Kinder, Kinder!

Wie eine stillende Mutter aus einem Café flog

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie es nicht fassen können, wie kinderfeindlich unsere Gesellschaft immer noch ist? Über Kinderlärm haben wir in unserer Sendung unlängst diskutiert, und das Echo zeigt, wie wenig Chancen heute Eltern mit (kleinen) Kindern bei der Wohnungssuche haben und wie rücksichtslos das Verhalten gegenüber Müttern mit Kinderwagen geworden ist.

Junge Mutter beim Stillen ihres Säuglings
Junge Mutter beim Stillen ihres Säuglings Quelle: ZDF

Doch was jetzt in Krefeld am Niederrhein passiert ist, schlägt dem Fass den sprichwörtlichen Boden aus. Da wurde eine junge Mutter aus einem Café verwiesen, weil sie ihr Baby stillte. Dabei machte sie das noch nicht mal provozierend-öffentlich wie es einst selbst im Bundestag oder auf Parteikongressen üblich war, als alternative Politikerinnen demonstrativ ihre Kinder stillten.

Junge Mütter mit Babys im Still-Café
Junge Mütter mit Babys im Still-Café Quelle: ZDF



Nein, die Dame hatte sich ins hinterste Eck des Bäckerei-Cafés zurückgezogen, um das zu tun, was die natürlichste Sache der Welt ist. Dennoch empörten sich andere Gäste und verlangten von der Kellnerin, Mutter und Kind an die Luft zu setzen. Da hilft es wenig, dass der Chef sich hinterher bei der jungen Frau entschuldigte und Wert darauf legt, dass Stillen in seinem Geschäft nicht verboten ist. Wo kämen wir denn dahin, wenn das Hausrecht soweit ginge, dass man sich auf die Straße oder etwa ins WC zurückziehen muss, um seinem Kind die Brust zu geben.

Baby-Hunger und Cover-Brüste

Lärmender Verkehr
Tiefensee - Bahn soll leiser werden Quelle: ZDF


Sind wir denn verrückt geworden?! An allen Kiosken und Supermarkt-Auslagen sehen wir nackte Brüste auf den Zeitschriften. Meist liegen die sogar noch in den Cafés aus. Und sein Kind zu stillen soll dann anstößig sein? Das ist doch eine perverse Doppelmoral. Genauso ist es mit dem Lärm. Autos können aufheulen und Musik kann aufgedreht werden, ohne dass es die Mitmenschen stört. Selbst Hunde können bellen und Betrunkene gröhlen. Nur wenn Kinder schreien, dann beginnt die Empörung. Zu lauten Geburtstagspartys oder Balkon-Grill-Abenden lässt man sich gerne einladen, doch wehe, es passiert beim Nachbarn und raubt einem den Schlaf!

Wir sollten uns angesichts unserer dramatischen Bevölkerungsentwicklung über jedes Kind freuen. Diese Kinder werden auch unsere Zukunft sein, nicht zuletzt die Zukunft unserer Rente. Das heißt nicht, dass sich Eltern mit ihren Kindern alles herausnehmen dürfen und ich mir alles bieten lassen muss. Aber wenn ein Baby Hunger hat und eine Mutter es diskret stillt, dann sollte man sich freuen. Und wenn es einen stört, kann man sich ja ebenso diskret wegdrehen. Sein Kind zu stillen ist nicht geschmacklos, sondern natürlich. Natürlicher jedenfalls als der Anblick mancher halbnackter Menschen, denen man aus ästhetischen Gründen eine Ganz-Körper-Burka wünschte!

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