Luxusstreik der Minigewerkschaften

Wie Piloten und Lokführer das Land lahmlegen

Bei „Peter Hahne“ diskutieren der Pressesprecher der „Vereinigung Cockpit“ Jörg Handwerg und Hagen Lesch vom „Institut der Deutschen Wirtschaft“ über die Macht von kleinen Gewerkschaften.

Anzeigetafel mit gestrichenen Flügen
Neue Parole: Alle Flieger stehen still, wenn dein starker Arm es will. Quelle: imago

Bis 2010 galt in deutschen Betrieben das Prinzip der Tarifeinheit: Eine Gewerkschaft handelte mit der Geschäftsleitung höhere Löhne aus. Kam man zu keiner gütlichen Einigung, rief die Arbeitnehmervertretung ihre Mitglieder an die Urnen zu Urabstimmungen, und in der Regel folgte ein Streik.


Seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2010 müssen jedoch auch in einem Betrieb mehrere Tarifverträge und Gerwerkschaften zugelassen werden, denn andernfalls sei das grundgesetzlich garantierte Recht auf Koalitionsfreiheit verletzt.

Neue Koalitionen

Prompt witterten einige Minigewerkschaften Morgenluft. Insbesondere die „Vereinigung Cockpit“ (VC), die „Unabhängige Flugbegleiter Organisation“(UFO) und die „Gewerkschaft der Lokführer“ (GdL) machten schnell von sich reden. Ihre Streiks zeigten mit relativ wenig Personalaufwand oft große Wirkung: Hunderte Flüge pro Tag mussten gecancelt werden, zahlreiche Bahnhöfe platzten vor verhinderten Reisenden aus allen Nähten, doch keine Lok bewegte sich auf den Gleisen.

Diese Macht, zumal sie in den Augen vieler zur Durchsetzung von Luxusforderungen eingesetzt wurde, stieß bald auf Kritik. Auch die jetzige Bundesregierung sucht einen Weg aus der Misere, doch konnte sie noch keinen Gesetzentwurf vorlegen, der Aussicht auf Erfolg vor einem Gericht haben könnte. Auf der anderen Seite ergeben sich interessante Koalitionen. So sind sich ausnahmsweise die führenden, großen Gewerkschaften mit den Arbeitgebern einig, die Tarifeinheit wieder herzustellen. Denn fürchten die einen, dass Gruppen innerhalb der Betriebe gegeneinander ausgespielt werden könnten, sorgen sich die anderen, dass das Beispiel von Cockpit und anderen Schule macht und in Zukunft mit deutlich mehr Streiks zu rechnen ist.

Gäste der Sendung

Jörg Handwerg
Jörg Handwerg Quelle: VC

Jörg Handwerg (45) ist Flugkapitän und Pressesprecher der „Vereinigung Cockpit“. Die Pilotengewerkschaft vertritt etwa 9300 Cockpitbesatzungsmitglieder und hat in den vergangenen Jahren mehrmals für Aufsehen erregende Streikaktionen gesorgt. Aktuell drohten sie nach einem sechstündigen Streit zu Beginn des Monats erneut mit Kampfmaßnahmen, diesmal im Bereich der Fernflüge. Ziel der Pilotengewerkschaft ist die Aufrechterhaltung der Vorruhestandsregelung bei der Lufthansa. Im letzter Sekunde hat die VC den Streik jedoch abgesagt, da die Lufthansa ein „diskussionswürdiges“ Angebot vorgelegt habe, wie Handwerg mitteilte.

Dr. Hagen Lesch
Dr. Hagen Lesch Quelle: IW


Dr. Hagen Lesch (50) ist Mitarbeiter des „Instituts der Deutschen Wirtschaft“ (IW). Dort leitet er das Kompetenzfeld „Strukturwandel, Verteilung, Lohnfindung“. Er gilt als Spezialist für Gewerkschaftsfragen. Das Institut, mit Sitz ihn Köln, wird getragen von der „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände“ und dem „Bundesverband der Deutschen Industrie“. Es versteht sich als „Anwalt der Sozialen Marktwirtschaft“ und setzt sich für eine „freiheitliche Wirtschafts-und Gesellschaftsordnung“ ein.

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