Das Leben nach dem Alkohol-Absturz

Jenny Elvers und Joachim Körkel zu Gast bei Peter Hahne

September 2012, Jenny Elvers-Elbertzhagen in der NDR-Talkshow "DAS!": Sie lallt wirre Worte, wirkt unkonzentriert und wirft ihr Glas um. Elvers hat offensichtlich ein Alkoholproblem. Nach monatelanger Therapie schwört sie sich, keinen Tropfen mehr zu trinken. Bei "Peter Hahne" spricht Elvers offen über ihr Problem und das Leben nach dem Alkohol-Absturz. Ihr gegenüber sitzt der Suchtexperte Professor Joachim Körkel. Der Psychologe ist einer der führenden Vertreter einer alternativen Suchttherapie.

74.000 Todesfälle jährlich infolge von Alkoholmissbrauch, rund 1,3 Millionen Alkoholabhängige, etwa 9,5 Millionen Deutsche trinken gesundheitsgefährdend Alkohol. Alkoholismus ist längst zu einer Volkskrankheit, Alkohol zu einer Volksdroge geworden – mit psychischen, sozialen und auch körperlichen Folgen. Denn Alkohol zerstört mit der Zeit Zellen des Nervensystems und ganze Organe im Körper. Außerdem führt Alkoholmissbrauch häufig zu Herzerkrankungen und Krebs.

Ungewolltes Förderprogramm

Betrunkener Mann an einer Bar mit vielen Alkoholgetränken
Alkoholmissbrauch fordert zahlreiche Opfer. Quelle: imago

Warum verbietet dann aber die Regierung nicht grundsätzlich den Alkoholkonsum, wie es beispielsweise die USA in der Zeit von 1919 bis 1933 getan hat? Warum ist Alkohol immer noch eine legale Droge, obwohl er 2007 bei einem Ranking der 20 gefährlichsten Drogen auf Platz fünf landete?

Die US-amerikanische Prohibition erwies sich als Förderprogramm der organisierten Kriminalität. Gangster wie Al Capone wären ohne das Verbot niemals so reich und mächtig geworden. Außerdem war die Regierung nicht in der Lage, alle Landesgrenzen ausreichend zu überwachen, sodass Präsident Franklin D. Roosevelt das Gesetz 1933 aufhob. Die Angst vor zunehmender Kriminalität spielt sicherlich auch in Deutschland eine Rolle, doch scheinen auch finanzielle Motive die Bundesregierung von einer Prohibition abzuhalten: Immerhin 3,1 Milliarden Euro nahm der Staat allein 2010 an Alkoholsteuer ein. Außerdem ist das Trinken längst zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens geworden; keine Party, kein Diskobesuch ist mehr ohne Alkohol vorstellbar.

"Kontrolliertes Trinken"

Um vom Alkohol wieder loszukommen, werden heute viele Therapiemöglichkeiten angeboten. Neben Selbsthilfegruppen gibt es zahlreiche Kliniken, die sich auf den Entzug von Alkohol und anderen Drogen spezialisiert haben. Strikte Abstinenz und Gesprächstherapie sind herkömmliche Methoden der Entzugstherapie, mit denen sich auch Jenny Elvers in der Betty-Ford-Klinik behandeln ließ.

Eine lange Zeit umstrittene Alternative zu diesem konservativen Modell bietet das "Kontrollierte Trinken", das ab den 1960er Jahren in Australien und den USA  entwickelt wurde. Seit den 1990er Jahren praktiziert der Suchtforscher Professor Joachim Körkel dieses Konzept auch in Deutschland. Grundgedanke des Konzepts ist, dass Alkoholiker nicht gänzlich auf Alkohol verzichten müssen, sondern es ist ihnen erlaubt, kontrolliert zu trinken. Ein mit dem Therapeuten individuell entwickelter Plan gibt ihnen vor, wann sie wo in welchen Mengen Alkohol konsumieren dürfen.

Ziel dieser Methode ist es, den Betroffenen einen bewussten Umgang mit Alkohol zu vermitteln. Außerdem erhofft man sich, dass Alkoholiker nach einiger Zeit sogar ganz auf ihre Droge verzichten können. Allerdings ist dieses Modell nicht für jeden Patienten geeignet. Bei schweren psychischen und körperlichen Schäden oder erhöhter Gewaltbereitschaft empfiehlt sich eher der konservative Entzug.

Die Gäste der Sendung

Jenny Elvers-Elbertzhagen
Jenny Elvers-Elbertzhagen Quelle: imago

Jenny Elvers-Elbertzhagen wurde 1972 geboren und wuchs in Amelinghausen bei Lüneburg auf. Bevor sie ihre Karriere als Moderatorin und Schauspielerin startete, begann sie 1993 nach der Mittleren Reife eine Ausbildung an der Schauspielschule "Die Etage" in Berlin. Anschließend studierte sie an einer Schauspielschule in Hamburg, die sie mit einem Diplom abschloss. Dem folgte ein Studium an der "American National Academy of Performing Arts" in Los Angeles. Seit den 1990er Jahren arbeitet sie als Moderatorin und Schauspielerin in Deutschland.

Elvers spielte in Detlev Bucks Film "Knallhart" aus dem Jahr 2006. Außerdem übernahm sie Gastrollen in den Vorabendserien "Notruf Hafenkante", "SOKO Leipzig" und "SOKO Köln". Seit 2002 moderiert sie zahlreiche Shows wie zum Beispiel "Big Brother – Das Quiz" und wirkt in verschiedenen Theaterproduktionen mit.

Prof. Joachim Körkel
Professor Joachim Körkel Quelle: imago

Professor Joachim Körkel wurde 1954 geboren und arbeitet als Psychologe und Suchtforscher. Derzeit lehrt er an der Evangelischen Hochschule Nürnburg Psychologie. Gleichzeitig berät Körkel Ärzte, Psychologen und Sozialpädagogen in seinen Schwerpunkten Alkoholabhängigkeit, Alkoholgefährdung und Alkoholentwöhnung. Körkel vertritt entgegen der herkömmlichen Suchthilfe, die eine  Alkoholtherapie durch Alkoholabstinenz vorsieht, die Methode des "Kontrollierten Trinkens".

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