Lügen, kneifen, absahnen

Wer ist eigentlich noch Vorbild?

Klaus von Dohnanyi und Bernhard Vogel sprechen mit Peter Hahne über verloren gegangene Werte. Gibt es noch den "ehrbaren Kaufmann" oder kommt man in unserer Gesellschaft nur noch durch Tricksen und Betrügen weiter?

Bundespräsident Wulff zum Gedenktag der Wannsee-Konferenz
Bundespräsident Wulff zum Gedenktag der Wannsee-Konferenz Quelle: ZDF
Statue von Friedrich dem Großen Quelle: ZDF


In diesem Jahr wird landauf landab der 300. Geburtstag Friedrich II. gefeiert, dem Preußenkönig, der von sich selbst sagte, er sei der "erste Diener des Staates". Eine Haltung, mit der heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen wäre - behaupten zumindest skeptische Beobachter unserer modernen Gesellschaft. Sie verweisen auf zahlreiche Ereignisse in den vergangenen Jahren, die so früher nicht vorstellbar gewesen wären.

In den "guten alten Zeiten" - sagen sie - wäre es undenkbar gewesen, dass ein Kapitän sein sinkendes Schiff nicht als Letzter verlässt. Oder dass ein Ministerpräsident sich von einem Geschäftsmann den Urlaub schenken lässt und ein Staatsoberhaupt verdächtig günstige Kreditverträge abschließt - und alle anschließend, wenn etwas ruchbar wird, immer nur das zugeben, was eh schon bekannt ist.

Alles nur Panikmache?

Eine Salamitaktik, die auch gerne von Tour-de-France-Gewinnern gewählt wird, die ihren Sieg der Einnahme verbotener Substanzen verdanken oder von Bundesministern, deren Dissertationen nur zum geringsten Teil der eigenen Feder entsprungen sind. Nicht zu reden von südeuropäischen Ministerpräsidenten, die mal schnell Gesetze verabschieden lassen, um eigenes kriminelles Handeln nachträglich zu legalisieren. Das sollen Vorbilder sein?!

Ein einziges Sodom und Gomorra also, oder ist das alles nur übertrieben und unsere Gesellschaft nicht schlechter als frühere? Gab es nicht zu allen Zeiten Korruption und Bestechung, hat nicht schon immer jeder versucht, für sich das Beste herauszuholen und hatte nicht auch der "ehrbare Kaufmann" in der Schublade eine kleine aber wohlgefüllte schwarze Kasse?

Die Gäste:


Klaus von Dohnanyi wurde 1928 in Hamburg als Sohn des später als Widerstandskämpfer hingerichteten Hans von Dohnanyi und der Schwester des ebenfalls ermordeten Dietrich Bonhoeffer geboren. Nach dem Abitur 1946 studierte er in München Rechtswissenschaften und promovierte 1949 zum Dr. jur. 1957 trat er der SPD bei. Nach mehrjähriger Tätigkeit für das Marktforschungsinstitut "Infratest" wurde er 1968 zum Staatsekretär im Wirtschaftsministerium berufen. 1969 wurde er in den Bundestag gewählt, dem er bis 1981 angehörte. In diesen Jahren war er zunächst Parlamentarischer Staatssekretär im Bildungsministerium und anschließend Bundesbildungsminister.

Von 1976 bis 1981 hatte er das Amt des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt inne, von 1981 bis 1988 war er Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg. Ab 1990 folgte eine vierjährige Tätigkeit für die "Treuhandanstalt". Heute ist er Mitglied unterschiedlicher Gremien und Aufsichtsratsmitglied mehrerer Firmen. Aufsehen erregte Klaus von Dohnanyi in jüngster Zeit durch seine Verteidigung von Thilo Sarrazin und dessen umstrittenen Thesen. Er ist in dritter Ehe verheiratet und Vater dreier Kinder.


Bernhard Vogel, wurde 1932 in Göttingen geboren. Nach dem Abitur folgte ein Studium der Politischen Wissenschaft, Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaft in Heidelberg und München. 1960 promovierte er zum Dr. phil. an der Heidelberger Universität, an der er auch in den folgenden Jahren als Wissenschaftlicher Assistent und Lehrbeauftragter beschäftigt war.

In seiner Studienstadt war das CDU-Mitglied auch in der Kommunalpolitik engagiert, bevor er 1967 zum Kultusminister von Rheinland-Pfalz berufen wurde. Direkt im Anschluss daran wurde Bernhard Vogel 1976 zum Ministerpräsidenten des Landes gewählt. 1988 trat er nach einem heftigen innerparteilichen Streit von diesem Posten zurück.

Von 1989 bis 1993 sowie von 2001 bis 2009 war er Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. In der Zwischenzeit von 1992 bis 2003 hatte er das Amt des Thüringischen Ministerpräsidenten inne, von dem er freiwillig aus Altersgründen zurücktrat. Nach seinem Ausscheiden als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung wurde er 2010 zu deren Ehrenvorsitzenden erklärt. Bernhard Vogel ist ledig, kinderlos und lebt in Speyer.

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