Gefährliches Glückspiel?

Das Geschäft mit der Sucht

Aktuellen Studien zufolge zeigen etwa 500.000 Menschen in Deutschland ein problematisches Glücksspielverhalten. Etwa die Hälfte von ihnen gilt als spielsüchtig. Wie kommt es zu dieser Erkrankung und was kann gegen sie unternommen werden? Bei "Peter Hahne" diskutieren diese Fragen der Spielautomaten-Unternehmer Paul Gauselmann und der Arzt und Psychotherapeut Professor Götz Mundle.

Spielautomaten gelten als die gefährlichsten Glücksspiele überhaupt
An den Geldspielautomaten lockt der vermeindlich schnelle Gewinn. Quelle: ZDF, Hartmut Seifert

Wer kennt ihn nicht, den Traum vom großen Geld? Doch vom kargen Monatslohn wird er sich kaum erfüllen lassen und eine fette Erbschaft steht auch nicht ins Haus. Aber im Lotto-Jackpot sind diese Woche zehn Millionen Euro, und ein Besuch der örtlichen Spielbank könnte sich vielleicht auch lohnen. Wie man schnellstmöglich an das ersehnte Geld kommt, darüber lässt sich am besten bei einem Feierabendbier in der Eckkneipe sinnieren – zumal sich hier auch die Möglichkeit bietet, das nötige Startkapital für das Lotto- oder Roulettespiel zu gewinnen.

Verlockend blinkend hängt an der Kneipenwand ein Spielautomat. Schnell eine 2-Euro-Münze eingeworfen, "Risiko" und "Automatik" aktivieren – und schon kann der Gewinn sprudeln. Huch, so schnell: "Game over"? Dann also noch mal zwei Euro investieren und die Automatik wieder heraus nehmen, denn so habe ich das Gerät selbst im Griff. 20 Cent gewonnen! Aber die zwei Euro sind auch weg; dann also noch mal und noch mal… Bilanz des Abends: Fünf Bier und 25 Euro an den Automaten verloren. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Staatliches Dilemma

Der Weg in das "pathologische Spielen" gleicht dem anderer Süchte, auch wenn diese als nicht-stoffgebundene einzustufen ist. Was dem einen sein „Ein Schlückchen in Ehren…“ ist dem anderen seine 2-Euro-Münze. Suchtexperten warnen seit Jahren vor der gefährlichen Verlockung durch Glücksspielautomaten. Zwar sind Spielsüchtige auch in Kasinos, auf der Rennbahn oder in Lotto-Annahmestellen zu finden, hauptsächlich halten sie sich jedoch in Gaststätten und Spielhallen auf. An den hier aufgehängten Automaten kommt nämlich zu den suchtanregenden Aspekten „Nervenkitzel“, „Gewinnerwartung“ auch noch die Schnelligkeit hinzu: Innerhalb weniger Minuten sind Dutzende Spiele absolviert und – so die trügerische Hoffnung - satte Gewinne eingefahren.

Doch, was ein Spielsüchtiger schnell vergisst: Am Ende gewinnt immer die Bank, ebenso wie beim Junkie am Ende immer der Dealer gewinnt. Doch warum werden Glücksspiele in Deutschland nicht einfach verboten, wenn die Zahl der Süchtigen mit 264.000 pathologischen Spielern sogar die der Heroinabhängigen übersteigt? Bedenklich ist darüber hinaus die – trotz gesetzlichem Verbot – ansteigende Zahl der jugendlichen Spieler. Ein totales Verbot kann sich der Staat aber gar nicht leisten. Zusätzlich zu den Steuern auf Spielautomaten gehört er selbst zu den größten Profiteuren der Gewinnspiele: Beim Lotto gilt eine Gewinnquote von 50 Prozent, der Rest geht an die staatlichen Lottogesellschaften. (Bei "Einarmigen Banditen" gilt übrigens eine Gewinnquote von 60 Prozent, das heißt der Aufsteller erhält "nur" 40 Prozent des eingesetzten Geldes.) Doch damit nicht genug: Zwar sind Lottogewinne grundsätzlich steuerfrei, legt der glückliche Spieler sein Geld jedoch auf ein Konto, fällt auf die Zinsen natürlich die Abgeltungssteuer an. Ein Dilemma des Staates vergleichbar mit der Diskussion um Tabak- und Alkoholverbote: Einerseits muss er für die Gesundheit seiner Bevölkerung sorgen, andererseits braucht er die Steuermillionen.

Die Gäste der Sendung

Paul Gauselmann
Paul Gauselmann Quelle: imago

Paul Gauselmann wurde 1934 im westfälischen Borghorst geboren. 1957 begann er zunächst nebenberuflich Musikboxen aufzustellen, 20 Jahre später stieg er in die Produktion von Gewinnspiel-Automaten ein. Bereits 1974 hatte er seine erste Spilothek in Delmenhorst eröffnet, der in den folgenden Jahren mehr als 200 nur in Deutschland folgten. Im Europäischen Ausland betreibt er ebenfalls etwa 200 "Casinos". Als einziger Europäischer Produzent hat es Gauselmann geschafft, im Spielerparadies Las Vegas eine Lizenz zu erhalten.

Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist Gauselmann auch Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie, Sport-Mäzen und Stiftungs-Gründer: 1999 rief er die "Stiftung Kinderfamilien-Hilfe" ins Leben, die minderjährige Kinder unterstützt, die unter der Spielsucht ihrer Eltern zu leiden hatten und haben.

Professor Götz Mundle
Professor Götz Mundle Quelle: Oberbergkliniken

Professor Dr. med. Götz Mundle arbeitet seit sechs Jahren als Medizinischer Geschäftsführer der Oberbergkliniken. In den Spezialkliniken mit Standorten bei Berlin, im Weserbergland und dem Schwarzwald werden insbesondere Patienten mit Depressionen, Burn-out-Syndromen, Angst- und Panikstörungen sowie Suchterkrankungen behandelt. Darüber hinaus leitet er die "Akademie für Integrale Heilkunst". Als Experte für Suchterkrankungen ist Mundle auch Mitglied der medizinischen Fakultät an der Uni Tübingen und des Ausschusses "Sucht und Drogen" der Bundesärztekammer.

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