Aufstieg für alle

Kann es bei uns wirklich jeder schaffen?

Zu Gast bei Peter Hahne sind diesmal der Porsche-Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück und der Hamburger Pastor Thies Hagge. Sie sprechen darüber, welche Karrieremöglichkeiten Menschen haben, die aus unterpriviligierten Schichten stammen.

Geschäftsfrau auf einer Treppe
Geschäftsfrau auf einer Treppe Quelle: imago

Es war eines der großen Themen der 68er-Bewegung: Gleiche Bildungschancen für alle! Arbeiterkinder an die Uni! Auf den ersten Blick scheinen die 68er es geschafft zu haben, den 1000-jährigen Muff unter den Talaren zu lüften - doch wie weit ging dieser Prozess? Kann man heute tatsächlich von gleichberechtigten Zugangsmöglichkeiten zu Universitäten und gut bezahlten Jobs sprechen? Wird endlich die Legende vom "Tellerwäscher-zum-Millionär" wahr, oder sind immer noch die im Vorteil, die mit einem goldenen Löffel im Mund geboren werden?

Vorzeige-Karriere

Für Uwe Hück (51) scheint dieses Märchen tatsächlich Wahrheit geworden zu sein, er hat es geschafft. Nach dem Unfalltod seiner Eltern wächst er in einem Kinderheim auf, absolviert eine Lackierer-Lehre, kämpft vier Jahre lang als Profi-Kickboxer und wird als 23-Jähriger Auto-Lackierer bei Porsche. Bereits zwei Jahre später wird er zum Vertrauensmann gewählt - was folgt, kann man als traumhafte Betriebsratskarriere bezeichnen: Von der Wahl in den Betriebsrat 1990 über die Freistellung 1994 geht es unaufhaltsam nach oben bis Hück 2010 stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Holding wird. Ist Hück also der Beleg für die mittlerweile erreichte Durchlässigkeit der deutschen Gesellschaft, in der es jeder schaffen kann, wenn er nur genügend Intelligenz und viel Fleiß und Durchsetzungsvermögen mitbringt? Oder ist er nur der Vorzeige-Emporkömmling, der gerne als Beispiel für die ach so egalitäre Bundesrepublik angeführt wird, die sich jedoch bei näherem Hinschauen als die gleiche hierarchische Klassengesellschaft zeigt wie ehedem - vielleicht etwas modischer bemäntelt?

Arm bleibt arm?

Pastor Thies Hagge (43) kann sicherlich erzählen, wie leicht es sozial Benachteiligten fällt, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Brennpunkte zu ziehen. Seine Gemeinde liegt im Problemviertel Hamburg-Jenfeld, wo etwa ein Viertel der Menschen von Hartz IV leben muss, seine Pfarrei nur wenige hundert Meter von der Wohnung entfernt, in der 2005 ein 11-jähriges Mädchen verhungert aufgefunden wurde. Ein Ereignis, das sein Leben - privat wie beruflich - verändert hat. Er, der schon immer "Kirche für andere" gemacht hat, gründet die erste Hamburger Filiale der "Arche", einem christlichen Kinderhaus, in dem den Kleinen Essen und Geborgenheit geboten werden.

Wie viele der Kinder und Jugendlichen, die Hagge aus der "Arche" und seiner 13-jährigen Gemeindearbeit kennt, haben einen ordentliche Schulabschluss geschafft, wie viele eine Lehrstelle ergattert oder gar studiert? Es ist zu vermuten, dass die Zahl nicht sonderlich hoch sein dürfte, doch woran liegt das? Sind seine Problemkinder zu dumm oder zu faul und sitzen lieber vor Gewalt- und Pornovideos statt zu büffeln? Ist Armut vererbbar: einmal Hartz IV - immer Hartz IV? Oder ist es mit der Chancengleichheit hierzulande doch nicht so weit her, und es gibt immer noch strukturelle Gründe in unserer Gesellschaft, die es Menschen an deren unterem Rand nur sehr schwer ermöglichen, einen sozialen Aufstieg zu schaffen?

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