Herdprämie oder Krippe?

Der Streit ums Betreuungsgeld

Die Einen wettern dagegen, die Anderen verkünden, es werde "definitiv kommen" - das Betreuungsgeld sorgt für erhitzte Debatten und Stress in der Koalition. Einführen - ja oder nein? Darüber diskutieren bei Peter Hahne die Generalsekretärin der SPD Andrea Nahles und die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär.

Mutter mit Kind
Mutter mit Kind Quelle: imago

Während Kritiker es als "Herdprämie" schmähen und Finanzierungsprobleme sowie bildungs- und integrationspolitische Gegenargumente anführen, betonen die Befürworter die Bedeutung von Wärme und Geborgenheit in der Familie für das Wohl der Kinder. Auch in der Bevölkerung sorgt die für 2013 geplante Einführung für Ärger und Unsicherheiten. Manche Eltern sind froh über die finanzielle Anerkennung und Hilfe, die das Betreuungsgeld ihnen bietet. Sie ärgern sich über den unausgesprochenen Vorwurf, der Staat könne ihre Kinder besser erziehen als sie selbst.

Wie 2009 von der Regierungskoalition im Zusammenhang mit dem Ausbau der Krippen und dem Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze beschlossen, sollen Eltern, die ihre Kinder daheim betreuen, ab 2013 finanzielle Unterstützung erhalten. Diese beläuft sich zunächst auf 100 Euro für zweijährige Kinder und ab 2014 zusätzlich auf 150 Euro für Dreijährige. Während es aus den meisten Parteien Kritik an dem Projekt hagelt, beharrt die CSU auf der vereinbarten Einführung des Betreuungsgeldes. Für Spannungen in der Koalition sorgt außerdem, dass die CSU damit droht, andernfalls sonstige Vereinbarungen platzen zu lassen.

Überteuerte Bildungsinvestition?

Schnuller und Euros an einer Wäscheleine
Kindergeld - Typical Quelle: imago


Einerseits äußern Kritiker verfassungsrechtliche Bedenken, ob der Bund überhaupt für die Einführung eines solchen Gesetzes zuständig sei. Andererseits herrscht Unmut über die Kosten, die das Betreuungsgeld verursachen würde. Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist der Überzeugung, dass die 1,2 Milliarden Euro, die die Bundesregierung für das Projekt eingeplant hat, nicht ausreichen werden. Die Kosten würden jährlich etwa zwei Milliarden Euro betragen, da auch die Eltern, die keinen Krippenplatz für ihr Kind erhalten, das Geld beantragen würden.

Kritiker aus Wissenschaft und Politik sehen zusätzlich Gefahren für das Wohl der Kinder und der deutschen Gesellschaft. Kinder aus bildungsfernen Schichten verpassten daheim erste Möglichkeiten zur frühkindlichen Bildung und somit eventuell die Basis für eine erfolgreiche Zukunft. Auch Familien mit Migrationshintergrund erhielten durch das Betreuungsgeld einen Anreiz, ihre Kinder zu Hause zu erziehen, wodurch diese zu spät mit der deutschen Sprache in Kontakt kämen. Zudem werde auch den Müttern durch die längere Auszeit die Rückkehr in die Arbeitswelt erschwert. Aus der CDU kommen daher Vorschläge, statt in das Betreuungsgeld lieber in die Rentenversicherung von Müttern zu investieren.

Die Gäste:


Dorothee Bär wurde 1978 in Bamberg geboren. Die Diplom-Politologin engagierte sich schon früh in der Jungen Union und trat noch vor ihrem Abitur im Jahre 1994 der CSU bei. Während ihres Studiums der Politikwissenschaft in München und Berlin wurde sie 2001 Mitglied des CSU Vorstandes und ein Jahr später Mitglied des Deutschen Bundestages. Weiterhin ist sie seit 2008 stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union sowie seit 2009 stellvertretende Generalsekretärin der CSU.

Als Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Familie, Senioren, Frauen und Jugend befürwortet die zweifache Mutter das Betreuungsgeld. Sie ist der Meinung, dass die ersten drei Lebensjahre eine hoch sensible Phase seien, in der manche Kinder bei den Eltern besser aufgehoben seien als in einer Krippe. Weiterhin ist sie sich sicher, dass die Einführung des Betreuungsgeldes im nächsten Jahr stattfinden wird.





Andrea Nahles wurde 1970 in Mendig geboren. Im Jahre 1988 trat sie der SPD bei und engagierte sich während ihres Studiums der Germanistik und der Politikwissenschaften bei den Jusos. Von 1995 bis 1999 war sie deren Bundesvorsitzende. Seit 1997 ist sie Mitglied des SPD-Vorstandes und von 1998 bis 2002 sowie seit 2005 Mitglied des Bundestages. Seit 2008 ist sie Mitglied des Vorstandes der SPD-Bundestagsfraktion und wurde 2009 zur SPD-Generalsekretärin gewählt.

Die Politikerin und Mutter einer Tochter betrachtet das Betreuungsgeld als "sinnlos" und zu teuer. Weiterhin ist sie der Meinung, die Kanzlerin habe sich "auf eine Schnappsidee festgelegt", um den Frieden in der schwarz-gelben Koalition zu wahren.

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