Kinder und Karriere

Wie schaffen das die neuen Mütter?

Frauenquote für Unternehmensvorstände, Erhöhung der Zahl von Kita-Plätzen, Elternzeit für Väter: Die Ideen, mit denen Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert werden soll, sind zahlreich – und erfolglos. Noch immer sind für Mütter, Karriere und Kinder nur schwer unter einen Hut zu bringen. Ob und warum das so ist, diskutieren – passend zum Muttertag - bei „Peter Hahne“ die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier und die Autorin Judith Lembke.

Frau sitzt an Laptop, Mann hält Baby im Arm
Rollentausch: Grüße aus Utopia Quelle: imago

Anruf der Chefin: „Die Vorstandssitzung morgen muss ausfallen; mein Kind hat die Masern.“ Dieser Satz ist wohl noch nie gefallen und wird es auf absehbare Zeit auch nicht werden. Doch er zeigt das Dilemma von Frauen, die ihre berufliche Karriere trotz eines Kindes fortsetzen wollen. Zahlreiche Frauenförderprogramme konnten an diesem Befund nichts ändern. Gesellschaftliche Rollenmodelle des karriereorientierten Mannes und der Familienmanagerin Frau halten sich zäh – sowohl bei den Chefs als auch bei den Ehemännern. Selbst die Verbesserung der Situation an den Kitas und in den Schulen wirkte sich nicht besonders positiv auf den beruflichen Erfolg von Müttern aus. Denn auch diese Betreuungseinrichtungen schließen in der Regel am späten Nachmittag, und die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt, lange Arbeitszeiten sind eine Grundvoraussetzung für die Karriere.

Wie problematisch die Situation für aufstrebende Frauen tatsächlich ist, zeigt eine Langzeitstudie, die das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) 2007 mit etwa 1000 jungen Frauen gestartet hat. Anfangs lautete die Parole der Probandinnen „Kinder kriegen und Chefin werden – mit uns gibt es kein Entweder-oder!“. Fünf Jahre später wurde aus diesem Optimismus in vielen Fällen Ernüchterung. Zwar steht für viele immer noch beruflicher Erfolg auf der Wunschliste. Wer von den Frauen jedoch schon Mutter geworden ist, weiß, dass sie sich damit die große Karriere abschminken können. Denn immer noch muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den meisten Fällen mit Teilzeitarbeit bezahlt werden – und die ist der Karriere nicht förderlich.

Weniger Wochenstunden für Eltern

Selbst wenn das Angebot an Ganztagsplätzen in Kitas und Schulen (auch zeitlich) ausreichend sein sollte, stellt sich den Müttern ein anderes Problem immer noch in den Weg. Oftmals – auch in dieser Hinsicht: immer noch – werden sie als Rabenmütter geschmäht (wer kennt eigentlich Rabenväter?), und selbst wenn das soziale Umfeld auf den Spagat von Beruf und Kinderbetreuung positiv reagiert: Es soll Mütter (auch hier ist von Vätern selten die Rede) geben, die die Erziehung ihrer Kinder nicht komplett in fremde Hände geben möchten. Eine Vorstellung, die gerade konservativen Politikern gefallen dürfte, waren sie es doch, die mit der Einführung des Betreuungsgeldes, von Kritikern als „Herdprämie“ abqualifiziert, die Mütter wieder zurück in die traditionelle Familie locken wollten.

Doch dies kann nicht im Sinne von karrierebewussten Müttern sein. Ihnen könnte eventuell eine Idee der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) gefallen, die vorgeschlagen hat, die Wochenarbeitszeit von beiden (!) Elternteilen auf 32 Stunden zu begrenzen und den Lohnausfall aus Steuergeldern zu finanzieren. Erwartungsgemäß stehen diesem Plan insbesondere die Arbeitgeberverbände aber auch der Koalitionspartner CDU/CSU äußerst skeptisch gegenüber. Wieder einmal ist von „Überregulierung“ durch den Staat und „zu teuer!“ die Rede. Die Gewerkschaften und Bündnis 90/Die Grünen dagegen beurteilen ihn wohlwollend - seine Umsetzung jedoch als schwierig. Angesichts dieser Regierungskoalition bleibe der Plan wohl eher eine Vision. Manuela Schwesigs Vorgängerin Kristina Schröder (CDU) hat den Konflikt zwischen Karrierefrau und Mutter am eigenen Leib erfahren und die Konsequenzen gezogen. Kurz vor der letzten Bundestagswahl erklärte sie, nicht mehr als Ministerin zur Verfügung zu stehen. Im SPIEGEL-Interview begründete sie diese Entscheidung: „Oft hatte ich das Gefühl, zu wenig Zeit mit der Kleinen zu haben. Künftig möchte ich mehr von meiner Familie haben.“

Die Gäste der Sendung

Monika Hohlmeier
Monika Hohlmeier Quelle: imago

Monika Hohlmeier wurde 1962 als Tochter des späteren Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß und dessen Frau Marianne geboren. Nach dem Abitur wurde sie zur Hotelkauffrau ausgebildet und besuchte das Fremdspracheninstitut in München. Dieses verließ sie ohne Abschluss, nachdem ihre Tochter geboren worden war. Außerdem ging sie für ihre 1984 verstorbene Mutter weiterhin an der Seite ihres Vaters repräsentativen Aufgaben nach. Der Jungen Union trat sie bereits als 14-Jährige bei, zwei Jahre später der CSU. Über die Kommunalpolitik gelangte sie 1990 erstmals in den Bayerischen Landtag, wurde 1993 stellvertretende Parteivorsitzende und bis 1998 auch Staatssekretärin im Kultusministerium. 1998 übernahm sie das Amt der Bayerischen Ministerin für Unterricht und Kultus, von dem sie 2005 nach parteiinternen Querelen zurücktrat. Nachdem sie bei der Landtagswahl 2008 keinen Sitz erringen konnte, wurde sie ein Jahr später als Abgeordnete ins Europäische Parlament gewählt. Monika Hohlmeier ist seit 1982 verheiratet und hat zwei mittlerweile erwachsene Kinder. Zurzeit lebt sie in Scheidung von ihrem Mann Michael Hohlmeier.

Judith Lembke
Judith Lembke Quelle: privat

Judith Lembke wurde 1978 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur ging sie für sieben Monate nach Brasilien und arbeitete in einem Hilfsprojekt für Straßenkinder. Ab 1998 studierte sie in Heidelberg Geschichte und VWL. Einer Hospitanz 2001 bei der Rhein-Main-Zeitung folgte eine freie Mitarbeit, zunächst für die Rhein-Main-Zeitung dann für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Ebenfalls 2001 zog sie für ein Jahr nach Spanien und studierte an der Universidad Complutense in Madrid. 2004 schloss sie ihr Studium an der Universität Heidelberg mit dem M.A. ab und begann ein Volontariat bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo sie seit Oktober 2006 als Redakteurin im Wirtschaftsressort angestellt ist. In einem längeren Beitrag für die Wirtschaftsseite der FAZ hat Jutta Lembke sich im März 2014 intensiv mit der Frage „Kind und Karriere“ beschäftigt. Ihr Fazit: „Vereinbarkeit ist eine Lüge“.

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