Konsumterror – Kinder und der Markenwahn

Wenn die lieben Kleinen ihre Eltern in die Armut treiben

Noch nie hatten Kinder und Jugendliche in den Industriestaaten so viel Geld wie heute. Doch auch noch nie war der Druck auf sie so groß, nur ganz bestimmte Marken zu kaufen. Da nutzt auch das reichlich fließende Taschengeld nichts mehr. Schnell ist die Kasse leer und die Eltern werden angefleht, in die Konsum-Bresche zu springen. Bei wohlhabenden Familien kein großes Problem – aber was ist mit den Geringverdienern?

Jugendlicher mit Elektronikwaren
Hoffentlich hat er die richtige Marke gekauft.

Hosen kaufen war früher ganz einfach. Mit dem Kind rein in den Laden, nach Sonderangeboten schauen, Jeans anprobieren, bezahlen, fertig. Oder Mutter ist selbst ins Kaufhaus gegangen und hat für den Sprössling eine Hose gekauft – sie kannte ja seine Größe. Und war der Jugendliche eines Tages aus der Jeans "heraus gewachsen", wurde diese für den zwei Jahre jüngeren Bruder aufgehoben: "Die ist ja noch gut."

In den Fängen der Werbung

Versuchen Sie dieses Szenario heute einmal mit ihrer pubertierenden Tochter. Tränen sind das Geringste, was Sie erwartet. Wahrscheinlicher ist ein mittelgroßer Menschenauflauf im Kaufhaus und die Anzeige des Kinderschutzbundes wegen Kindesmisshandlung. Kommen Sie erst gar nicht auf die Idee, auf den günstigen Preis, die hohe Qualität oder die hervorragende Passform einer Hose hinzuweisen. Entscheiden ist: Was für eine Marke ist das? Kann ich mich damit in der Schule und im Freundeskreis zeigen? Oder mache ich mich damit lächerlich?

Der Druck auf Kinder und Jugendliche, sich nach einem genau festgelegten "Dresscode" anzuziehen oder nur mit einem ganz bestimmten Handy zu telefonieren, ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Dieser Gruppendruck kommt allerdings nicht aus dem Nichts, sondern ist Ergebnis von ausgeklügelten Marketing-Strategien. Diese Altersgruppe, mit früher unvorstellbaren Geldmitteln ausgestattet, ist ins Visier von PR-Firmen geraten, die es geschafft haben, bestimmte, in der Regel kostspielige, Markenartikel zum "Muss" einer bestimmten Altersgruppe zu erklären.

Wie der Vater so der Sohn

Für wohlhabende Familien ergibt sich daraus kein existentielles Problem – obwohl auch diese sich überlegen sollten, wie sie ihren Kindern ein kritisches Konsumverhalten und die Bedeutung von Wert und Geld vermitteln können. Ganz anders verhält es sich jedoch bei weniger bemittelten Eltern. Natürlich möchten auch sie vermeiden, dass ihre Kinder aus ihren verschiedenen sozialen Gruppierungen ausgeschlossen werden. Doch was tun, wenn das wenige Geld kaum bis zum Monatsende reicht, der Sohn aber unbedingt die Jeans für 140 Euro braucht?

Pädagogen ist dieses Dilemma durchaus bekannt. Sie empfehlen einen offenen Umgang mit dem Problem, um die Kinder für dieses zu sensibilisieren. Wie in vielen anderen Familienbereichen gilt aber auch hier ein wichtiges Schlüsselwort: Vorleben. Wenn Vater jedes Jahr ein neues Auto braucht, Mutter wöchentlich den Star-Coiffeur besucht – dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn ihre Kinder auch entsprechende Ansprüche entwickeln.

Gäste der Sendung

Natascha Ochsenknecht
Natascha Ochsenknecht

Natascha Ochsenknecht wurde 1964 geboren. Bekannt wurde das Modemodell durch ihre Ehe mit dem Schauspieler Uwe Ochsenknecht, mit dem sie 16 Jahre verheiratet war. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder, von denen die beiden älteren auch als Schauspieler arbeiten. 2009 trennte sich das Promi-Paar, und 2012 folgte die Scheidung. Aufsehen erregte Natascha Ochsenknecht mit der Nachricht, dass sie nun mit einem 20 Jahre jüngerem Fußballer liiert sei. Im Mai 2012 erschien ihr Buch „Augen zu und durch“, in dem sie offen über ihre Zeit mit Ex-Ehemann Uwe Ochsenknecht und das vermeintlich sorglose Leben in der glitzernden Welt der Stars und Sternchen berichtet.

Gerlinde Unverzagt
Gerlinde Unverzagt









Gerlinde Unverzagt wurde 1960 in Marburg geboren. Ihr Studium der Geschichte, Philosophie, Lateinamerikanistik und Publizistik schloss sie 1992 mit dem Magister Artium ab. Bereits während des Studiums, anschließend jedoch verstärkt, arbeitete sie als freie Journalistin für mehrere Zeitungen und Zeitschriften. 1996 erschienen ihr erstes Buch und ihr erstes Kind, denen in den Jahren bis 1999 jeweils drei folgten. Seitdem strebt sie, wie sie selbst sagt, „unverzagt an, den soliden Vorsprung auf der Bücherseite auszubauen.“

Gerlinde Unverzagt war von 1988 bis 1992 Mitarbeiterin der Redaktion von „Blickpunkt“, einem Berliner Jugendmagazin, und schreibt neben ihren Büchern regelmäßig für zahlreiche Zeitschriften und Zeitungen, wie beispielsweise „SPIEGEL“, „SZ“, „Frankfurter Rundschau“ und „PSYCHOLOGIE HEUTE“.

von Harald Grimm

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