Gesicht zeigen im Internet!

"V.i.S.d.P." gilt auch im Netz

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie froh sind, dass endlich einmal jemand von den Internet-Nutzern fordert, ihr "Gesicht" zu zeigen? Kein Geringerer als Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat das schreckliche Attentat von Norwegen zum Anlass genommen, der Anonymität im Netz ein Ende zu setzen.

Blogger sollten mit offenem Visier argumentieren, meint der Minister in einem "Spiegel"-Interview: "Normalerweise stehen Menschen mit ihrem Namen für etwas ein. Warum nicht auch ganz selbstverständlich im Internet?" Kaum gesagt, kommt der Aufschrei, und das nicht nur aus der Blogger-Szene, sondern auch aus der eigenen Koalition. Seine Forderung sei illusorisch, das ist noch der harmloseste Vorwurf.


Die Grünen nennen die Überlegungen sogar "gefährlich", da "die Möglichkeit, anonym oder unter einem Pseudonym zu handeln, selbstverständlich Teil unserer allgemeinen Freiheitsausübung ist". Ja, es stimmt: Die Freiheitsbewegungen in Syrien und Libyen sind zum Beispiel nur möglich, weil die Blogger unter falschem Namen für Demokratie und Menschenrechte kämpfen können, um sich nicht in Lebensgefahr zu begeben.

Namensschild und Impressum

Doch auch das andere stimmt, und deshalb bedarf es einer klugen Abwägung und keiner Schwarz-Weiß-Agitation: Leute wie der kalte Attentäter von Oslo tummeln sich unter Tarnnamen im Internet. Solche Leute können sich, wie Minister Friedrich sagt, "von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Soße". Unter Klarnamen wären sie schnell zu identifizieren und zu stoppen. "Gesicht zeigen" wirkt in solchen Fällen abschreckend. Oder nehmen wir die unvorstellbaren Unruhen in der Millionenstadt London, in der ganze Stadtteile in Flammen aufgehen: Geschürt wird der Mob im Internet, per Twitter und Handy, und das immer anonym.

Es gilt also, Freiheitsrechte gegen Kriminalitätsbekämpfung abzuwägen. Und wenn schon jeder Polizist Gesicht zeigen muss, indem er seinen Namen oder zumindest seine Dienstnummer an der Uniform sichtbar anbringen soll, wie jetzt in Berlin eingeführt - warum soll dasselbe nicht für Internetnutzer gelten? In Deutschland ist für jedes Medienerzeugnis ein Impressum Pflicht, in dem oft eine Person plus Kürzel "V.i.S.d.P." benannt wird. Diese Abkürzung bedeutet "Verantwortlich im Sinne des Presserechts". Diese Person ist dann für den Inhalt zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Regelung wird von niemandem, der alle Sinne beieinander hat, als Anschlag auf die Meinungsfreiheit bewertet. Warum also die Forderung, dass dasselbe für die elektronische Technik auch zu gelten hat?

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