Flüchtlingselend im Irak

Helfen jetzt nur noch Waffen?

Während des brutalen Vormarschs der Terror-Truppe „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien und dem Irak wurden Abertausende bestialisch ermordet. Nun überlegt die Bundesregierung, von ihrem Prinzip „Keine Waffen in Krisengebiete!“ abzuweichen und die kurdischen Truppen mit Kriegsgerät zu unterstützen. Bei „Peter Hahne“ berichten zwei Vertreter religiöser Minderheiten im Irak und Syrien, welchen Gefahren ihre Glaubensgeschwister zurzeit ausgesetzt sind. Der syrisch-orthodoxe Namroud Yahkup und der Jeside Telim Tolan nehmen auch Stellung zu der Frage, ob Deutschland Waffen in das Krisengebiet liefern sollte.

ISIS-Kämpfer
Die Brutalität des IS erreicht unvorstellbare Dimensionen. Quelle: ap

Wer bis vor Kurzem glaubte, mit Al-Kaida sei die Spitze islamistischen Terrors erreicht, sieht sich nach Erscheinen des „ISIS“ eines Schlechteren belehrt. Nach der „Gründung“ eines Kalifats nennt er sich nur noch IS, also „Islamischer Staat“. Die Brutalität dieser sunnitischen Mörderbande, stolz von ihr in Fotos und Videos im Internet präsentiert, übersteigt alle Horrorphantasien. Bevorzugtes Opfer von IS sind neben schiitischen Muslimen insbesondere Christen und Jesiden. Ihnen wird, wenn sie der IS in die Hände fallen, die Alternative gestellt: Konvertieren oder sterben – in Ausnahmefällen begnügen sich die religiös motivierten Verbrecher auch mit Ausplünderung und Vertreibung. Dass ganz nebenbei Frauen und Mädchen vergewaltigt und anschließend auf dem Basar verkauft werden, versteht sich von selbst.

Parteien uneins

Geflüchtete Jesiden nahe Zakho
Diese Jesiden haben den Terror des IS überlebt - noch. Quelle: ap

Aufsehen erregt haben nun über 50.000 Jesiden, die vor den brutalen Angreifern in das unwirtliche Sindschar-Gebirge geflohen sind. Dort mussten sie oftmals ohne jeglichen Schatten und Wasser auf freiem Feld kampieren. Hunderte wenn nicht gar Tausende sind verdurstet, verhungert oder an Infektionen gestorben. Dringende Hilfe wurde erforderlich. Kurdische Milizen versuchten, einen Fluchtweg nach Norden freizukämpfen, waren jedoch den gut gerüsteten IS-Terroristen meistens materiell unterlegen. Daraufhin entschloss sich die US-Regierung zu Luftschlägen gegen die IS und die Bundesregierung sandte Transportmaschinen mit Hilfsgütern in die Region.

So konnte den meisten Jesiden die Flucht in das sichere Kurdistan gelingen, allerdings einige hundert Schwerverletzte müssen weiterhin in dem schwer zugänglichen Gelände ausharren und hoffen weiter auf Rettung. In dieser Situation kam in Deutschland die Frage auf, ob die Regierung sich weiterhin an ihr Prinzip, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern, halten oder sie doch die kurdischen Kämpfer militärisch aufrüsten soll. Die im Bundestag vertretenen Parteien bieten in diesem Punkt keine einheitliche Meinung, Gegner und Befürwortet finden sich von der Linken bis zur CSU. Für den 1.September wurde nun eine Sondersitzung des Bundestags einberufen, in der über diese Frage diskutiert werden soll.

Auch deutsche Waffen willkommen

Namroud Yahkup
Namroud Yahkup Quelle: privat

Doch was sagen die Vertreter der von Verfolgung und Ermordung betroffenen religiösen Minderheiten zu diesem Problem? Der in Syrien geborene Christ und Angehörige des syrisch-orthodoxen Glaubens Namroud Yahkup (56) ist sich nicht sicher. Als Christ ist er zunächst natürlich gegen das Töten – doch was könne man sonst gegen die Terrortruppe IS unternehmen? Letztendlich, fürchtet der Informatiker, hilft wohl tatsächlich nur die Gewalt.

Absolut wichtig bleibt für Yahkup die humanitäre Hilfe, und wenn sich die Lage der Flüchtlinge nicht schnell verbessert, sollten sie nach Deutschland und die EU einreisen dürfen.


Telim Tolan
Telim Tolan Quelle: privat

Telim Tolan (42) ist in Celle als Sohn türkischer Einwanderer geboren. Er ist Vorsitzender des Zentralrats der Jesiden in Deutschland und arbeitet als Bankkaufmann in Oldenburg. Seine Glaubensgemeinschaft stammt ursprünglich aus dem muslimisch geprägten Kurdistan. Weltweit gibt es etwa 800.000 Jesiden, von denen ein Großteil im Nordirak lebt, eine große Gruppe aber auch in Deutschland. Sie gehören für die Terroristen des IS zum religiösen „Abschaum“. Während Christen von ihnen „nur“ als Ungläubige bezeichnet werden, sind Jesiden für sie „Teufelsanbeter“ – den Tod haben in ihren Augen beide verdient, die Jesiden jedoch mit noch mehr Verachtung. Ausdrücklich begrüßt Tolan die Luftangriffe der US-Air-Force, das sei die einzige Sprache, die die Mördertruppe des IS verstehe. Darüber hinaus sei natürlich auch weiterhin humanitäre Hilfe nötig und Deutschland könnte sich an der Errichtung eines Sicherheits-Korridors beteiligen. Ebenso sind auch deutsche Waffen für die kurdischen Truppen durchaus willkommen.

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