Macht doch Euren Dreck alleene

Unkultur der Verantwortungslosigkeit

Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie sich für das neue Jahr etwas vorgenommen haben? Gute Vorsätze gehören ja zu Silvester wie der Dom zu Köln. Nur dass das Kölner Gotteshaus seit Jahrhunderten felsenfest den Widrigkeiten von Kriegen und Katastrophen trotzt, während unsere guten Vorsätze oft nicht die erste Woche des neuen Jahres überstehen. Aber das würde dann doch noch knapp reichen für einen Vorsatz, den ich jedem Mitbürger wünsche: Meinen Silvester-Müll selber weg zu machen.

Müll auf der Straße am Neujahrstag
Müll auf der Straße am Neujahrstag Quelle: ap

Was denken sich eigentlich die Silvester-Knaller dabei, ganze Innenstädte mit ihrem Müll zu versauen und zu verwüsten, ohne die Schweinerei anschließend selber zu entsorgen?! Bei meinen Nachbarn lagen die Bierkasten-großen "Blöcke" oder die Plastikbeutel der Raketen noch am zweiten Tag des neuen Jahres vor der Tür, als handele es sich um Unrat, der anonym aus dem Himmel gefallen ist.

Ignoranz und Dreistigkeit

Für Fußgänger und Radfahrer wurden die Bürgersteige zum Hindernis-Parcour. Riesige Müllberge mit den verbrannten Überresten der Silvsternacht verunzieren die Strassen nicht nur, sie machen sie zudem gefährlich. Denn unter den Pappresten verbergen sich noch die Scherben zerbrochener Flaschen, die auch nach zwei Tagen noch nicht weggeräumt sind.
Wie ignorant und selbstgefällig müssen Leute sein, die nachts fröhlich feiern, ohne am nächsten Tag auch sofort den Müll zu entsorgen! Als wäre es nicht selbstverständlich, nach dem Ausschlafen am Neujahrsmorgen mal einen Besen in die Hand zu nehmen und den Müll wegzuräumen. Damit meine ich noch nicht einmal den "anonymen" Müll, der als Silvester-Überbleibsel die Strassen und Plätze verunreinigt.

Nein, ich rege mich darüber auf, dass selbst direkt vor den Häusern der Müll liegenbleibt, von dem man doch genau weiß, wer da noch am Vorabend gezündelt und gefeiert hat. Und ich bin fassungslos, wie dreist einen diese Leute anlächeln, wenn man sie darauf anspricht, ob sie den Dreck nicht endlich mal wegmachen wollen.

"Ich hab's doch bezahlt"

Müllmänner kehren die mit Müll übersähte Straße
Müllentsorgung nach Straßenfeier Quelle: imago

Der "gute" Vorsatz dieser guten Nachbarn scheint dagegen das Motto des Sachsenkönigs August des Starken zu sein: "Macht doch euren Dreck aleene!" Das alles nach dem bekannten Grundsatz: Schließlich haben wir doch unsere Steuern bezahlt, also soll sich die Stadtreinigung darum kümmern. Diese Unkultur der Verantwortungslosigkeit verbreitet sich wie ein Krebsgeschwür durch unsere Gesellschaft.



Es ist schlimm, dass sich immer mehr Menschen aus der Verantwortung stehlen und das, was man selber machen könnte, auf andere abwälzen. Unvergessen ist mir meine Pensionswirtin in Tirol. Da wurde die Silvesternacht rauschend bis in den frühen Morgen gefeiert, da wurde getrunken, getanzt und geböllert. Vor dem Gasthaus sah es anschließend aus wie auf einer Müllhalde.

Verantwortung übernehmen

Aber Annemarie war am Neujahrsmorgen die erste, die aufstand und den Besen in die Hand nahm, obwohl sie nachts als letzte ins Bett gekommen war. Sie befreite den Schnee, die Straße und den Bürgersteig von all den Feier-Feuer-Überresten. Und wenn wir Gäste uns aus dem Bett quälten, sah bereits alles so aus, als wäre nie etwas gewesen.

Der beste Vorsatz für das neue Jahr 2012 wäre doch: Ich drehe mich nicht nur um mich selbst, ich kümmere mich auch um das, was um mich herum passiert.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet