Licht und Schatten am Arbeitsmarkt

Natürlich haben gerade große Konzerne in den letzten Jahren kräftig entlassen oder sich mit Zeit- und Kurzarbeit durchgemogelt. Natürlich gab es Jahre, wo tausende junger Leute sich vergeblich die Hacken abgelaufen haben, um einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Und selbstverständlich ist die Arbeitslosenquote in unserem Industrieland immer noch erschreckend hoch. All das gehört zu den Wahrheiten, die sich nicht beschönigen lassen.

Dennoch gibt es auch das andere, getreu dem Motto "Jedes Ding mit zwei Seiten hat mindestens eine positive": Wir erleben zu Beginn des Jahres 2011 ein regelrechtes Jobwunder in deutschen Firmen. Und erstmals gibt es zu wenig Bewerber für die angebotenen Lehrstellen. Wer an die Automobilindustrie denkt, dem fällt meist das Wort "Massenentlassungen" oder "Kurzarbeit" ein. Da geht dann leider die Meldung unter, dass zum Beispiel Volkswagen 6000, Mercedes 4000 oder Porsche 1000 neue Stellen geschaffen haben, die Lufthansa bringt es auf 4000 Neueinstellungen, der Buchversender amazon auf 1000. Das sind echt gute Nachrichten in Zeiten von weltweiter Finanz- und Wirtschaftskrise, von Euro-Schwäche und dem instabilen Nordafrika oder der Angst in Sachen Energiekosten.

Konkurrenz aus dem Osten?

"Made in Germany" ist eine gefragte Größe, ein Markenzeichen für Deutschland. Doch hat dieses strahlende Markenzeichen auch eine Schattenseite: Deutschland hat dramatischen Mangel an Fachkräften und qualifizierten Lehrlingen. Viele angebotene Ausbildungsplätze in Handwerk, Handel und Industrie können nicht vergeben werden, weil rund ein Viertel der 15-jährigen Schulabgänger "nur unzureichend lesen, schreiben und rechnen können," beklagt Handelskammerpräsident Hans Heinrich Driftmann. Der Chef der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sieht im Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen der Zukunft.

Um die vielen neuen, meist qualifizierten Ausbildungs- und Arbeitsplätze besetzen zu können, bedarf es nach Expertenmeinung nur eines: Bildung, Bildung und noch mal Bildung! In Deutschland lässt sich gut arbeiten, Geld verdienen und leben. Das beweist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Doch was nützen unseren Arbeitslosen und Schulabgängern die vielen guten Stellen, wenn sie nun ab 1. Mai von Fachkräften oder hoch motivierten jungen Leuten aus Osteuropa besetzt werden, weil sich bei uns niemand findet? Wenn sich die EU-Grenzen dann öffnen, rechnen Experten mit einer Zuwanderung von 800.000 Osteuropäern. Wer davor Angst hat, sollte auch da die andere Seite der Medaille betrachten: Selbst wenn das alles wider Erwarten qualifizierte Fachkräfte wären, könnten die den deutschen Bedarf bei weitem nicht decken. Die guten Nachrichten auf dem Arbeitsmarkt sollte unsere Politik, aber auch die ganze Gesellschaft anspornen, jetzt offensiv in Bildung zu investieren. Und junge Leute wie Arbeitslose sollten wissen: Eine gute Bildung ist die halbe Miete - und die lässt sich sogar noch nachholen.

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