Knöllchen und Blitzer als Abzocke

Haushalts-Sanierung einmal anders

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich als Autofahrer über Blitzer und Knöllchen ärgern? Diese Reaktion ist ja auch allzu menschlich, wenn man "nur mal kurz" in der zweiten Reihe geparkt hatte, um seine Sachen aus der Reinigung zu holen oder in eine Radarfalle geriet, obwohl die Straße frei und der eigene Fahrstil ungefährlich war. Und wenn man dann darüber nachdenkt, sieht man vielleicht ein: Recht muss Recht bleiben, und sich an Gesetze zu halten, ist eben Bürgerpflicht.

Bußgeld Quelle: dpa

Doch was mich auf die Palme bringt, ist die bewusste Abzockerei bei den Bußgeldern. Wenn Sie in rund um bestimmte, meist viel besuchte Plätze von Berlin parken und ihr Parkschein abgelaufen ist, haben Sie schneller ein Knöllchen als Sie Geld nachladen können. Allein in Prenzlauer Berg wurden in diesem Jahr bereits über 500.000 Strafzettel hinter die Windschutzscheibe geklemmt, was den Behörden die satte Summe von 4,4 Millionen Euro einbrachte. 87 Knöllchen-Schreiber sind in dem viel bewohnten Kietz mit wenig Parkraum unterwegs. Da hilft auch kein Bitten und Betteln, weil´s beim Zahnarzt eben länger gedauert hat. Nein, Gnade vor Recht scheint es beim Ordnungsamt nicht zu geben.

Nicht für dumm verkaufen

Radarfalle
Video: Ärger um Blitzer Quelle: imago


Klar, dass der Staat hinter unserm Geld her ist. Die Bußgeld-Summen sind doch in die Haushalte der Länder und Kommunen schon fest eingeplant, also müssen die Knöllchen-Schreiber und Radarfallen-Aufsteller zum Jahresende noch kräftig ran. Das ist billige Abzocke, wenn dann an Straßen, von denen man genau weiß, dass dort schneller gefahren wird, Blitzer aufgestellt werden. Da kann mir niemand sagen, dass es um die Verkehrssicherheit geht. Nein, in Wahrheit ist das die reinste Willkür einer Gelddruckmaschine. Und fragt man bei der Polizei nach, dann heißt es: Es handelt sich um einen Unfallschwerpunkt. Komisch: Ich fahre die Strecke jeden Tag, habe noch nie einen Unfall gesehen und selten einen Blitzer. Weder Schulen noch gefährlich Fußgängerüberwege gibt es. Doch jetzt blitzt es jeden Tag! Da will mir doch niemand weiß machen, dies diene der Sicherheit (und nicht dem Etat der Behörden)!

Wo man allein durch die abschreckende Wirkung von Bußgeld rasende oder falsch parkende Autofahrer zur Vernunft bringen kann, bin ich sofort dabei. Aber nur, wenn ich auch einsehen kann, dass es wirklich der Sicherheit dient. Das ist bei tatsächlichen Unfallschwerpunkten genauso der Fall wie an Schulen, Kindergärten oder Einkaufszentren. Wo ich den Verdacht der Geldschneiderei habe (und den habe ich leider immer öfter), da ärgere ich mich nur. Weniger übrigens über das Geld als darüber, dass man versucht, mich für dumm zu verkaufen. Warum sagt der Staat nicht ehrlich: Wir brauchen noch ein paar Millionen für den Haushalt, darum haben wir noch Heerscharen von Knöllchen-Schreibern und Blitzer-Aufstellern losgeschickt.

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