Idylle oder Zuchthaus

Sind Zoos Tierquälerei?

"Hillu" Schwetje, ehemals Schröder und engagierte Tierschützerin, und der Leipziger Zoodirektor Jörg Junhold diskutieren bei Peter Hahne darüber, ob Tierhaltung in Zoos artgerecht möglich ist oder doch eher einem Missbrauch der Kreaturen zur Publikumsbelustigung gleichkommt.


Unversöhnlicher können kaum zwei Positionen sein: Hier die Tierschützer, für die Zoologische Gärten nichts anderes darstellen als Schreckensorte der Tierquälerei. Sie verweisen auf das Schicksal von Eisbär Knut, der als Medienstar geboren wurde, doch in seinem weiteren Leben wohl nicht mehr sonderlich glücklich war. Von drei Mitbewohnerinnen im Eisbärengehege des Berliner Zoos massiv gemobbt, starb er schließlich im Alter von gerade einmal vier Jahren - für einen Eisbären sehr früh.

Für die Tierfreunde eine logische Folge der tier- und artenwidrigen Haltung. Sie verweisen darauf, dass in freier Wildbahn ein Eisbär ein riesiges Lebens- und vor allem Jagdgebiet beansprucht, das ihm im Notfall auch Rückzugsmöglichkeiten vor aggressiven "Nachbarn" bietet. Beides kann in einem Zoo nicht gegeben sein. So schlussfolgern sie, dass Knut an den äußeren Umständen seiner "Haft" und dem daraus resultierenden Stress gestorben sei.

Nachzucht und Auswildern

Naturgemäß ganz anders sehen das Zoobetreiber. Natürlich kritisieren auch sie, die früher übliche Unterbringung von Menschenaffen in kahlen, gekachelten Käfigen oder die Zurschaustellung in ähnlichen Räumen hinter eisernen Gittern von Wildkatzen, deren Verhaltensauffälligkeiten im permanenten Hin-und-her-Tigern deutlich werden. Sie verweisen auf moderne Zoo-Konzepte, die ein Leben der Tiere ermöglichen, das nahe an natürliche Umstände heranreiche. Und gerade das Beispiel Eisbären beweise, dass Tiere im Zoo im Schnitt älter würden als in freier Wildbahn, fehle es ihnen doch hier niemals an Futter.

Die Gäste

Nicht zu unterschätzen sei auch die pädagogische Aufgabe der Tierparks, denn wo, wenn nicht hier, könnten Kinder und Erwachsene etwas über exotische Tiere lernen. Außerdem komme den Zoos, angesichts des weltweiten Artensterbens, auch eine züchterische Funktion zu. Wenn eine Tierart in seiner natürlichen Umgebung droht auszusterben, könne sie hier nachgezüchtet werden und in ihrem eigentlichen Heimatland wieder ausgewildert werden. Hiltrud "Hillu" Schwetje wurde am 11. Dezember 1948 als Hiltrud Hampel in Hannover geboren. Dort studierte sie auch Politik und Sozialwissenschaften. Nachdem sie 1980 in die SPD eingetreten war, lernte sie zwei Jahre später auf einer Wahlkampftour Gerhard Schröder kennen. Die beiden heirateten 1984 und ließen sich 1997 wieder scheiden. Die Ex-Frau des Ex-Kanzlers ist überzeugte Tierschützerin, Vegetarierin, und Atomkraftgegnerin. Ab1992 leitete sie die Landesstiftung "Kinder von Tschernobyl", die sich für die Opfer der Reaktor-Katastrophe einsetzt. Nach ihrer Scheidung setzt sie ab 1999 diese Arbeit in dem Verein "Help! Hilfe für Menschen in Not" fort. 2008 heiratete sie einen Zahnarzt und heißt seitdem Schwetje. Sie hat zwei Töchter aus ihrer ersten Ehe mit einem Polizisten.


Jörg Junhold wurde am 26.März 1964 in Ortrand/Niederlausitz als Sohn eines Tierarztes geboren. Nach dem Abitur 1983 und sich anschließendem Wehrdienst studierte er von 1985 bis 1990 Veterinärmedizin in Leipzig und promovierte 1993 zum Dr. med.vet. Von 1992 bis 1997 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für einen Hersteller von Tiernahrung. 1997 wurde Dr. Jörg Junhold zum Direktor des Leipziger Zoos berufen. Hier machte er sich schnell einen Namen mit seinem Konzept des "Zoos der Zukunft", das sowohl den Tierschutz berücksichtigt als auch die Interessen der Tierpark-Besucher. Seit 2000 ist er Geschäftsführer der "Zoo Leipzig GmbH" und ab Oktober 2011 Präsident des Welt-Zooverbandes "World Association of Zoos and Aquariums" (WAZA). Junhold ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

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