Geliebt und oft vergessen

Brauchen wir den Muttertag?

Strahlende Kinder mit einem Blumenstrauß in der Hand, zu Tränen gerührte Frauen jüngeren bis mittleren Alters und Männer, die nach genau einem Jahr wieder einmal versuchen, einen Kaffee aufzubrühen: Es ist Muttertag. Und mittags führt Vati die Familie aus, damit Mutti an ihrem Ehrentag nicht kochen muss. Welche Bedeutung hat ein solcher Feiertag heutzutage? Ist er nicht hoffnungslos veraltet oder immer noch notwendig, um die Leistungen der Mütter zu würdigen? Die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und ihr Sohn Niklas sind zu Gast bei Peter Hahne und erzählen, welche Bedeutung der Muttertag für sie noch hat.

Kind schenkt Blumen zum Muttertag
Echte Dankbarkeit oder lästige Pflichtübung? Quelle: imago

Die oben beschriebene Szenerie eines typisch deutschen Muttertags hat nichts mit seinen Anfängen gemein. Seine Ursprünge hat dieser Tag in der amerikanischen Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. Zunächst sollten am "Mother‘s Friendship Day" im amerikanischen Bürgerkrieg zerrissene Familien wieder zusammengeführt werden. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich daraus der Mütter-Friedenstag, an dem die Mütter dafür eintraten, dass ihre Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich der Ehrentag in den USA etabliert und wurde ab 1914 an jedem zweiten Maisonntag begangen. Nach Aufforderung durch den Kongress hatte sich der US-Präsident Woodrow Wilson bereit erklärt, "als Zeichen der Liebe und Verehrung der Mütter", deren Söhne im Krieg gestorben waren, die öffentlichen Gebäude in den Staaten beflaggen zu lassen. Schnell verbreitete sich dieser Feiertag dann auch in Europa, in Deutschland allerdings erst 1923. Am 13. Mai diesen Jahres forderte der "Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber" die Deutschen über Schaufensterplakate auf: "Ehret die Mütter".

Der Rosen-Rubel rollt

Hiermit wird deutlich, welche Entwicklung der eigentlich politisch-pazifistische Ehrentag genommen hatte: Er wurde zum Konjunkturprogramm für Floristen und Blumenhändler und ist in dieser Funktion auch heute noch erfolgreicher als der "Valentinstag". Zum öffentlichen Feiertag wurde der Muttertag erst unter den Nationalsozialisten, die ihm den kommerziellen Charakter zwar nicht entzogen aber seine Bedeutung mit faschistischen Attributen ergänzten: Der dritte Maisonntag wurde ab 1934 zum "Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter" ernannt. Ihm folgte vier Jahre später konsequenterweise das "Mutterkreuz", das kinderreichen Frauen verliehen wurde - alles im Sinne der Nazi-Ideologie zur Stärkung der "arischen Rasse" und, angesichts des bevorstehenden Weltkriegs, zur Züchtung von heldenhaften Kämpfern für Führer, Volk und Vaterland.

Selbst wenn man über die Kommerzialisierung und den Missbrauch durch die Nazis hinwegsieht, stellt sich doch die Frage, welchen Sinn ein solcher Tag hat. An einem Tag soll die Mutter geehrt werden – und was geschieht an den restlichen 364 Tagen? Welche praktischen Auswirkungen hat der Muttertag? Etwa so viele, wie Bäume am "Tag des Baums" gerettet werden? Außerdem wird er immer an einem Sonntag begangen und ist kein offizieller Feiertag mehr, bringt also keine zusätzliche Freizeit oder Feiertagszuschläge. Vorteile bietet dieser zweite Maisonntag also tatsächlich nur Blumen- und anderen Geschenkehändlern; für Floristen ist das Feiertags-Verkaufsverbot sogar gelockert worden – in einigen Bundesländern allerdings nur, wenn der Muttertag nicht auf einen offiziellen Feiertag wie Pfingstsonntag fällt. Für diese Fälle hat der deutsche Einzelhandel beschlossen, einen Ersatztermin zu bestimmen. Denn wenn Mütter geehrt werden, muss der Rubel rollen.

Die Gäste der Sendung

Katrin und Niklas Müller-Hohenstein
Katrin Müller-Hohenstein und Sohn Niklas Quelle: dpa

Katrin Müller-Hohenstein wurde 1965 in Erlangen geboren. Nach dem Abitur begann sie ein Studium der Theaterwissenschaften, das sie aber nicht abschloss. Erste Medienerfahrungen sammelte sie beim Nürnberger Regionalsender „Radio Gong“. Von 1992 bis 2007 moderierte sie für „Antenne Bayern“ und anschließend ein Jahr lang für den Bayerischen Rundfunk. Seit Anfang 2006 moderiert sie neben Michael Steinbrecher und Sven Voss „das aktuelle sportstudio“ und betätigt sich als ZDF-Außenmoderatorin bei sportlichen Großveranstaltungen.

KMH, so ihr Spitzname, war von 1996 bis 2007 mit dem „Antenne Bayern“-Moderator Stefan Parrisius verheiratet. 1995 kam ihr Sohn Niklas zur Welt. Trotz der Scheidung verbindet die Ex-Eheleute auch heute noch eine enge Freundschaft, die in erster Linie ihrem Sohn zugutekommt, der abwechselnd bei Vater und Mutter lebt. Niklas bereitet sich momentan auf das Abitur vor und möchte dann erst einmal ein Jahr im Ausland verbringen. Anschließend könnte er sich eine Ausbildung im Bereich der neuen Medien vorstellen.

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