Gott oder Geld

Was macht uns glücklich?

„Geld macht nicht glücklich“, meint der Volksmund zu wissen und erhebt den genügsamen Armen moralisch über den arroganten Reichen. Was den Menschen wirklich glücklich macht, darüber diskutieren bei „Peter Hahne“ der Abt des Klosters Andechs Johannes Eckert und der verurteilte Betrüger und ehemalige Multimillionär Josef Müller.

Josef Müller
Josef Müller Quelle: ZDF/Michael Kramers

Nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt, besteht Josef Müller (Jahrgang 1955) 1980 die Prüfung zum Steuerberater. Schnell baut er sich ein kleines Imperium an Kanzleien in und um München herum auf und ist 1989 einer der ersten, die in den Neuen Bundesländern ein Steuerberatungsbüro eröffnen. Er startet eine steile Karriere, wird zum Honorarkonsul von Panama, Botschafter der zentralafrikanischen Republik, Frauenheld und schillernden Mitglied der Münchner Schickeria, Spitzname „Champagner-Müller“. Die Basis des Erfolgs bildet das Geld seiner Kunden, denen er verspricht, sie vor lästigen Steuerzahlungen zu erlösen – allerdings nur, wenn sie ihm das Geld in bar aushändigen. Damit kann er nun hemmungslos spekulieren und es veruntreuen. Doch als es ihm zu heiß wird, zieht er die Reißleine und zeigt sich selbst an.

Zwei Promis in Landsberg

Gefängnis in Landsberg
Nach Josef Müller ist Uli Hoeneß der nächste Promi in der JVA Landsberg. Quelle: imago

Wegen der Veruntreuungen sowie anderer Delikte wird er schließlich verurteilt, kann sich der Strafe durch Flucht, unter anderem nach Florida, entziehen und wird schließlich 2005 in Wien festgenommen. Nun geht er dann doch für fünf Jahre und vier Monate hinter Gitter. Seine Millionen sind perdu, die Frau mit dem Chauffeur durchgebrannt - und wer aus der Münchner Schickeria gibt sich schon mit einem Bankrotteur im Knast ab? In der JVA Landsberg findet er nach eigenen Aussagen wieder zu Gott – mehr noch: Er sieht sich geläutert, vom Saulus zum Paulus. Fortan möchte er nur noch missionieren, die Botschaft Gottes und seine Lebensbeichte in Buchform „Ziemlich bester Schurke – Wie ich immer reicher wurde“ verbreiten. Die Buchhonorare und Einnahmen aus den Lesungen sollen an seine Gläubiger gehen, er selbst kann nicht viel behalten – keine Rede mehr von Millionen. Trotzdem bezeichnet er sich als glücklichen Menschen, denn obwohl er „sehr viel Mist“ gebaut habe, sei er in den schlimmsten Momenten seines Lebens von Gott aufgefangen und von ihm an die Hand genommen worden.

Ein neues Betätigungsfeld seiner neu entdeckten Mission ergibt sich aus der aktuellen Situation des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden von Bayern München Uli Hoeneß. Dieser muss nämlich am 2. Juni diesen Jahres seine Haftstrafe ausgerechnet in der gleichen JVA antreten, in der auch Müller eingesessen hat. Er wolle ihn unbedingt besuchen oder ihm zumindest sein Buch zukommen lassen. Aus eigener Erfahrung heraus befürchtet er, dass das eigentliche Problem von Hoeneß sein wird, sich unterordnen zu müssen, denn ohne dies könne es im Knast schwierig werden. Durch seine Zeit in Landsberg, seine Wiederentdeckung Gottes, diesen Eindruck vermittelt Josef Müller, ist ihm Geld heute nicht mehr so wichtig, sondern entscheidend sei der Glaube.

