Nicht nur zur Weihnachtszeit!

Gutes tun kann man das ganze Jahr

Zu Gast bei Peter Hahne sind Jutta Speidel und Schwester Inge Kimmerle. Die Schauspielerin hat in München ein Frauenhaus gegründet für obdachlose Mütter mit Kindern. Die Diakonisse wurde bekannt als Betreiberin eines Ladens für wohltätige Zwecke in Freiburg und Berlin sowie ihr Engagement für Straßenkinder in Kiew.

Weihnachtsmänner sammeln Geld Quelle: imago
Überweisungsträger für eine Spende
Überweisungsträger für eine Spende Quelle: imago


Adventszeit ist Sammelzeit. Keine Fußgängerzone ohne Sammelbüchsen, keine Zeitschrift ohne Beilage mit dem Aufruf "Spenden sie für ...". Es ist halt die Zeit der offenen Herzen und Portemonnaies. Doch kaum sind die Weihnachtsgeschenke ausgepackt und umgetauscht verlässt den Durchschnittsdeutschen die Geberlaune - als bräuchten soziale Projekte nur um die Feiertage herum finanzielle Zuwendungen.

Natürlich leben wir in einem Sozialstaat, der zumindest für die Grundsicherung seiner Bürger sorgen sollte, und natürlich zahlt der Staat Entwicklungshilfe an arme Länder. Doch jeder, der sich etwas mit diesen Themen beschäftigt hat, verweist sofort auf den Tropfen und den heißen Stein. Und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird die Situation dramatisch: Steigerung von Hartz IV um etwa 2,75 Prozent, was gerade mal der Preissteigerung 2011 entspricht, also keine Verbesserung bringt. Seit Jahren sinkt der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttoinlandsprodukt - entgegen den Versprechungen, diesen auf 0,7 Prozent zu steigern. Was Not tut, ist also privates Engagement. Und dafür stehen die beiden Frauen, die diesmal zu Gast bei Peter Hahne stehen.

Die Gäste:


Jutta Speidel, 1954 in München geboren, brach nach der Mittleren Reife das Gymnasium ab, um Schauspielerin zu werden. Nach der Schauspielschule trat sie in verschiedenen Filmrollen auf, bekannt wurde sie allerdings vor allem als Darstellerin in zahlreichen Fernsehserien. Zwischen ihren Film- und Fernsehengagements war Speidel auch immer wieder auf Theaterbühnen zu Gast.

1997 gründet sie den gemeinnützigen Verein "Horizont e.V.". Dieser bietet Müttern und Kindern, die vor gewalttätigen Männern in die Obdachlosigkeit fliehen mussten, vorübergehend Unterkunft und Hilfestellung. Die 24 Ein-, Zwei, oder Dreizimmerwohnungen stehen auf sechs Etagen für wohnungslose Mütter mit mindesten einem Kind aus aller Herren Länder zur Verfügung. Für dieses Engagement wurde Speidel 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zur ausschließlichen Unterstützung des Hauses hat die Schauspielerin 2006 die "Jutta-Speidel-Stiftung" gegründet. Darüber hinaus finanziert sich der Verein aus Spenden sowie Zuweisungen gerichtlicher Geldauflagen und Bußgeldern.


Inge Kimmerle wurde 1939 im schwäbischen Herrenberg geboren. Ihr langer Weg auf der Suche nach sich selbst und was gut für sie ist, führte sie über den Beruf der Krankenschwester in die Bibelschule von Aidlingen. Nach erneuten Zweifeln wurde dann 1963 aus Inge Kimmerle die Diakonisse Schwester Inge, die wie die anderen Diakonissen Ehelosigkeit gelobte und ihr Einkommen gemeinnützigen Zwecken spendete.

Von Kiew nach Berlin

Ihr Haus schickte sie nach Freiburg, wo sie sich wieder selbstlos um Kranke, Gestrandete und seelisch Notleidende kümmerte - so selbstlos, dass sie daran beinahe scheiterte. Kurz bevor sie alles hinschmiss kam die nächste himmlische Wendung: Ein befreundeter Pfarrer fragte sie, ob sie am Freiburger Bahnhof nicht einen kleinen Laden aufmachen wolle. Sie griff zu und wurde zur Chefin des "S'Einlädele", in dem sie gespendete Antiquitäten, Bücher, Schmuck, Bilder und Kleider, aber auch eine Tasse Kaffee für gute Zwecke verkaufte - menschliche Wärme, christlichen Beistand und Lebensberatung gab es häufig gratis dazu. Als eines Tages eine Gruppe Ukrainer in dem Kultladen nach Bibeln fragten, war 1993 das nächste Projekt der umtriebigen Schwester Inge geboren. Sie flog nach Kiew - nicht alleine, um Bibeln zu verteilen, sie begann auch, sich intensiv um die Straßenkinder der Ukrainischen Hauptstadt zu kümmern.

Seitdem hat sie Millionen an Spendengeldern gesammelt, fünf Kinderhäuser und einen Bauernhof in der Ukraine aufgebaut, drei Krankenhäuser mit Medikamenten und eine Intensivstation mit medizinischen Geräten versorgt. 120 Lastwagen lieferten die Waren aus Freiburg nach Kiew. Mit 70 Jahren wollte sie sich eigentlich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden, da erreichte sie der Hilferuf eines Bekannten, der in Berlin als Sozialarbeiter beschäftigt ist. Er fragte sie, ob sie nicht wieder einmal ein "S'Einlädele" führen könne - diesmal allerdings in Berlin am Hauptbahnhof. Seit Frühjahr 2010 arbeitet sie nun im Café "inneHALT" der Berliner Stadtmission - in alter Frische.

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