Durch Adoption zum Wunschkind

Der steinige Weg zum Glück

Zu Gast bei Peter Hahne sind Marie-Luise Marjan und Sam Jolig. Die Schauspielerin und "Mutter der Nation" Marjan wurde als Baby an Kindes statt angenommen und die Autorin Jolig ist Adoptivmutter von zwei Kindern.

Madonna mit Bild eines afrikanischen Kindes im Hintergrund
Madonna mit Bild eines afrikanischen Kindes im Hintergrund Quelle: dpa

Viele Paare wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind - doch oft genug bleibt dieser Wunsch unerfüllt. Letzter Ausweg aus der unfreiwilligen Kinderlosigkeit ist dann nur noch die Adoption. Bevor es jedoch dazu kommt, sind einige Hürden zu überwinden.


Diese Hürden sind allerdings nicht nur bürokratischer Natur wie beispielsweise das Prüfverfahren durch das vergebende Jugendamt. Hürden in Form ehrlicher Antworten auf wichtige Fragen können sich auch in den zukünftigen Eltern auftun: Wie stelle ich mir ein Leben mit Kind vor? Welche Veränderungen bin ich bereit, in meinem Leben hinzunehmen? Und besonders: Warum möchte ich unbedingt ein Kind? Denn bei den Jugendämtern gilt der Grundsatz "Wir suchen Eltern für ein Kind - nicht umgekehrt!" Jedes potentielle Adoptivelternpaar muss sich im Klaren sein, dass sie ein Kind nur seiner selbst annehmen können. Es dient nicht als Prestigeobjekt oder Zeitvertreib und ist mit Sicherheit nicht in der Lage, eine kriselnde Beziehung zu kitten.

Eigene Erfahrungen

Angesichts dessen, dass die Zahl der Adoptionswilligen die Zahl der frei gegebenen Kinder um das Zehnfache übersteigt, erwägen viele auch eine Auslandsadoption. Hierbei können zusätzliche Schwierigkeiten auftreten. Nicht nur, dass die Kosten deutlich höher liegen (Flugkosten, örtliche Gebühren für Ämter, Gerichte, Anwälte), es besteht auch die Gefahr, sich (un-)wissentlich an einem illegalen Kinderhandel zu beteiligen. Insbesondere aus Ländern der so genannten Dritten Welt erreichen uns immer wieder Meldungen über Schlepper, die die Notlage von Familien ausnutzen und für etwas Geld diesen ein Kind abkaufen. Dubiose Firmen bringen unter Mithilfe korrupter Beamter des Heimat- wie des Ziellandes diese Babys in den Westen und erfüllen einem Paar auf diese Weise ihren Kinderwunsch.

Die Gäste bei Peter Hahne können aus eigener Erfahrung viel zum Thema beitragen. Marie-Luise Marjan weiß, was es heißt, plötzlich zu erfahren, dass die Eltern gar nicht die Eltern sind. Wie hätte sie es lieber erfahren? Mit welchen Gefühlen hat sie ihre leiblichen Eltern gesucht? Und Sam Jolig hat sicherlich einige Ratschläge für mögliche Adoptiveltern bereit und kann einschätzen, welche Form der Adoption für ein Kind am ehesten geeignet ist: offene Adoption, halboffene oder die Inkognitoadoption.

Die Gäste:


Marie Luise Marjan kam 1940 als Marlies Wienkötter zur Welt und wurde von ihrer Mutter gleich nach der Geburt zur Adoption frei gegeben. Nach einem Jahr in Kinderheimen kam sie zu ihren Adoptiveltern Hanni und Emil Lause, deren Nachnamen sie auch annahm. Erst im Alter von 16 Jahren erfuhr sie durch Zufall, dass diese nicht ihre wahren Eltern sind. Sie begab sich auf Elternsuche und fand tatsächlich ihre leibliche Mutter, zu der sie allerdings keine rechte Beziehung aufbauen konnte. Über ihren Vater erfuhr sie nichts.

Schon früh zeigte sich Marjans Schauspieltalent, das sie nach dem Abitur an die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg brachte. Es folgten Engagements unter anderem in Bochum, Berlin und Hamburg bis sie 1985 bundesweite Berühmtheit erlangte: In diesem Jahr startete die Endlos-Serie "Die Lindenstraße" in der ARD, in der sie seit der ersten Folge die "Mutter der Nation" Helga Beimer verkörpert.

2007 drehte sie für die ARD die Dokumentation "Das Geheimnis meiner Familie", in der sie auf die Suche nach ihrer leiblichen Familie ging. Im Zuge der Recherchen erfuhr sie, dass ihr Vater ein Luftwaffenoffizier aus Würzburg war, der 1942 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam und - dass sie einen Halbbruder hat, von dem ihre Mutter nie etwas erzählt hat: Er ist fünf Jahre jünger als Marjan und lebt im Allgäu. Seit diesem Jahr pflegen die Geschwister samt Cousinen und Cousins einen regelmäßigen Kontakt: Die "Mutter der Nation" hat mit 67 Jahren endlich eine eigene Familie, hat sie doch keine eigenen Kinder und war auch nie verheiratet, obwohl sie über 25 Jahre lang einen Lebensgefährten in Hamburg hatte.


Sandra "Sam" Jolig wurde 1976 in Hildesheim geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung absolvierte sie ein Schauspielstudium ohne Abschluss. Seitdem arbeitet sie als Fernsehmoderatorin unter anderem bei Channel 21 und als Buchautorin.


Jolig ist Mutter zweier Adoptivkinder. Die Erfahrungen, die sie in dem Prozess gemacht hat, ein fremdes Baby an Kindes statt anzunehmen, hat sie veranlasst, einen Adoptionsratgeber herauszugeben: "Mein Weg zum Herzkind" ist 2011 im Mosaik Goldmann Verlag erschienen. Nachdem Sam Jolig sich von ihrem früheren Partner hat scheiden lassen, mit dem zusammen sie die Kinder adoptierte hatte, lebt sie nun mit ihrem neuen Lebensgefährten in der Nähe von Hannover. Der Tierarzt bringt zwei eigene Kinder mit in die Beziehung - die klassische Patchworkfamilie, ergänzt durch Hunde, Ponys und Pferde, sehr zur Freude der leidenschaftlichen Tierfreundin Sam Jolig.

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