Hoeneß, Wulff, Kachelmann

Medienhatz als Höchststrafe?

Sie sonnen sich im Lichte der Öffentlichkeit, füllen die Seiten der bunten Blätter, und bevölkern die Talkshows. Doch wehe, Promis aus Politik und Showbiz weichen einmal ab vom Pfad der Tugend! Dann wird aus den Lieblingen der Presse Freiwild. Die Medien: Immer noch die vierte Gewalt im Staat oder spielen sie mittlerweile die erste Geige? Darüber diskutieren bei „Peter Hahne“ der Journalist Hans-Ulrich Jörges und der Medienwissenschaftler Hans Mathias Kepplinger.

Pressefotografen während der Erklärung von Christian Wulff nach dem Freispruch
Müssen Promis alle Belästigungen durch die Presse ertragen? Quelle: imago

Uli Hoeneß, Christian Wulff und Jörg Kachelmann standen vor Gericht. Ihre Prozesse haben jeweils zu großem Medienrummel geführt und endeten unterschiedlich: zweimal Freispruch, einmal dreieinhalb Jahre Haft.

Doch zahlen nicht alle – unabhängig vom Urteil – den gleichen hohen Preis? Ihre vermeintlichen Taten, ja ihr ganzes Leben samt Umfeld wird durch die Spalten der Presse und anderer Medien gezerrt – nicht immer ganz fair oder korrekt. Es gilt das Motto: Die Verurteilten treten ihre Strafe nicht im Gefängnis an, sondern in der Zeitung.

Pikanter Nebenaspekt

Andererseits: Ist dies nicht der Preis der Popularität? Wenn es ihnen gutgeht, stellen sich die Promis doch gerne in jedes Blitzlichtgewitter, warum also nicht auch, wenn es ihnen schlecht geht? Und trotz aller bei einigen vorzufindenden Larmoyanz gilt, wohl zu mindestens für B- und C-Promis, der Spruch “Besser eine schlechte Meldung als gar keine“. Auf einen anderen, bemerkenswerten Punkt weist Hans Mathias Kepplinger, diesmal Gast bei "Peter Hahne", in einem Beitrag für das „Journalistik Journal“ hin. Er betont darin, dass die massive Medienbeteiligung an Strafprozessen durchaus Einfluss nehmen kann auf den Verlauf der Verhandlungen und die Höhe der Strafe.

Im Fall von Jörg Kachelmann gilt es noch einen pikanten Nebenaspekt zu beleuchten. Zu den engagiertesten Beobachtern und kritischsten Kommentatorinnen seines Prozesses wegen Vergewaltigung  zählte in den Jahren 2010 und 2011 die Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer. Als nun kürzlich herauskam, dass sie es nur durch eine Selbstanzeige in letzter Minute geschafft hat, einer Anklage wegen Steuerhinterziehung zu entgehen und die Medien darüber berichteten, fühlte sie sich als Opfer einer Hetzjagd und beklagte sich darüber bitterlich.

Die Gäste der Sendung

Hans-Ulrich Jörges
Hans-Ulrich Jörges Quelle: dpa

Hans-Ulrich Jörges wurde 1951 in Bad Salzungen/Thüringen geboren. Nach dem Abitur in Frankfurt/Main absolvierte er ein Volontariat und studierte gleichzeitig Gesellschaftswissenschaften. Das Studium brach er ab und arbeitete ab 1977 für die Agentur „reuters“. 1985 wechselte er zum „Stern“, wo er es bis zum stellvertretenden Chefredakteur schaffte. Ab 1992 war er am Aufbau der Wochenzeitung „Die Woche“ beteiligt, die er bis 2001 als Chefredakteur leitete. Anschließend kehrte er zum „Stern“ zurück und ist seit 2007 Mitglied der Chefredaktion und Chefredakteur für Sonderaufgaben des Verlags „Gruner & Jahr“.

In seiner regelmäßigen Video-Kolumne „Zwischenruf“ hat Jörges sich mit dem Medienrummel rings um den Wulff-Prozess beschäftigt. Er beklagt darin, dass die Medien Wulff kaputt gemacht hätten, spricht von Rudeljournalismus und streut "Asche auf unser Haupt“, da er sich in den letzten Wochen der Verhandlung nach langem Zögern auch an der Hatz beteiligt habe.

Hans Mathias Kepplinger
Hans Mathias Kepplinger Quelle: imago

Hans Mathias Kepplinger wurde 1943 in Mainz geboren. Er studierte in Mainz, München und Berlin Psychologie, Publizistik, Rechtsphilosophie, Politik und Geschichte. Nach der Habilitation 1977 folgten mehrere internationale Gastprofessuren und schließlich der Ruf an die JohannesGutenberg-Universität in Mainz. Er arbeitet hier bis zu seiner Emeritierung am Institut für Publizistik und im Fachbereich Sozialwissenschaften. Seinen Schwerpunkt sieht Professor Kepplinger im Bereich der Journalismus-Forschung.

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