Geistiger und ökonomischer Chef

Die Bibel erzählt von Jesus, der die Händler und Geldwechsler mit körperlicher Gewalt aus dem Tempel von Jerusalem vertrieben haben soll. Weiterhin überliefert ist ein Satz von ihm, nach dem eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelange. Im 13. Jahrhundert entstehen in Europa so genannte Bettelorden. Deren Mitglieder, die sich in den mittelalterlichen Städten bald einen hervorragenden Ruf als Prediger und Lehrer erwerben, verzichten auf jegliches Eigentum und verpflichten sich zu einem Leben in Armut. Das Christentum also eine Religion der Armen und Bescheidenen?

Abt Johannes Eckert
Abt Johannes Eckert Quelle: ZDF/Michael Kramers

Zumindest in Europa kann davon keine Rede sein. Alleine in Deutschland wird das Vermögen der katholischen Kirche auf einen hohen, dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Sie ist auch mit Abstand der größte private Grundbesitzer. Angesichts solcher Dimensionen sind sogar die architektonischen Extravaganzen eines Bischof Tebartz-van Elsts nur noch als „Peanuts“ zu bezeichnen. Auch Johannes Eckert, Gast bei „Peter Hahne“ und Abt des Kloster Andechs ist mehr als nur ein Ordensbruder. Der 35-Jährige, nach Theologie-Studium 2000 zum Priester geweiht, wird 2003 zum Abt von St. Bonifaz in München und Abt des berühmten Bayerischen Benediktiner-Klosters gewählt. Damit wird er nicht nur geistiges Oberhaupt seiner Mitbrüder, sondern auch Chef eines florierenden, durchaus weltlichen Betriebes: der Klosterbrauerei, die in und um die Benediktinerabtei jährlich etwa 100.000 Hektoliter des alkoholreichen Gerstensafts vertreibt. Eine Million Besucher und Pilger pro Jahr sorgen für ein weiteres Plus in der Klosterkasse.

Diener zweier Herren?

Kloster Andechs in Abendstimmung
Das berühmte Bier im Kloster Andechs spült viel Geld in die Klosterkasse. Quelle: imago

Insofern wird mit Eckert auch der richtige Mann in diese Position gewählt. Absolviert er doch neben seinem Theologiestudium ein Praktikum bei BMW in München und wählt aufgrund dieser Erfahrungen das Thema seiner Diplomarbeit: „Persönlichkeitsentwicklung durch Gemeinschaft: Benediktinische Spiritualität in Begegnung mit der Unternehmensphilosphie der BMW AG“. Darüber hinaus bildet er sich fort im Bereich Bildungsmanagement und begleitet Exerzitien für Manager in „seinem“ Kloster.

Der Orden der Benediktiner darf keine Gelder von außen annehmen, die Ordensbrüder müssen selbst für ihr Einkommen sorgen. Unter diesem Aspekt ist die Frage „ Gott oder Geld“ für Johannes Eckert nicht zu beantworten, beide sind für ihn existentiell. Allerdings interpretieren einige Beobachter die Vorkommnisse nach seiner Wahl zum Abt nicht unbedingt als Ausdruck christlicher Nächstenliebe. Sein Konkurrent um das Amt, so vermutet jedenfalls die „taz“, Anselm Bilgri wird sukzessive entmachtet und er zieht sich zurück vom „heiligen Berg“. Nach Verlautbarungen des Klosters jedoch sei Bilgri auf eigenen Wunsch ins Sabbatical gegangen und wollte danach nicht mehr ins Kloster zurück.

Auch der über Jahre sich hinziehende Prozess um Marken- und Namensrechte mit einer Andechser Bio-Molkerei wirft kein gutes Licht auf die Benediktiner auf dem Berg. Nach acht Jahren Streit urteilt das Oberlandesgericht 2013 zu Gunsten der Molkerei. Auch eine Beschwerde vor dem Bundesgerichtshof ist für das Kloster nicht von Erfolg gekrönt, wie es in einer Pressemitteilung im Mai dieses Jahres bekanntgibt. Vielleicht ist das aber auch der Hinweis, dass das Benediktiner-Prinzip, sein eigenes Geld zu verdienen, so nicht umgesetzt werden kann und ein weiterer Satz von Jesus Gültigkeit bekommt: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“

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