Leistungsdruck und Fitnesswahn

Wann wird Sport Mord?

In den letzten Jahren scheint sich aus der Fitnesswelle ein Tsunami entwickelt zu haben. An jeder Hauswand finden sich Plakate mit Werbung für den neuesten Sporttrend, die "Muckibuden" schießen wie Pilze aus dem Boden. Doch ist das alles wirklich so gesund wie behauptet? Ab wann macht der Sport krank statt schlank? Darüber diskutieren bei Peter Hahne die Fernsehmoderatorin Vera Int Veen und der Sportwissenschaftler Ingo Froböse.

Peter Hahne mit seinen Gästen Vera Int Veen und Ingo Froböse
Peter Hahne mit seinen Gästen Vera Int Veen und Ingo Froböse Quelle: ZDF/Michael Kramers

Bewegung hält jung! Fitness macht gesund! Nur in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist! Also heißt es: runter von der Couch, rein in die Laufschuhe, rauf auf den Heimtrainer. Was vor ein paar Jahren an der Aerobic-Welle noch – von Männerseite – belächelt wurde, ist heute Mainstream. Wehe dem, der nicht auf mehrere Besuche des Fitness-Studios pro Woche und Dutzende Kilometer Jogging verweisen kann.

Eine weitere Tendenz deutet daraufhin, dass sich scheinbar aus dem Privatvergnügen Sport und Fitness ein Karrierebaustein entwickelt hat. Offenbar herrscht mittlerweile das Bewusstsein, dass nur der- oder diejenige, die auch in ihrer Freizeit bereit sind, sich zu quälen und zu schinden, dies in ihrem Job auch tun werden. So erobert allmählich das Leistungsprinzip und damit auch der Leistungsdruck sämtliche Bereiche des Lebens.

Faul und übergewichtig

Und natürlich ist keine Rede mehr von Freude bereitendem Freizeitsport wie Wandern oder ein bisschen Kicken. Heute hat alles mit Power zu tun: Power-Übung, Power-Geräte und natürlich die Power-Drinks. Und da diese in Form von Eiweißgetränken Vielen nicht schnell genug die erhofften Muskelberge bescheren, mutieren manche "Fitness"-Clubs zu veritablen Apotheken – zumindest, was das Angebot von Leistung steigernden und Muskel aufbauenden Präparaten unter der Theke anbelangt.

Nun sollte man die Fitness-Bewegung aber auch nicht komplett verteufeln. Kürzlich veröffentlichte medizinische Studien weisen den Zusammenhang von mangelnder Bewegung und Erkrankungen nach, die häufig zum frühzeitigen Tod führen. Der früher als "Alterszucker" bezeichnete Diabetes Typ II beispielsweise trifft zunehmend jüngere Menschen. Der Grund: Bewegungsmangel und Übergewicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt mindesten zweieinhalb Stunden sportliche Betätigung pro Woche. Darunter ist allerdings nicht Hochleistungssport zu verstehen sondern leichte körperliche Betätigung. Denn für den Sport gilt auch, was Paracelsus über Medikamente gesagt hat: "Die Dosis macht das Gift."

Die Gäste:

Vera Int Veen
Vera Int Veen

Vera Int Veen wurde 1967 in Lank-Latum bei Krefeld geboren. Nach dem Abitur studierte sie in München Jura und Politik. Bereits zu dieser Zeit hatte sie Kontakt zu den Medien und jobbte bei Rudi Carrell und Thomas Gottschalk. Ihre Moderatorinnen-Karriere startete sie 1996 bei sat1 mit ihrer Sendung „Vera am Mittag“, die bis 2006 mehr als 2000-mal zu sehen war.

Anschließend wechselte sie zu RTL2 und seit 2007 präsentiert sie verschiedene Formate bei RTL: „Schwiegertochter gesucht“, „Helfer mit Herz“, „Mietprellern auf der Spur“. In der Dokusoap „Das große Abnehmen“ zeigte sie stark Übergewichtige und deren Versuche, überflüssige Pfunde los zu werden. Dass sie selbst nicht zu den Schlanksten zu zählen ist, stört sie nicht weiter, da es sie in ihrer Fitness nicht beeinträchtige. Auch sei ihr Buch "Essen Sie doch, was Sie wollen" (Eichborn-Verlag, 2001) nicht so zu verstehen, dass sie ihre Leser zur Fettleibigkeit anstiften wolle. Vielmehr gehe es ihr darum, sich wegen ein paar Kilos zuviel, nicht ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.

Ingo Froböse
Ingo Froböse

Ingo Froböse wurde 1957 in Unna geboren. Dem Abitur folgte ein Studium der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule in Köln, das er mit dem Diplom abschloss. Nach der Promotion 1986 habilitiert er sich1993; 1995 wurde er zum Hochschulprofessor an der Sporthochschule berufen.

Während seiner Studienzeit war Froböse auch als erfolgreicher Sportler aktiv. So wurde er mehrfacher deutscher Vizemeister im 100- und 200-Meter-Sprint und erreichte bei der Halleneuropameisterschaft 1982 über 200 Meter einen hervorragenden vierten Platz. Bereits vor seiner Sprinterlaufbahn betätigte er sich als „Bremser“, also antrittsstarker Anschieber, im Zweier- und Vierer-Bob. Heute ist er neben seiner Professoren-Tätigkeit Mitarbeiter zahlreicher Sportinstitutionen und Autor von Lehrbüchern und anderen Publikationen.

Froböse ist sich sicher, dass Sportler gesünder leben als Faulenzer. Allerdings dürfe man es nicht übertreiben und sein Immunsystem überfordern. Das könne dann tatsächlich krank machen. In einem Interview mit der Deutschen Welle gab er zu bedenken: „Es gibt das geflügelte Wort 'Sport ist Mord und Breitensport ist Massenmord'. Da ist sicher etwas dran, weil es viele Menschen beim Sport deutlich übertreiben.“

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