Euro oder D-Mark

Brauchen wir die Alternative für Deutschland?

Die Finanzkrise hat nun auch Deutschland erreicht – allerdings anders als erwartet und befürchtet: Der Bundesregierung droht kein Staatsbankrott sondern eine neue Partei, die "Alternative für Deutschland" (AfD). Diese hat sich zu Beginn des Jahres gegründet mit dem vornehmlichen Ziel, Deutschland möge den Euro wieder abschaffen. Wie realistisch ist dieses Programm, und stellt die neue Partei tatsächlich eine Gefahr für die etablierten Volksvertreter dar? Darüber diskutieren bei "Peter Hahne" Frauke Petry, Sprecherin der AfD, und der rheinland-pfälzische FDP-Vorsitzende Volker Wissing.

Alte D-Mark-Münze
Sieht so die Rettung Deutschlands aus? Quelle: imago

Nahm man in Regierungskreisen die Gründung der „Piraten“ noch achselzuckend zur Kenntnis, da deren Mitglieder wohl eher nicht zu den Stammwählern von CDU/CSU und FDP zu zählen waren, ist die Situation mit der neuen „Alternative für Deutschland“ eine andere. Deren Führungspersonal besteht aus gutbürgerlichen, wohlsituierten Akademikern, Wissenschaftlern und Unternehmern. Und ihr Wahlprogramm „Raus aus dem Euro“ ist in der aktuellen Krise populär - böse Zungen sagen populistisch - genug, um bei der kommenden Bundestagswahl Stimmen aus dem frustrierten Mittelstand abzuzweigen. Diese Stimmen, die die Rettungspolitik für überschuldete Euro-Staaten nicht mehr mittragen wollen, könnten Schwarz/Gelb fehlen und so einen Regierungswechsel provozieren.

Die Forderung nach einer „geordneten Auflösung des Euro-Währungsgebiets“ eint die Mitglieder der neuen Partei. Doch dass diese Einheitswährung gerade für den „Exportweltmeister“ Deutschland von großem Vorteil ist, bleibt unerwähnt. Immer noch wird ein wesentlicher Prozentsatz der deutschen Waren in Euro-Länder ausgeführt: Also keine Kosten für Währungsumrechnungen, die die Preise und Gewinne belasten würden. Auch die Vorstellung, dass Griechenland zur Drachme und Italien zur Lira zurückkehren, kann einem Exportunternehmen nicht gefallen: Die mit der Umkehr zur alten Währung verbundene Abwertung – denn nur diese kann Sinn einer solchen Rückkehr sein - würde deutsche Waren so sehr verteuern, dass die Griechen und Italiener sich noch weniger „Made in Germany“ leisten könnten als es schon heute der Fall ist.

Anti-Merkel-Partei

Trotz aller vermeintlich vernünftigen Argumente für den Verbleib in der Euro-Zone, befürchten Vertreter der Bundesregierung die in der neuen Partei manifestierte „Wir-wollen-unsre-alte-D-Mark-wieder-ha’m“-Stimmung. Offensichtlich haben sie zur Kenntnis genommen, wer sich auf dem Gründungsparteitag in Berlin auf dem Podium und im Saal versammelt hat. Und Parteienforscher bestätigen, dass diese Angst begründet ist. Zwar seien unter den potentiellen AfD-Wählern viele frühere Nichtwähler zu erwarten, doch gerade CDU und FDP könnten auch den einen oder anderen Wähler verlieren – von der CSU gar nicht zu reden. In Bayern betätigen sich einige prominente CSU-Parteimitglieder – Generalsekretär Alexander Dobrindt in vorderster Front - seit geraumer Zeit selbst als Euro- und Rettungsschirm-Kritiker.

Entwarnung – zumindest für die beiden christlichen Parteien - könnte eventuell eine kürzlich veröffentlichte Umfrage liefern. Das Meinungsforschungsinstitut „MyGov“ hat im Auftrag der Wochenzeitung „Die Zeit“ herausgefunden, dass die AfD ihr größtes Wählerpotential bei früheren Wählern der FDP und der „Linken“ habe. 27 Prozent aller Befragten äußerten sich positiv über die eurokritische Haltung der Partei. Sollte diese also die Fünf-Prozent-Hürde knacken, wäre das Ende der schwarz-gelben Koalition besiegelt. Doch selbst wenn die AfD nur drei Prozent bei der Bundestagswahl erreicht, davon aber zwei Prozentpunkte von der FDP stammen sollten, müsste im Herbst wohl ein neuer Kanzler gewählt werden. Denn neben der Euro-Kritik steht für die AfD fest: Merkel und ihre Regierung müssen weg!

Die Gäste der Sendung

Frauke Petry
Frauke Petry Quelle: imago

Frauke Petry wurde 1975 in Dresden geboren. Nach dem Umzug der Familie nach Westfalen macht sie 1995 in Bergkamen das Abitur und studierte anschließend Chemie. Nach der Promotion gründete sie 2007 in Leipzig ein Chemieunternehmen, das Kunststoffe produziert. Sie ist Mitglied im sächsischen Gleichstellungsbeirat, seit ihrer Gründung im Februar 2013 auch in der „Alternative für Deutschland“. Auf dem Gründungsparteitag im April 2013 wurde sie zu einer von drei Sprechern der Partei gewählt. Frauke Petry ist mit einem Pfarrer verheiratet und Mutter von vier Kindern.

Volker Wissing
Volker Wissing Quelle: imago

Volker Wissing wurde 1979 im pfälzischen Landau geboren. Nach dem Abitur und der Organistenprüfung sowie Zulassung zum Kirchenmusiker 1989 studierte er Jura in Saarbrücken und Freiburg. 1994 bestand er das Erste Juristische Staatsexamen und nach dem Referendariat 1996 das Zweite. 1997 wechselte er als Staatsanwalt und Richter in die Justiz, 2000 ins Justizministerium, und zwischen 2001 und 2004 war er persönlicher Referent des rheinland-pfälzischen Justizministers Herbert Mertin (FDP).

Wissing trat 1998 der FDP bei. Nach Stadt- Bezirks- und Kreisverband wurde er 2004 Mitglied des Landesverbands seiner Partei. Im gleichen Jahr wurde er in den Bundestag gewählt. Über den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden der Landes-FDP, die Mitgliedschaft im Bundesvorstand erreichte er 2011 den Vorsitz der FDP Rheinland-Pfalz. Im gleichen Jahr wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion gewählt. Volker Wissing ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet