Frauenquote

Verordnete Chancengleichheit?

Der Anteil weiblicher Führungskräfte in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft ist gering: Er liegt in Aufsichtsräten bei etwas mehr als einem Zehntel. Dabei ist das Geschlechterverhältnis im Grundgesetz klar geregelt: gleiches Recht für alle. Also spricht alles für eine Frauenquote, oder doch nicht?

Viele Unternehmen kündigen in einer Selbstverpflichgungserklärung die Einstellung von mehr weiblichen Führungskräften an. Doch eine Veränderung der Quote bei der Einstellung von Frauen hat es in den Managementbereichen kaum gegeben. Ein von der Oposition eingebrachter Gesetzentwurf sieht deswegen die Einführung gesetzlicher Mindestquoten für die Besetzung von Aufsichtsräten mit Frauen und Männern vor. Doch die Parteien sind zerstritten, eine gemeinsame Linie scheint außer Reichweite. Wer oder was kann also aus diesem Dilemma führen?

Andrea Nahles und andere Frauen demonstrieren mit Plakaten vor Bundestag
Kommt die Frauenquote doch noch - irgendwann?

Da die Selbstverpflichtung offensichtlich ohne große Wirkung geblieben ist, fordern insbesondere Oppositionspolitiker die Einführung der Gleichberechtigung in den Chefetagen via Quote. Auch einige Frauen der schwarz-gelben Koalition könnten sich mit ihr anfreunden. Ein allgemeiner Aufstand bei der Abstimmung blieb allerdings aus: Union und FDP haben mit ihrer Regierungsmehrheit die Initiative zur Einführung einer Frauenquote in Aufsichtsräten am 18. Mai 2013 abgelehnt. Aber auch in der CDU ist damit die Diskussion um das Thema noch nicht beenedet.

Und jetzt auch noch zu wenig Kita-Plätze

Gegner einer festen Quote argumentieren, dass in unserer Gesellschaft immer noch die Leistung zähle und nicht das Geschlecht. Selbst einige der - wenigen - Frauen in Führungspositionen lehnen sie ab - allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Sie befürchten Anfeindungen ihrer Geschlechtsgenossinen: "Es bringt nichts - außer, dass Sie drei Kuchen ins Gesicht bekommen", sagt eine DAX-Aufsichtsrätin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Und für den "kleinen" Arbeiter oder Angestellten ist es egal, ob er unter einem schlechten Chef oder einer schlechten Chefin leiden muss.

Und jetzt noch das: Zwar hat ab 1. August 2013 jedes Kind ein gesetzliches Anrecht auf einen Kita-Platz. Ob die bis heute fehlenden rund 100.000 Plätze allerdings bis zu diesem Stichtag noch geschaffen werden können, ist fraglich. Es magelt an Raum und Personal. Wird auch dieses Problem auf dem Rücken der Frauen ausgetragen? Wie soll eine potentiell erfolgreiche Frau in ihrem Job durchstarten, wenn sie der Familie der Kita-Platz fehlt?

Die Gäste der Sendung

Eva Högl auf der Berliner SPD Mitgliederversammlung
Eva Högl Quelle: dpa

Eva Högl, 1969 in Osnabrück geboren, studierte Jura und promovierte 1997 über "Europäische Sozialpolitik". 1999 bis 2009 arbeitete sie im Bundesministerium für Arbeit und Soziales und war dort Leiterin des Referats für "Europäische Beschäftigungs und Sozialpolitik". Högl ist seit 1987 SPD-Mitglied und war von 1997 bis 2001 Mitglied des Bundesvorstands der SPD.

Eva Högl engagiert sich besonders in der Europapolitik. Sie ist Mitglied in der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag und stimmte, wie auch vier weitere SPD-Mitglieder, für das Rettungspaket für Griechenland, während sich der Rest der Partei  der Stimme enthielt. Bei der Bundestagswahl im September dieses Jahres tritt sie als Spitzenkandidatin für die Berliner SPD an.

Eva Högl sagt: "Die Bundesregierung hat gestern (18.04.2013, Anmerkung der Redaktion) die letzte Chance in dieser Legislaturperiode vertan, um Frauen die Gelegenheit zu geben, gleichberechtigt mit Männern große deutsche Unternehmen zu leiten. Sie lehnte das Angebot der Opposition ab, gesetzlich Geschlechterquoten einzuführen. Damit hat die Union abermals ein Stillhalteabkommen zu Lasten der Frauen vereinbart."

Monika Ebeling
Monika Ebeling Quelle: Harald Ebeling

Monika Ebeling, geboren 1959, studierte Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Sie bildete sich als Familientherapeutin weiter und betreute als Pflegemutter zeitweilig neun Kinder. Monika Ebeling engagiert sich für die Probleme und Fragen der Frauen und jungen Mütter, sie war in der Drogenarbeit, der Krankenhaussozialarbeit und in Kinderheimen tätig.

Monika Ebeling leitete einen Kindergarten in Goslar und wurde in dieser Zeit Gleichstellungsbeauftrage. Diesen Job verlor sie allerdings wieder, weil, so schreibt Spiegel Online, " sie sich zu sehr für Männer einsetzte". In dem dortigen Interview sagt Eberling: "Es wäre sicher gut, wenn die Führungskräfte in den Unternehmen sensibler für die Probleme von Männern und Frauen werden. Hoffnung macht mir, dass es unter den Führungskräften - gerade bei den Untervierzigjährigen - schon rund 30 Prozent Frauen gibt, und das ohne Quote. Wir müssen der Entwicklung Raum lassen."

Im Beitrag eines Buches von Eckhard Kuhla, Pressesprecher des Männerrechtsvereins Agens, sprach sich Ebeling gegen mehr Kita-Plätze aus: „Es macht sich inzwischen wieder eine Ideologie breit, die Kindererziehung verstaatlichen will, um die Macht einer Mutter und eines Vaters zu brechen.”

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