Ausreise aus der Prager Botschaft

Der Anfang vom Ende der DDR

Der frühere Kanzleramtschef Rudolf Seiters und der MDR-Moderator Peter Escher sind diesmal zu Gast bei „Peter Hahne“. Sie berichten, wie sie die Situation in Ungarn und der Tschechoslowakei im Jahr 1989 erlebt haben.

Peter Hahne: Hans-Dietrich Genscher steht vor  der Gedenktafel auf dem Balkon der Botschaft in Prag.
Heute erinnert eine Gedenktafel an Genschers historischen Satz. Quelle: dpa

„Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise … in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.“ Dieser historische Satz des damaligen Bundesaußenministers Hans Dietrich Genscher (FDP) auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag ermöglichte nicht nur Tausenden DDR-Bürgern die Ausreise in den Westen. Dieser Satz war auch der Anfang vom Ende der DDR.

Über Ungarn in den Westen

Schon in den Monaten vor Genschers Ansprache vor den auf das Botschaftsgelände Geflüchteten zeigten sich in den sozialistischen Staaten erste Auflösungserscheinungen. Die ungarische Regierung lockerte die Grenzkontrollen, was Hunderte von DDR-Bürgern zur Flucht nach Österreich nutzten. Die „Ständige Vertretung“ in Ost-Berlin war hoffnungslos überfüllt, ebenso die Botschaften in Warschau und Budapest. Trotzdem verweigerte die DDR-Führung zunächst strikt die legale Ausreise in den Westen.

Erst als Außenminister Genscher, nach Gesprächen mit seinem sowjetischen Amtskollegen Eduard Schewardnadse, seinen berühmten Satz in Prag gesprochen hatte, lockerte sich die Situation etwas. Und am 9. November fiel dann der zweite historische Satz, diesmal vom SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski: „Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“ Die Mauer war offen.

Die Gäste der Sendung

Rudolf Seiters
Rudolf Seiters Quelle: dpa

Rudolf Seiters wurde 1937 in Osnabrück geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Münster. Auf die beiden juristischen Staatsexamen folgte eine Anstellung als Regierungsassessor in Osnabrück. Mit 21 Jahren wurde er Mitglied der CDU und war von 1968 bis 1971 deren Landesvorsitzender in Niedersachsen. Von 1969 bis 2002 war Seiters Mitglied des Bundestages. Bundeskanzler Kohl berief ihn im April 1989 zum Bundesminister mit besonderen Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes. Diese Ämter ließen ihn die Ereignisse im Herbst 1989 aus nächster Nähe miterleben; er gehörte zum innersten Zirkel der politisch Verantwortlichen. Von 1991 bis 1993 war er Bundesinnenminister und seit 2003 ist er Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes.

Peter Escher
Peter Escher Quelle: mago

Peter Escher wurde 1954 in Weißwasser in der Oberlausitz geboren. Von 1976 bis 1986 arbeitete er als Redakteur und Nachrichtensprecher für den Rundfunk der DDR. Nach zwischenzeitlichen Tätigkeiten als Kultur-Manager kehrte er zum Jugendradio der DDR DT64 zurück. 1989 flüchtete er über Ungarn in den Westen, wo er zunächst für Fernsehproduktionsgesellschaften arbeitete. Von 1996 bis 2013 war er Moderator der MDR-Sendung „Escher – Der MDR-Ratgeber“, parallel hierzu außerdem bis 2004 im Radio Sachsen. Seit 2014 moderiert Escher die Reportagereihe „Meine zweite Chance – Peter Escher auf den Spuren des Schicksals“.

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