Ist der Sommer noch zu retten?

Nehmen wir das Wetter, wie's geliefert wird

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass sie sich über das Sommerwetter wundern, jedoch über das Gejammer darüber ärgern? Natürlich ist es das liebste Thema, das wir Deutschen auf der Pfanne haben: das Wetter. Wenn man nichts mehr zu sagen weiß oder krampfhaft ein Gesprächsthema sucht, dann läuft es garantiert auf die Meteorologie hinaus.

dunkle Regenwolken über Rügen
dunkle Regenwolken über Rügen Quelle: dpa

Und meist ist es der Dreiklang von Nörgeln, Meckern und Klagen, der dabei den Ton angibt. Dabei haben schon alte Volksweisheiten oder der jüdische Talmud recht: Gut, dass wir eines nicht selber machen können, nämlich das Wetter. Mal ehrlich: Würden wir uns auf ein gemeinsames Wetter einigen, wenn sich die Hobbygärtner nach Regen, die Urlauber jedoch nach Sonne sehnen?

Früher war alles besser!

Strahlende Sonne mit Thermometer, das 36 Grad Celsius zeigt.
Thermometer 36 Grad Quelle: dpa


Das Stimmungsbarometer dieser Tage ist das absolute Gegenteil dessen, was die Thermometer hergeben. Die sagen uns nämlich: Das erste Halbjahr 2011 war viel zu warm. Die Meteorologen haben statistisch nachgewiesen, dass es satte 1,5 Grad wärmer war als in unseren Breiten üblich. Es könnte sogar das drittwärmste Jahr seit dem Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 werden. Man reibt sich die Augen und will es kaum glauben, wenn man den gegenwärtigen "Sommer" betrachtet! Ist es nicht viel zu kalt, zu regnerisch und zu windig, sagen wir uns und sprechen vom "April-Wetter mitten im Hochsommer." Zum Ferienbeginn ist es für Wettermoderatoren, Bademeister und Biergartenbesitzer alles andere als ein Traumstart. Regen und kühle Temperaturen bilden das Dauerprogramm.

In unserer Hilflosigkeit, den Sommer noch halbwegs zu retten, reden wir uns die regenreiche Gegenwart schön, indem wir die sonnige Vergangenheit verklären. Früher, ja da waren es noch richtige Sommer, in denen wochenlang die Sonne von stahlblauem Himmel strahlte und der Regen Urlaub hatte. Ähnlich ist es mit Weihnachten: Früher, als wir Kinder waren, da gab's noch richtig viel Schnee, wir hatten sogar schneefrei in der Schule, weil die Räumdienste es nicht schafften. Und der Heilige Abend ohne Schneedecke, das war undenkbar. Wirklich? Die Statistik sagt etwas völlig anderes, nur unsere Erinnerung will das nicht wahrhaben, weil früher eben ohnehin alles besser war...

Weltmeister im Wehklagen


Der banale Satz "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung" stimmt ja. Und da wir das Wetter ohnehin nicht ändern können: Warum nehmen wir das schlechte nicht einfach hin und machen das beste draus? Bei jedem Wetter lässt sich an jedem Ort etwas machen, und ein "Pharisäer" am prasselnden Kamin kann an der Nordsee genauso romantisch sein wie ein Sonnenuntergang mit einem kühlen Glas Weißwein. Und was heißt übrigens "Gutes Wetter"? Wenn ich früher bei der "heute"-Sendung als Überleitung zum Wetterbericht meinte: "Morgen wird's überall schön, es scheint bei trockenem Himmel überall die Sonne" rief garantiert der Bauernverband an: "Ja, sind Sie denn verrückt?! Wir brauchen dringend Regen, sonst geht die Ernte verloren." Was also für die Landwirtschaft gut war, war für den Tourismus eine Katastrophe.

Wetter muss nicht auf's Gemüt schlagen. Bedrückend ist nur, sich alles schlecht zu reden und sich im Wetteifern um die Weltmeisterschaft im Wehklagen zu übertreffen. Nach ein paar Regentagen (und nichts ist schöner als ein Spaziergang im Regen!) genießt man umso mehr die Sonnentage. Wer allerdings nur noch von der Sonne verwöhnt ist, wird sie irgendwann leid. Aber das kennen wir ja auch: Kommt dann wirklich mal der ersehnte heiße Sommer, dann geht das Gemecker von vorne los und man sehnt die kühleren Tage herbei, weil einem die Hitze auf Kreislauf und Gemüt schlägt. Gut also, dass wir das Wetter so nehmen müssen, wie es geliefert wird!

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