Miete, Makler, Nebenkosten

Wird Wohnen unbezahlbar?

Immer mehr Menschen zieht es in Deutschland in die Ballungsräume, in die Nähe ihrer Arbeitsstellen. Da jedoch niemand gerne in seinem Büro oder Fabrikhalle übernachtet, suchen sie auch eine Wohnung. Und das wird zunehmend schwieriger – zumindest wenn es sich um bezahlbare Unterkünfte handelt. Insbesondere Rentner und andere sozial Benachteiligte sind schon heute nicht mehr in der Lage, ihre Miete zu bezahlen und auf Unterstützung angewiesen oder müssen ihr Heim verlassen.

Grafik: Münzen und Eurosymbol vor Wohnhaus
Ständig steigende Mieten treiben Viele in die Armut. Quelle: imago

Angemessener Wohnraum gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Doch wie lässt sich dieses für einen Normalverdiener befriedigen angesichts der Tatsache, dass in Deutschland in den letzten Jahren die Mieten regelmäßig stärker gestiegen sind als die Löhne? Besonders gravierend zeigt sich diese Preiserhöhung bei Neuvermietungen: Laut Mieterbund erhöhen sich die Kosten für eine Wohnung um bis zu 44 Prozent – in Extremfällen bis zu 100 Prozent.

Rückzug des Staates

Der Hinweis von Vertretern der Immobilienbranche, dass sich durchschnittlich der Mietpreis nach Abzug der Inflationsrate sogar verringert habe, wird von Mieterseite als Zahlenspielerei abgetan. Sie verweist darauf, dass in der Makler-Statistik auch Regionen mit zahlreichen leerstehenden Wohnungen enthalten sind, wo naturgemäß der Mietzins geringer ist als in den Metropolen. Nur was nutzt dem Arbeiter in Deutschlands Osten eine billige Wohnung, wenn diese sich 300 Kilometer von seiner Arbeitsstätte entfernt befindet?

Einen weiteren Grund für steigende Mieten steuert die Politik bei. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen weist darauf hin, dass die Zahl der vergleichsweise günstigen Sozialwohnungen zwischen 2002 und 2010 von 2,5 auf 1,7 Millionen gefallen ist. Im gleichen Zeitraum wurde die Städtebauförderung von 612 auf 455 Millionen Euro zusammengestrichen.

Unsoziale Sozialwohnung

Darüber hinaus gelte auch im Bereich des Wohnungswesen das Gesetz von Angebot und Nachfrage: Das geringe Angebot von Wohnungen und die riesige Nachfrage bewirkten eben einen Preisanstieg. Die Tatsache des fehlenden Wohnraumes wird auch von Zahlen des Mieterbundes (DMB) bestätigt. Laut DMB fehlen bereits heute mehr als 260.000 Wohnungen – eine Zahl die bis 2017 bis auf 400.000 ansteigen könne. Doch da von privaten Bauherren die dringend benötigten preiswerten Wohnungen nicht zu erwarten seien, sehen die Mieterverbände den Staat in der Pflicht.

Doch selbst wer sich in einer dauerhaft bezahlbaren Sozialwohnung wähnt, kann böse Überraschungen erleben. Ausgerechnet in diesem Bereich wurden auch Mietsprünge von bis zu 100 Prozent beobachtet und Zehntausende Sozialmieter sahen sich Preiserhöhungen ausgeliefert, die ihre finanziellen Möglichkeiten überstiegen – obwohl sie vorher schon mehr als 40 Prozent ihres Einkommens in die Wohnung stecken mussten. Auch an dieser Stelle ist staatliches Handeln offenbar einzufordern – eventuell mit dem Hinweis, dass in früheren Zeiten die Marktwirtschaft das schmückende Adjektiv „sozial“ besaß.

Gemeinsam mit der SPD haben die Grünen in NRW auch die Makler ins Visier genommen: Die häufig als überzogen angesehene Makler-Courtage soll ihrer Meinung nach von denen bezahlt werden, die den Makler beauftragen, also den Wohnungsbesitzern. Auch damit wären die Mieter von Kosten entlastet, die oftmals deren Schmerzgrenze überschreiten. Sollte Rot/Grün im Herbst die Bundestagswahl gewinnen, gehört dieser Plan zu ihren vordringlichen Vorhaben.

Die Gäste der Sendung

Rolf Elgeti
Für Rolf Elgeti ist Wohnen in Deutschland zu billig. Quelle: imago

Rolf Elgeti wird 1976 als Sohn eines Bauern im heutigen Mecklenburg-Vorpommern geboren. Nach glanzvollem Abitur startet er ein Wirtschaftsstudium in Mannheim und Paris, das er nach nur sieben Semestern mit dem Master of Business Administration(MBA) abschließt. Es folgen Tätigkeiten für die Schweizer Großbank UBS und die deutsche Commerzbank. Seine Erfolge werden zwischen 2004 und 2006 zweimal mit der Ernennung zum besten und einmal zum zweitbesten Aktienstrategen gewürdigt.

2007 verlässt er den Bankensektor und wechselt in die Immobilienbranche. Zunächst arbeitet er als Immobilienkaufmann, 2009 wird er zum Chef der TAG Immobilien. Er führt das zu dieser Zeit von einer Krise gebeutelte Unternehmen durch Übernahme von anderen Wettbewerbern wieder in die Gewinnzone und verwaltet aktuell etwa 57.000 Wohnungen. Der Wechsel von den Banken zu den Immobilien hat sich gelohnt. Während die Kreditinstitute noch mit der Krise kämpfen, boomt der Wohnungsbereich. Grund dafür ist auch die stetige Steigerung der Mietpreise. Trotzdem ist Elgeti sich sicher: „Wohnen ist in Deutschland zu billig.“

Renate Künast hält eine Rede
Renate Künast kritisiert Luxussanierungen. Quelle: imago

Renate Künast wird 1955 in Recklinghausen geboren. Nach dem Studium der Sozialarbeit arbeitet sie speziell mit Drogenabhängigen in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel. Anschließend studiert sie bis 1985 Jura und lässt sich als Rechtsanwältin nieder. Seit 1979 ist sie Mitglied der Berliner Alternativen Liste. 1989/1990 ist sie während der rot/grünen Koalition in Berlin Fraktionsvorsitzende und anschließend Senatsabgeordnete für Bündnis90/Die Grünen.

Von 2000 bis 2001 wird sie zur Bundesvorsitzenden ihrer Partei gewählt und amtiert zwischen 2001 und 2005 als Verbraucherschutzministerin. Seit 2005 ist sie Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen. Sie beklagt die rapide gestiegenen Mietkosten, die auf den starken Zuzug in die Metropolen zurückzuführen seien. Daneben spielten aber auch Luxussanierungen eine wichtige Rolle, die die Mieten unnötig in die Höhe trieben. Ein weiter Aspekt, gerade für eine Grünen-Politikerin, ist für Künast aber auch die Tatsache der überproportional steigenden Nebenkosten. Unter Preis- aber auch Klimaschutzaspekten sei daher verstärkt auf ökologische Modernisierungsmaßnahmen zu achten.

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