Jedem sein Kennzeichen

Auf zum fröhlichen Schilder-Raten

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie die Idee gut finden, dass man sein Autokennzeichen auch beim Umzug behalten kann? Für Bürokraten ist dieser Vorschlag sensationell, wo die doch sonst immer eher auf Paragrafen reiten, statt auf Volkes Stimme zu hören, obwohl sie sich doch Volksvertreter nennen.

Denn Hessen praktiziert dieses Modell bereits seit 2009 mit Erfolg. Warum nicht also für ganz Deutschland?! Gut, dass sich die Verkehrsminister von Bund und Ländern jetzt darauf geeinigt haben.

Bisher gilt ja die Regelung: Neuer Wohnort, neues Kennzeichen. Und das ist meist mit riesigen Umständen verbunden. Nicht nur, dass man Pass, Anschrift etc. beim Einwohnermeldeamt ummelden muss. Zu diesem ganzen bürokratischen Wahnsinn kommt dann immer noch das Ummelden des Autos mit allen Formalitäten. Zeit und Nerven raubend! Und das Ganze kostet dazu noch anständig Geld, inklusive neuer Kfz-Kennzeichen, die gekauft werden müssen. Pure Geschäftemacherei, selbstgemachte Mehrarbeit für Behörden, so könnte man das kommentieren. Denn das Entscheidende ist doch, dass das Auto angemeldet und registriert ist - an welchem Ort, das dürfte im Internet-Zeitalter doch egal sein.

Keine Kunst-Zeichen

Es gibt ja viele Autofahrer, die aus Nostalgie-Gründen gern ihr altes Kennzeichen behalten wollen. Vielleicht, weil die Buchstaben so gut zum Namen passten oder die Zahlen zum Geburtstag. Am neuen Ort würde man das nicht mehr bekommen. Oder man hängt schlichtweg an seinem alten Wohnort und möchte das gerne demonstrieren. Vor allem aber spart man Geld, und das nicht knapp. Denn diese ganze Bürokratie rund ums Auto geht ganz schön an den Geldbeutel.

Ich würde noch einen Schritt weiter gehen. Auch darüber wird immer wieder diskutiert, bisher leider ohne Ergebnis: Dass die alten Kennzeichen wieder zum Leben erweckt werden und man nicht gezwungen ist, völlig unverständliche Buchstabenfolgen von territorialen Kunstprodukten am Auto hat. Das ist doch das Schöne an deutschen Kennzeichen, dass sie immer Rückschluss geben auf den Herkunftsort. Auf langen Reisen war es für uns als Kinder immer eine tolle Abwechslung, die Buchstaben einem Ort zuzuordnen und einen Wettstreit darum zu machen. Ruckzuck verflog die Zeit. Doch wer weiß heute, dass LDS für "Landkreis Dahme-Spreewald" steht? Und wer das weiß, hat damit nicht gleich eine Region im Blick, ganz zu schweigen von einer konkreten Stadt. Deshalb kämpfen die Einwohner von Lübben, wo einst der weltbekannte Kirchen-Lieder-Dichter Paul Gerhardt wirkte, dass sie ihr altes Kennzeichen LN zurückbekommen.

Nummernschilder raten

Je globalisierter die Welt wird, desto größer ist die Sehnsucht nach Traditionen und Regionen. "Was ist Heimat?" titelte jetzt der SPIEGEL. Irgendwo will man doch zu Hause sein in dieser virtuellen Welt ohne Grenzen. Deshalb werden Dialekte wieder gepflegt oder Gebräuche wieder zum Leben erweckt. Dazu gehören auch die Autokennzeichen.

Deshalb sollte die Politik noch weiter gehen: Zu den Heimatkennzeichen sollte jetzt auch noch die Erkennbarkeit kommen. Es reichte ja, all die alten, abgeschafften Kürzel wieder einzuführen. Da würde es selbst Erwachsenen wieder Spaß machen, auf der Autobahn das Kinderrätsel "Nummernschilder-Raten" zu machen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet