Benzinabzocke: Autofahrer Deppen der Nation?

Kaum nähert sich der Zeiger des Kalenders einem rot umrandeten Feld, geschieht Verwunderliches an deutschen Tankstellen: Wie von Geisterhand gesteuert, erhöhen sich vor den Wochenenden die Benzin- und Dieselpreise - und nicht nur vereinzelt, sondern überall, landauf, landab. Besonders beeindruckend ist dieses - quasi - Naturschauspiel, wenn im Kalender mehrere rot umrandete Felder aufeinander folgen. Kurz vor Weihnachten, Ostern und Pfingsten erreichen die Spritpreise in Deutschland immer wieder Höchstmarken. Ein Schuft, der Böses dabei denkt!

Doch beim Ärger über die Preisgestaltung der Mineralölkonzerne bleibt es nicht, nun strapaziert auch noch E10 die Nerven der Autofahrer. Ausgangspunkt war eine Forderung der EU-Kommission aus dem Jahr 2007, den CO2-Austoß von Autos auf 120 mg pro Kilometer zu senken. Da die Bundesregierung weiterhin ein Tempolimit scheut wie der Teufel das Weihwasser, verfiel sie auf einen Gedanken, den der damalige Bundesumweltminister Siegmar Gabriel bereits 2008 geäußert und schnell wieder verworfen hatte: Ab Januar 2011 sollte dem Benzin statt bisher fünf nun zehn Prozent Bio-Ethanol beigemengt werden. Beschlossen und verkündet - aber nur leise.

Gehaltvolles Diesel

Denn plötzlich tauchte der "Bio-Sprit" an den Tankstellen auf, und alle waren ratlos: Die Autofahrer, die nicht wussten, ob ihr Lieblingskind den neuen Treibstoff verträgt; die Automobilindustrie, die keine Garantie abgeben wollte, dass der neue Sprit keine Schäden verursacht und die Bundesregierung, die sich überhaupt nicht erklären konnte, woher die ganze Verwirrung stammen könnte. Nur die Mineralölindustrie hat sich schnell auf die neue Situation eingestellt und umgehend die Preise für das alte Benzin erhöht, um so drohende Strafzahlungen bei zu geringem Umsatz von E10 bereits im Vorfeld auszugleichen. Womit wir wieder beim Thema Nummero 1 wären.

Schließlich der Auftritt des EU-Kommissars Algirdas Semeta, zuständig für Energiepreise. Er schlug vor, die Treibstoffsteuern europaweit zu vereinheitlichen und alle Abgaben an dem jeweiligen Energiegehalt zu orientieren. Das bedeutete für deutsche Dieselfahrer, dass sie bei sonst gleichbleibenden Steuersätzen für ihren Kraftstoff plötzlich mehr bezahlen müssten als Benzin-Tanker. Die Empörung schlug hohe Wellen, wiesen die Dieselfahrer doch darauf hin, sowohl bei der Anschaffung als auch bei der Kfz-Steuer gegenüber ihren Benzin-Kollegen bereits benachteiligt worden zu sein. "Nur keine Panik", lautete die Meldung aus der Bundesregierung. Eine solche Steuerangleichung greife frühestens 2020 - wenn überhaupt, denn sie sei von den EU-Staaten nur einstimmig zu verabschieden und mit Schwarz-Gelb sei keine wie auch immer geartete Steuererhöhung machbar. Also diesmal die Autofahrer nicht die Deppen und Melkkühe der Nation?

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