter anderem Mitbegründer der „Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Männerforschung“ und der „AG Männer- und Geschlechterforschung“ sowie Gutachter des Europarates für Männer- und Geschlechterfragen. Außerdem engagiert sich Dr. Walter Hollstein bei diversen Männerprojekten in Deutschland und der Schweiz und arbeitet seit 2000 am „Institut für Geschlechter- und Generationenforschung“ der Uni Bremen.


Elisabeth Raether, 1979 in Heidelberg geboren, ist eine deutsche Autorin und Journalistin. Sie lebt in Hamburg und Berlin und arbeitet für „Die Zeit“. Gemeinsam mit der Autorin Jana Hensel veröffentlicht sie 2008 das Buch „Neue deutsche Mädchen“, in dem die beiden ihre Erfahrungen als Frauen der Generation der 30-Jährigen beschreiben. Das Buch löst zusammen mit anderen zeitnah erscheinenden Büchern eine hitzige Debatte aus, in die sich auch Alice Schwarzer einmischt und die beiden Autorinnen als „Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus“ bezeichnet.

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