Der neue Mann - ein Weichei?

Echte Kerle braucht das Land

Über das neue Selbstverständnis von Männern diskutieren bei Peter Hahne die Psychologien Anna Schoch und die Schlagersängerin Mary Roos. Für Professor Schoch sind viele heutige Männer "Weicheier", Mary Roos dagegen schätzt die neue Qualität der "Herren der Schöpfung".

Bodybuilding - Typical
Bodybuilding - Typical

Spätestens seit der Frauenbewegung der 1970er Jahre hat sich das Männerbild in unserer Gesellschaft verändert. Die Frauen forderten nämlich nicht nur stärkere Teilhabe an politisch-gesellschaftlichen Prozessen, sondern auch Verhaltensänderungen der Männer. Der Macho war out - Softis waren gefragt. Statt mit ihren Muskelpaketen zu protzen sollten sie lieber ihre weibliche Seite entdecken und leben. Statt Testosteron-gesteuert zuzuschlagen, sollten sie Konflikte kommunikativ lösen. Statt alles in sich hineinzufressen, sollten sie Gefühle zeigen und auch einmal weinen.

Differenzierte Betrachtung nötig

Erzieher und Kinder in Kindergarten
Erzieher und Kinder in Kindergarten Quelle: imago

Viele Männer fühlten sich anfänglich von diesen Forderungen hoffnungslos überfordert. Doch mit der Zeit schien sich doch das Selbstbild von ihnen zu verändern. Die Lederjacke wurde durch die Latzhose ersetzt, statt Autoschrauber lautete das Berufsziel: Erzieher in einem Montessori-Kindergarten. Der neue Mann war geboren: sanft, emotional, rücksichts- und verständnisvoll.
Begeisterung auf der Frauenseite? Mitnichten! Plötzlich kommen die Klagen, es gäbe keine richtigen Männer mehr. Weicheier, Schlappschwänze, Frauenversteher! Auch die Psychologin Professor Anna Schocht, zum zweiten Mal zu Gast bei Peter Hahne, beklagt die Verweichlichung der Männer. Für sie liegt der Grund dafür in der "vaterlosen Gesellschaft". Und als hätte sich in den letzten 40 Jahren fast nichts verändert, möchte sie zu ihrem Partner aufschauen - fordert allerdings von ihm auch den ihr gebührenden Respekt.

Mary Roos dagegen gefällt "der neue Mann" sehr gut. Sie verachtet Machos und Männer, die ihre Partnerinnen hintergehen. Sie hat den Vater ihres Sohnes verlassen, nachdem dieser sie betrogen hatte, und ihren Jungen alleine groß gezogen. So ist dieser auch vaterlos aufgewachsen, hat sich jedoch, wie sie sagt, nicht zum Weichei entwickelt, sondern kann sich sehr wohl durchsetzen und trotzdem Emotionen zeigen. Sie wehrt sich gegen Verallgemeinerungen und will sich jeden Mann erst einmal ansehen, bevor sie ihr Urteil fällt.

Die Gäste:

Anna Schoch hat in München Psychologie, Soziologie und Philosophie/vergleichende Religionswissenschaften studiert. Anschließend arbeitete sie als Doktorandin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie und verfasste 1990 ihre Dissertation zum Thema "Altersspezifische Verhaltensweisen". 2004 folgte ihre Ernennung zum Honorarprofessor und 2006 ihr "Master in Mediation".

Heute hat sie eine Honorarprofessur für Allgemeine- und Klinische Psychologie an der Internationalen Hochschule Calw inne und führt in München eine eigene Praxis für Psychologische Psychotherapie. Anna Schoch hat mehrere Bücher verfasst und ist häufiger Gast auf Kongressen sowie im Funk und Fernsehen.

Mary Roos wurde 1949 als Rosemarie Schwab in Bingen geboren. Bereits im Alter von neun Jahren veröffentlichte sie ihre erste Single. 1970 gelang ihr der Durchbruch mit "Arizona Man". 1972 belegte sie einen hervorragenden dritten Platz beim Grand Prix Eurovision und startete ihre zweite Karriere in Frankreich als Musical-Star. Drei Wochen lang war ihre Show im Pariser "Olympia" ausverkauft. Es folgten zahlreiche weitere Alben und Fernsehauftritte, in denen sie mit namhaften deutschen Schlagerproduzenten zusammen arbeitete.

1981 bis 1989 war sie mit dem Schlagersänger "Gottlieb Wendehals" (bürgerlich: Werner Böhm) verheiratet, mit dem sie einen Sohn (Julian, geboren 1986) hat. Nachdem ihr Mann sie betrogen hatte, verließ sie ihn und entschloss sich, ihr Kind alleine groß zu ziehen. Mary Roos, eine der erfolgreichsten deutschen Solokünstlerinnen, veröffentlicht weiterhin regelmäßig CDs. Sie lebt in Hamburg und im hessischen Braunfels.

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