Ist das gerecht?

Millionen für Manager, Mindestlohn für die Masse

Konträrer könnten die Positionen kaum besetzt sein: Die stellvertretende Parteivorsitzende der "Linken" Sahra Wagenknecht diskutiert mit dem Ex-Präsidenten des Bundes der Industrie Hans-Olaf Henkel darüber, ob die Einkommensunterschiede von Managern und "Otto-Normalverdienern" gerecht sind.

Geschäftsmann zählt Geld
Geschäftsmann zählt Geld Quelle: imago

Gerade im Verlauf der Finanzkrise geraten Bonuszahlungen an Manager sowie deren Regelbezüge immer wieder in den Fokus der Berichterstattung. Sieht man sich die Einkommensentwicklungen der vergangenen acht Jahre an, ergibt sich tatsächlich Erstaunliches: Die Topmanager der Großkonzerne in Deutschland haben von 2003 bis 2011 im Durchschnitt ihr Gehalt verdoppelt - an der Spitze liegt vorläufig unerreichbar der VW-Chef Martin Winterkorn mit einem Jahreseinkommen von knapp 17,5 Millionen Euro. Dagegen stiegen die Löhne von Arbeitnehmern im gleichen Zeitraum nur um etwa 18 Prozent, womit gerade mal ein Inflationsausgleich erreicht wurde.

Umstrittene Untergrenze

Millionen für Manager, Peanuts fürs Volk - was ist ein gerechter Lohn?
Millionen für Manager, Peanuts fürs Volk - was ist ein gerechter Lohn? Quelle: imago

Noch prekärer stellt sich die Lage im Niedriglohnsektor dar. Eine zunehmende Zahl von Menschen ist nicht mehr in der Lage, von einer Stelle alleine zu leben und arbeitet in zwei oder mehr Jobs. Gewerkschaften sowie die Parteien "Bündnis 90/Die Grünen", SPD und "Die Linke" fordern daher die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, den es in den meisten europäischen Staaten bereits gibt. Bislang stieß diese Forderung auf den erbitterten Widerstand der schwarz/gelben Regierung, die sogar in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich einen Mindestlohn ausgeschlossen und einen Vorstoß der Oppositionsparteien zu Beginn des Jahres im Bundestag zurückgewiesen hat.

Allerdings scheint sich bei der CDU in dieser Hinsicht seit letztem Jahr etwas zu bewegen. Auf Vorschlag von Kanzlerin Merkel befürwortet sie nun eine "Lohnuntergrenze", die allerdings nicht gesetzlich festgelegt sondern von den Tarifpartnern ausgehandelt werden soll. Noch fehlt allerdings hierzu die Zustimmung des Koalitionspartners FDP.

Die Gäste:

Sahra Wagenknecht, 1969 in Jena geboren, studierte nach dem Abitur 1988 ab 1990 in Jena, Berlin und Groningen Philosophie und Neuere Deutsche Literatur. Ihr Studium schloss sie 1996 mit einer Arbeit über Hegel und Marx ab. Seit 2005 schreibt sie ihre Doktorarbeit.

Erste Höhepunkte ihrer politischen Laufbahn waren die Mitgliedschaft im Parteivorstand der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) von 1991 bis 1995. 2000 bis 2007 hatte sie das gleiche Amt inne und ab Juni 2007 gehört sie dem Vorstand der Partei DIE LINKE an. Daneben war sie Abgeordnete des Europaparlaments zwischen 2004 und 2009. Im September des gleichen Jahres wurde sie im Wahlkreis Düsseldorf-Süd zur Abgeordneten des Bundestags gewählt. Im Mai 2010 folgte ihre Wahl zur Stellvertretenden Parteivorsitzenden und im November die zur Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden.

Sahra Wagenknecht und ihre Partei fordern seit langem einen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 60 Prozent des deutschen Durchschnittseinkommens, mindestens aber 10 Euro pro Stunde. Den Vorschlag der Kanzlerin, von den Tarifparteien eine Lohnuntergrenze festlegen zu lassen, hält sie für einen Täuschungsversuch: " "Ein Mindestlohn, der nicht flächendeckend und rechtlich verbindlich für alle gilt, ist kein Mindestlohn."

Hans-Olaf Henkel wurde 1940 in Hamburg geboren. Nach eine kaufmännischen Lehre studierte er Soziologie und BWL. Ab 1962 arbeitete er als Manager für IBM Deutschland, zu deren Vorsitzenden der Geschäftsführung er 1987 ernannt wurde. Von 1995 bis 2000 war er ehrenamtlicher Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Henkel ist Mitglied im Aufsichtsrat mehrerer Konzerne und seit 2000 Honorarprofessor an der Universität Mannheim.

Einen gesetzlichen Mindestlohn lehnt Henkel ab; selbst den Merkel-Vorstoß in Richtung einer "Lohnuntergrenze" hält er für ein weiteres Indiz der "Sozialdemokratisierung" der CDU, die er der Kanzlerin unterstellt. Allerdings sieht er die enormen Einkommenszuwächse von Topmanagern teilweise auch als problematisch an. Grundsätzlich hält er deren Einkommen allerdings für gerechtfertigt - schwarze Schafe gäbe es doch überall.

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