Der Duden und die Mickey-Maus-Sprache

Rechtschreibreform weiter umstritten

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie gar nicht mehr so recht wissen, wie man richtig schreibt? Besser gesagt: wie gerade der aktuelle Stand der Rechtschreibung ist. Denn man wird den gefühlten Eindruck nicht los, dass man im Laufe seines Lebens schon mehrmals "umlernen" musste.

Aufgeschlagener Duden liegt vor dem aus Scrabblebuchstaben gebildeten Wort - Deutsch
Aufgeschlagener Duden liegt vor dem aus Scrabblebuchstaben gebildeten Wort - Deutsch Quelle: imago/sepp spiegl
Duden
Duden Quelle: imago


Jetzt feiert der "Duden" gerade ein Jubiläum, denn am 1. August jährt sich der 100. Todestag seines gleichnamigen Gründers Konrad Duden. Ebenso gefühlt ist der Eindruck, dass inzwischen alles erlaubt ist und jede Schreibweise im Duden seit der Rechtschreibreform irgendeine Rechtfertigung findet. Und man fragt sich ratlos: Wofür braucht man eigentlich Regeln, wenn jeder machen kann, was er will?

Keiner steigt mehr durch

Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern kriegt gerade ihr Fett ab, weil sie ihren Spitzenkandidaten namens Caffier mit dem Slogan plakatiert: "C wie Zukunft". Es gibt bereits Internet-Foren, die sich darüber lustig machen und immer neue Varianten ins Spiel bringen, zum Beispiel: "C wie Helmut Cohl" oder, wo man schon ein bisschen nachdenken muss: "C wie Bel-Suppe". Der politische Gegner wirft der CDU jetzt Schwachsinn vor, weil die Partei neben ihrem "falschen" Programm noch nicht einmal die Rechtschreibung beherrsche. Damit hat die Union allerdings erreicht, was sie wollte: Selten war ein Wahlplakat so populär wie dieses. Und ernsthaft aufregen kann sich doch ohnehin niemand, weil doch scheinbar alles erlaubt ist. "Cosi fan tutte" - jeder macht's, wie er will.

Ich bin der Meinung, dass es verbindliche Regeln geben muss, um die gemeinsame Sprache zu erhalten. Sie ist ein wichtiges Kulturgut, das eine Nation, ein Volk, eine Sprachgemeinschaft verbindet. Und da kann eben nicht jeder machen, was er will. Auch die Politiker nicht, die alle Nase lang in langwierigen Kommissionen immer neue Revisionen der alten Schreibweise auf den Weg bringen, bis schlussendlich niemand mehr durchsteigt. Oder können Sie erklären, warum der Panther plötzlich Panter geschrieben wird, der Delphin ein Delfin sein soll und das gute "ß" fast ausgedient hat? Und warum plötzlich laut Duden mehrere Varianten gleichzeitig möglich sind, der Lehrer also keinen Fehler anstreichen darf? Dann sollte man doch gleich soweit gehen und als ultimative Regel verkünden: Jeder darf Schifffahrt mit soviel "f" schreiben, wie er gerade Zeit hat...

Zickenkrieg und Komasaufen

Dass Sprache lebt und sich verändert, das ist klar, und das ist gut so. Der erste Duden des Herrn Duden hatte ganze 187 Seiten und listete 28.000 Wörter auf, die 25. Auflage von 2009 hatte bereits 135.000 auf 1216 Seiten. Dabei ist der große Traum von Konrad Duden über die Jahre unter die Räder gekommen: eine einheitliche, einfache und vernunftgemäße Rechtschreibung. Es ist doch verrückt und schwachsinnig, Mayonnaise nach neuen Regeln Majonäse zu schreiben und aus Ketchup Ketschup zu machen. Dann kann man doch gleich die Lautschrift einführen und unsere Muttersprache zur Mickey-Maus-Sprache auf Baby-Niveau pervertieren, wie einst Reinhard Mey sang.

Natürlich muss Sprache sich entwickeln, und neue Wörter haben ihren Platz im Duden, wenn sie zur Umgangssprache geworden sind. In diesem Jahr kamen zum Beispiel Zickenkrieg und Komasaufen hinzu. Doch Weiterentwicklung heißt nicht, dass alles flacher und niveauloser werden muss, was die Schreibweise betrifft. Deshalb wundert es mich nicht, wenn die große Mehrheit der Deutschen die Rechtschreibreform von 1996 immer noch ablehnt, wie die jüngste Emnid-Umfrage zeigt. 85 Prozent der Befragten halten eine korrekte und verbindliche Schreibweise zwar für wichtig, wollen jedoch die immer noch umstrittene Reform nicht. Sie schreiben, wie ich's privat auch tue, immer noch nach den alten, gelernten und bewährten Regeln.

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