Autofahrer zum Arzt

Maßnahmen gegen schleichenden Prozess

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie hin- und hergerissen sind, was den Vorschlag angeht, Autofahrer zum regelmäßigen Gesundheitstest zu schicken? Bisher dachte man dabei immer an Senioren, und die fühlten sich prompt diskriminiert.

Führerschein
Führerschein Quelle: imago/Birgit Koch

Ich weiß noch, wie heiß in unserer Sendung darüber gestritten wurde. Der Vertreter der älteren Autofahrer meinte, man sollte auch künftig weiterhin freiwillig entscheiden, ob man seinen Führerschein zurückgibt oder nicht. Doch wer kennt schon seine eigenen Grenzen? Oft ist es erst der Arzt, der die Fahruntüchtigkeit feststellt. Und wenn's ganz schlimm kommt, muss erst ein Unfall passieren, bis man zur Vernunft kommt.

Kein Führerschein auf Lebenszeit

Genau dies nimmt jetzt Hamburgs Innensenator zum Anlass, einen regelmäßigen Gesundheitscheck zu fordern. In der Hansestadt, so sagt es die Statistik, sind an zwei Drittel aller Unfälle Autofahrer ab 65 Jahren beteiligt. Also doch die Senioren? Nein, auch Jüngere würden oft erst zu spät merken, dass sie Schilder nicht mehr richtig erkennen oder in der Dunkelheit nicht mehr genug sehen können. Manches Unglück hätte verhindert werden können, wenn man früher eine Brille aufgesetzt hätte.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen spricht von einem schleichenden Prozess, was Seh- und Konzentrationsfähigkeit angeht. Das habe nichts mit einer Altersgrenze zu tun, das geschieht bei jedem individuell verschieden. Das Gehör wird schlechter, die Reaktionsfähigkeit lässt nach, der Körper ermüdet schneller. So verlangt Spanien für alle Führerscheinbesitzer ab 45 Jahren einen Hör- und Sehtest. In Schweden und Großbritannien müssen Senioren alle drei Jahre zum Tauglichkeitstest. Allein in Deutschland gibt's den Führerschein "auf Lebenszeit."

Keine Garantie für "unfallfrei"

Alter Autofahrer im Rückspiegel
Alter Autofahrer im Rückspiegel Quelle: dpa

Tests sind bei uns freiwillig. Aber Hand aufs Herz: Wer macht das schon? Wie gesagt: meist merkt man seine Schwächen erst, wenn's zu spät ist. Deshalb ist die Hamburger Idee schon nachdenkenswert, den Test jetzt verpflichtend zu machen. Und das, ohne eine Altersgrenze festzulegen. Da ab 2013 ohnehin jeder Führerschein innerhalb der EU nur noch 15 Jahre gültig sein wird, könnte man die Sache so regeln: Der "Lappen" wird nicht automatisch verlängert, sondern ist an einen Gesundheitscheck gebunden. Wer den nicht schafft und als fahruntüchtig erklärt wird, bekommt also keine Verlängerung.

Im Klartext hieße das: Alle 15 Jahre gäbe es eine Kontrolle, ganz gleich, ob man dann 33 oder 83 Jahre als ist. Gar nicht schlecht, denn dann würden alle gleich behandelt und niemand fühlte sich diskriminiert. Eine Garantie für unfallfreies Fahren ist dies jedoch nicht, weil auch 15 Jahre eine lange Spanne ist und man in der Zwischenzeit schon fahruntüchtig sein könnte. Der Automatismus könnte sogar dazu verführen, sich nur noch auf das nächste Testdatum zu konzentrieren statt die Anzeichen des Körpers zu beachten. Und hoffentlich dient das Ganze nicht dazu, den Ärzten mehr "Kunden" und der Bürokratie mehr "Entfaltung" zu schaffen!

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