Geschlagen, vergessen, abgeschoben

Die Angst vor dem Pflegenotstand

Gestresste Pfleger, mangelhafte Therapien, kaltes Essen: Kaum ein Pflegebedürftiger weiß wirklich, was ihn im Pflegeheim erwartet. Wenn Senioren nicht mehr allein in ihrer Wohnung leben können, ist das Pflegeheim oft der letzte Ausweg. Für die Angehörigen ist die Suche nach einer passenden Einrichtung nicht leicht. Schließlich sind Nachrichten über Missstände an der Tagesordnung.

Senioren sitzen in einem Altenheim beisammen.
Viele Senioren werden in ein Altenheim abgeschoben. Quelle: dpa

Ruhiggestellt und abgeschoben, statt liebevoll gepflegt - so sieht der Alltag in vielen Pflegeheimen aus. Doch nicht nur die Pflegedürftigen sind Opfer des Systems.
Auch die Pfleger leiden unter der oft unmenschlichen Arbeit - viele sind sowohl körperlich als auch seelisch überlastet. Hinzu kommt die Kritik um eine viel zu geringe Bezahlung für diese anspruchsvolle Tätigkeit.

Pflege im Akkord

Würdevolle Pflege zu organisieren, ist schwierig: Auf der einen Seite stehen die Bedürfnisse der Patienten, auf der anderen Seite die Effizienzanforderungen der Heime. Viele Pfleger arbeiten an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Häufig müssen zwei Pflegekräfte rund 25 Bewohner versorgen: Medikamente zusammenstellen, Essen verteilen, waschen - und das im Minutentakt. Dies hat oft die Resignation der Pflegekräfte zur Folge. Hinzu komme, dass jede Leistung dokumentiert und auf den Cent genau abgerechnet werden müsse. "Das geht oft auf Kosten eines Plauschs, dabei ist gerade das so wichtig", erklärt Pflegeexperte Claus Fussek.

Spitze des Eisbergs?

Und ganz aktuell die neuesten Meldungen: Wie im "heute-Journal" vom 14. November 2012 gezeigt, dokumentierte der Sohn einer Heimbewohnerin mit versteckter Kamera die körperliche Gewalt des Pflegepersonals gegen die Angehörige. Bild berichtet über die Abschiebung von Senioren in ausländische Altenheime - die Pflege kostet dort nur einen Bruchteil dessen, was in deutschen Häusern verlangt wird.

Und all dies sollen keine Einzelfälle sein! Aber wie sollen wir uns nun aus dem scheinbar anbahnenden Pflegenotstand befreien? Höhere Steuern? Ein "Altenhilfe-Pflichtjahr" oder vielleicht die Einführung eines "Pflege-Soli", wie es Barbara Scheel vorschlägt?

Gäste der Sendung

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Dr. Ulrich Schneider

Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer im Paritätischen Wohlfahrtsverband, wurde 1958 in Oberhausen geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er kritisiert die derzeitige Pflegesituation, die "an der Menschenwürde kratzt" und sieht die Politik in der Pflicht. Er hält die derzeitigen Vorschläge für eine Pflegereform für "Stückwerk", wie er in einer Talksendung sagt.

Jens Spahn
Jens Spahn Quelle: dpa

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn ist 1980 in Ahaus geboren und gelernter Bankkaufmann. Er studierte Politologie und Rechtswissenschaften. Innerhalb der Koalition engagiert sich Spahn für die Neuordnung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das die Qualität der Patientenversorgung in Deutschland verbessern soll. Der Süddeutschen Zeitung sagt er, es gebe Kräfte in der Koalition, "die die dringend notwendige Umgestaltung der Pflegeversicherung auf die lange Bank schieben oder sich mit einem Mini-Umbau begnügen wollen". Das machten die jungen Abgeordneten nicht länger mit.

von Christine Wendt und Dirk Brämer

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